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23/01/2017

Österreich: Ansiedlung internationaler Konzerne um 21 Prozent gestiegen

Österreich

Österreich: Ansiedlung internationaler Konzerne um 21 Prozent gestiegen

Zuwachs vor allem bei Forschung und Entwicklung: Immer mehr Betriebe siedeln sich in Österreich an.

[Bilfinger SE]

Jammern auf hohem Niveau: Österreich klagt stetig über seine schwächelnde Wirtschaft und gibt den hohen Steuern eine Mitschuld. Doch gleichzeitig siedeln sich immer mehr internationale Unternehmen an. Vor allem für Betriebe aus den Bereichen Forschung und Entwicklung ist das Land offenbar attraktiv wie lange nicht.

Auf der einen Seite beklagt Österreich, dass der Wirtschaftsmotor nicht so recht anspringen will. Und begründet dies unter anderem mit der hohen Steuerlast. Auf der anderen Seite ist das Land aber doch so interessant, dass laufend viele neue Unternehmen aus dem Ausland dazu stoßen. Man kann auch von „Jammern auf hohem Niveau“ sprechen.

So verzeichnete die Betriebsansiedlungsagentur ABA-Invest (eine im Eigentum des Wirtschaftsministeriums stehende Betriebsansiedlungsgesellschaft) 2014 die Ansiedlung von 276 neuen internationalen Unternehmen in Österreich. Dieses Plus von mehr als 21 Prozent stellt das bisher beste Ergebnis in der 33-jährigen Firmengeschichte dar. Aber auch andere Parameter haben sich deutlich verbessert, so erhöhte sich die Investitionssumme um knapp sieben Prozent auf 371 Millionen Euro. Und die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze ist gegenüber dem Vorjahr sogar um 79 Prozent auf 2.645 gestiegen.

„Das gestiegene Vertrauen internationaler Investoren ist ein positives Signal, muss aber vor allem ein Ansporn für weitere Reformen sein. Denn die internationale Konkurrenz wird härter, daher müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts schrittweise verbessern“, betonte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bei der Präsentation dieses Zahlmaterials.

Für ihn stellt der Erfolg bei den Betriebsansiedlungen mehr als nur eine Motivationsspritze dar. Er will dies auch als Ansporn verstanden wissen, nach der beschlossenen Steuerreform nun weitere Reformmaßnahmen zu setzen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken, die Entbürokratisierung und die Fachkräfte-Ausbildung zu verbessern. Gerade das Angebot an Spitzen- und Fachkräften wird immer entscheidender. Als neue Maßnahme sollen daher die Forschungsprämie von zehn auf zwölf Prozent erhöht sowie die Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft ausgebaut werden.

Deutschland, Italien und die CEE-Staaten

Auffallend ist der deutliche Ansiedlungs-Zuwachs bei Unternehmen, die sich auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. Seit dem Start der Marketingkampagne „Forschungsplatz Österreich“ haben 72 internationale Unternehmen allein 282 Millionen Euro nur in die F&E-Sparte investiert und so 1.442 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Staatssekretär Harald Mahrer will freilich noch mehr „qualitative, nachhaltige Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektiven schaffen“ und daher auch die Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft weiter ausbauen. Ziel der Regierung ist es, dass Österreich ein bedeutender Forschungs-Hotspot im Europas Mitte wird. So sollen vier neue Werbesujets, die die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft illustrieren, werden in den nächsten Monaten in internationalen Wirtschafts- und Wissenschaftsmagazinen erscheinen und verstärktes Interesse am Innovationsstandort Österreich wecken.

Wichtigstes Investorenland mit 88 Ansiedlungen ist übrigens Deutschland, das Plus lag bei vier Prozent. Darunter befanden sich auch einige größere Investitionen im zweistelligen Millionenbereich. Sehr positiv fiel auch der Aufwärtstrend bei Betriebsansiedlungen aus Italien aus, er brachte 2014 sogar das beste Ergebnis seit Bestehen der ABA: Insgesamt 43 italienische Unternehmen haben sich im Vorjahr in Österreich niedergelassen – fünfmal so viele wie vor zehn Jahren und 23 Prozent mehr als 2013. Markant ist auch das zunehmende Interesse aus dem zentral- und südosteuropäischen Raum: Mit 74 Unternehmen zeichnet diese Gruppe für rund 27 Prozent aller ABA-Ansiedlungen verantwortlich.

„Viele Unternehmen, die sich in Österreich ansiedeln, schätzen die Drehscheibenfunktion in Richtung Zentral-, Südost- und Osteuropa. Dazu kommen langfristige Erfolgsfaktoren wie die qualifizierten Fachkräfte sowie Stabilität und Rechtssicherheit, was gerade in einem schwierigen geopolitischen Umfeld eine besondere Stärke ist“, erläutert Vizekanzler und Wirtschaftsminister Mitterlehner. Darüber hinaus punktet Alpenrepublik mit einer guten Lebensqualität, einer hohen Energie-Versorgungssicherheit und einer besonders niedrigen Streikrate.

Besonderer Anziehungspunkt ist die Ostregion. Die Mehrzahl der internationalen Unternehmen siedelte sich dementsprechend in der Bundeshauptstadt Wien an. Stärkstes Bundesland war Kärnten vor Niederösterreich.