Mehr Zeit für die Griechen oder mehr Härte: Auch in Österreich polarisiert die Griechenland-Hilfe die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP. Doch in spätestens drei Jahren wird die Krise in Europa vorbei sein, ist Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank International, überzeugt.
Nicht nur in Deutschland gibt es zu Griechenland erhebliche Meinungsunterschiede zwischen CDU und CSU, auch in Österreich knistert es zwischen den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP. Während sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) vorstellen kann, dass "die Griechen mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Schulden bekommen", bleibt Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) ihrem Ruf als neue "Iron Lady" treu. Sie sieht noch keinen Anlass für ein Nachgeben.
Eine Härte, die sie aber auch gegenüber dem eigenen Land demonstriert, wo sie "einen verschärften Schulden-Check" verlangt. Demnach müssen bei jedem neuen Gesetz auch gleich die Höhe der Kosten, die dadurch entstehen, und deren Auswirkung auf die Staatsverschuldung vor Beschlussfassung angeführt werden.
Die mitunter auseinander driftenden Positionen der Regierungsparteien in Österreich sind vor dem Hintergrund wahlkampfähnlicher Geplänkel zu sehen. Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach will bei den Nationalratswahlen 2013 mit einer eigenen Partei antreten und hat begonnen, Politiker aus anderen Parteien abzuwerben. Seine Botschaft lautet schlicht: "Raus aus dem Euro, raus aus der EU."
Wie es derzeit aussieht, spricht er damit vor allem Euro-kritischen Wählern der FPÖ aus dem Herzen, die in den Umfragen prompt markante Verluste aufweist. Die beiden Regierungsparteien wiederum fürchten um gewisse Randschichten und versuchen, diese entweder mit einer besonderen Sozialkomponente (SPÖ) oder einem strengen Haushaltskurs (ÖVP) bei der Stange zu halten.
In spätestens drei Jahren soll die Krisse vorbei sein
Während somit täglich die Sorgenländer Griechenland, Spanien und Italien Stoff für neue Diskussionen liefern, kommen von einem Manager eines der großen europäischen Bankinstitute überraschend optimistische Töne. "2015 ist die Krise endgültig vorbei", prophezeit Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank International, und signalisiert damit Licht am Ende des Tunnels.
Interessant ist, dass diese Prognose vom Manager einer jener Banken kommt, die besonders stark in der MOEL-Region, also in Mittel- und Osteuropa, engagiert sind. Auf die Frage "Wann ist die Krise zu Ende?" sagte der Banker am Wochenende in einem Zeitungsinterview: "Ich gehe – wie in der Bibel – von sieben mageren Jahren aus. Die Krise hat 2008 begonnen. Daher sollten wir 2015 endgültig rauskommen."
Er findet, dass es sich bei der aktuellen Krise primär um eine "Staatenkrise" handelt. Denn: "Diese Krise hat nur in zwei Ländern eine bankenspezifische Ausprägung, nämlich in Spanien und in Irland. In allen anderen Ländern sind das jahrzehntelange Missstände der Politik, die dazu geführt haben, dass die Wirtschaft fehlgeleitet worden ist."
Österreichs Banken größte Kreditgeber in Zentral- und Osteuropa
Österreich ist in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien der bedeutendste Investor. In Rumänien, Bulgarien und in der Slowakei belegen Österreichs Unternehmen mit ihren Firmenbeteiligungen den zweiten Platz.
Auch in den übrigen mittel- und osteuropäischen Ländern ist Österreich als Direktinvestor stark vertreten. Entscheidend daran beteiligt sind die österreichischen Banken, die zu Beginn der 1990-er Jahre, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, die neuen Expansionsmöglichkeiten im bankenwirtschaftlich unterentwickelten ehemaligen Ostblock nutzten.
2008 waren sie unter allen EU-Ländern die größten Geldgeber in den MOEL-Ländern, inklusive Russland und Ukraine. 19,5 Prozent der bei EU-Banken offenen Kredite im Ausmaß von 1,54 Billionen Euro entfielen auf österreichische Banken. An zweiter und dritter Stelle folgten Deutschland und Italien mit jeweils etwa 15 Prozent.
Das starke österreichische Engagement – beispielsweise der Raiffeisenbank International – wurde im Zuge der Finanzkrise vor allem (aber nicht nur) von den US-Ratingagenturen sehr kritisch bewertet. Eine Einschätzung, die von der Finanzmarktaufsicht mit dem Hinweis zurückgewiesen wurde., dass es sich dabei um eine kaum differenzierte US-Sicht von Osteuropa als einer einheitlichen "Gesamtregion" handle.
Faule Kredite im Rückzug
Tatsächlich erwarten die Analysten der auf Osteuropa fokussierten Banken eine "Wende zum Besseren". Was auch daran erkennbar ist, dass sich die Kreditqualität in Mittel- und Osteuropa verbessert hat.
So ist der Anteil der faulen Kredite am Kreditbestand nach Berechnungen von UniCredit Research im Durchschnitt seit Jahresende 2010 nicht mehr gestiegen und bewegte sich Ende 2011 bei rund 14 Prozent. Der Vorsorgebedarf für faule Kredite ging in allen Ländern mit Ausnahme Kasachstans zurück, wobei der deutlichste Rückgang in den baltischen Staaten, Russland, Bosnien-Herzegowina, Ungarn und der Ukraine zu verzeichnen war.
Herbert Vytiska (Wien)

