Österreich erzielt höchste Wertschöpfung weltweit

Die Alpen helfen bei der Wertschöpfung – und bringen Menschen näher. Das "Fensterln" ist ein alter Tiroler Brauch. Foto: dpa

Am Beispiel der Schladminger Ski-WM: Sport-Ereignisse sind Wirtschaftsmotoren. Der Wintertourismus ist eine veritable Wachstumsbranche. Österreich erzielt damit die höchste Wertschöpfung weltweit.

Ski-WM in Schladming: Österreich war mit hohen Erwartungen in dieses Sportereignis gestartet, lange Zeit unter den Erwartungen geblieben, hoffte auf den "Befreiungsschlag". Erst als sich Marcel Hirscher die Goldmedaille erkämpfte, atmete die Alpenrepublik auf, als wäre an diesem Sieg das Schicksal des Landes gehangen. Es war freilich mehr als nur Patriotismus, der bei diesem Ski-Event eine Rolle spielte. Es ging auch um wirtschaftliche, vor allem nachhaltige Impulse.

Schladming hat kaum 5.000 Einwohner, liegt am südlichen Fuß des Dachsteins und zählt zu einer der vielen Skisport-Regionen Österreichs. 3.000 Liftanlagen sind im gesamten Land registriert, 22 davon entfallen auf die Skiregion Dachstein-Planai. Bislang gehörte dieser Flecken im steirischen Ennstal freilich nicht zur Top-Liga, wie etwa St. Anton oder Kitzbühel.

Gute Gäste aus Osteuropa

Im innerösterreichischen Ranking liegen dementsprechend auch die Bundesländer Tirol, Vorarlberg und Salzburg vor Kärnten und der Steiermark, gefolgt von Ober- und Niederösterreich. Hinzu kam noch, dass die westlichen Bundesländer ein hochklassiges Hotellerieangebot vorweisen können und daher auch die zahlungskräftigeren Gäste (nebst Deutschen, Italienern, Niederländern zunehmend solche aus dem ehemaligen Ostblock) anziehen.

400 Millionen Euro Eintrittspreis in die Top-Liga

Die Dachstein-Planai-Region war dagegen die klassische 3-Sterne-Destination. Um in der Top-Liga mitzuspielen, war daher die Austragung der Ski-WM 2013 der erwünschte Impulsgeber. An die 400 Millionen Euro wurden in die Region investiert, um eine perfekte Ski-WM-Welt inszenieren zu können. Was auch – wie von allen Beteiligten und Experten versichert – gelang. Allein die TV-Übertragungen mit einem Millionen-Publikum waren ein enormer Werbeträger. Die Frage wird letztlich sein, wie nachhaltig sich dieses Interesse nun auch auf die touristischen Besucherströme auswirken wird.

Faktum ist, dass der Tourismus in Österreich Wachstumsbranche Nr. 1 ist. So wurden 2011 insgesamt 34,6 Millionen Ankünfte (ein Plus gegenüber 2010 von 3,7 Prozent) und 126 Millionen Nächtigungen (ein Plus von 0,9 Prozent) gezählt. Die erwirtschaftete direkte und indirekte Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft lag bei rund 44,1 Milliarden Euro, das sind 14,6 Prozent des BIP oder 5.250 Euro pro Einwohner. Ein weltweit einzigartiges Ergebnis.

Die Alpen als drittwichtigstes Urlaubsziel in Europa

Innerhalb des Tourismussegments hat sich eine Verschiebung vom Sommer zum Winter ergeben. Seit 2006 hat der Wintertourismus für Österreich (sieht man von der Bundeshauptstadt Wien und von der Festspielstadt Salzburg ab) eine größere wirtschaftliche Bedeutung als der Sommertourismus.

Vor allem aber fällt ins Gewicht, dass der Wintergast im Regelfall länger bleibt und mit rund 137 Euro (z.B. in Tirol) täglich mehr ausgibt als der Tourist, der im Sommer anreist.

Die Zielgruppe der Wintersportler wird immer größer. Weltweit schätzt man sie auf ca  80 Millionen, wovon 33 Millionen auf Europa entfallen. Der Anteil europäischer Urlaubsreisen mit alpinem Ziel liegt bei 11 Prozent und damit nach den Strand- und Städtereisen an dritter Stelle.

In Europa sind es insgesamt 6.200 Alpengemeinden, die um Gäste werben. Österreich zieht die meisten Wintergäste an, liegt klar auf Platz 1, gefolgt von Italien, Frankreich und der Schweiz, die vor allem auf Grund des hohen Preisniveaus in den letzten Jahren Einbußen hinnehmen musste.

Wien interessiert sich für Olympische Sommerspiele 2028

Die Ski-WM hat jedenfalls auch Wiens Appetit auf eine Bewerbung um ein sportliches Großereignis gesteigert. Bei einer Volksbefragung, die vom 7. bis 9. März in der Bundeshauptstadt abgehalten wird, werden die Bürger auch gefragt, ob "sich die Stadt um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2028 bemühen" soll.

Die Begeisterung dafür hält sich indes in Grenzen. Nur 35 Prozent wünschen sich laut Meinungsumfragen dieses Sport-Sommer-Spektakel (85 Prozent wären jedoch für olympische Winterspielte zu haben).

Es sind auch die Kosten, die abschrecken. 100 Millionen Euro kostet allein die Bewerbung. Die Investitionen kann man nur schätzen. Im Falle von London waren es 12 Milliarden Euro. Dagegen war die Schladminger Ski-WM geradezu ein Schnäppchen.

Herbert Vytiska (Wien)


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