Nowotny: Euro-Zone fährt aus der Wirtschaftskrise

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„Für die Euro-Zone ist die Rezession vorbei“, meint Ewald Nowotny, EZB-Ratsmitglied und Gouverneur der Österreichischen Nationalbank. Die Lage am Arbeitsmarkt stellt sich für die Nationalbankökonomen allerdings „als ambivalent dar“.

Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank, Ewald Nowotny, hat zum Wochenende eine Botschaft verkündet, die über die Alpenrepublik hinaus von Interesse ist: "Für die Euro-Zone ist die Rezession vorbei". Anlass für diese doch sehr dezidierte Feststellung ist ein allgemein feststellbarer, wenngleich noch etwas zarter Wirtschaftsaufschwung. Der Trend ist jedenfalls für den gewöhnlich vorsichtig argumentierenden Nowotny klar, nämlich dass in Europa die Wirtschaftskrise Geschichte ist.

Die Aussage basiert auf den Daten und Fakten der aktuellen Prognose der Nationalbank. Demnach wird für heuer summa summarum noch ein sehr moderates Wachstum der österreichischen Wirtschaft von 0,4 Prozent erwartet. Nach einem Einbruch zu Jahresbeginn hat sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr schrittweise erholt. Ein Trend, der sich fortsetzt. 2014 und 2015 wird sich nämlich das Wachstum auf 1,6 Prozent bzw. 1,9 Prozent beschleunigen. Dazu tragen neben der Erholung der Weltwirtschaft zunehmend inländische Nachfragekomponenten bei.

Regierung setzt auf Sparkurs und Wachstumsförderung

Nowotny’s Ansage war offenbar auch für die laufenden Verhandlungen zur Bildung einer neuen Koalitionsregierung gedacht. Und tatsächlich wurde auch schon postuliert, dass "eines der wesentlichen Ziele in den kommenden Jahren es sein wird, das Wachstum in Österreich wieder zu entfachen, und dafür die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen." Welche Maßnahmen dies konkret sein werden, ist noch Verhandlungsgegenstand. Nachdem in den letzten Wochen die verschiedensten Ziffern über das mögliche "Budgetloch" (da war von 18 bis zu 40 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre die Rede) für Aufregung und Verwirrung gesorgt haben, schraubt die OeNB nun diese Zahl beachtlich herunter. Wörtlich heißt es dazu, dass aus der Gegenüberstellung des erwarteten strukturellen Budgetsaldos und dem für das Jahr 2015 geforderten Zielwert der strukturellen Defizitquote ein nachhaltiges Konsolidierungserfordernis von rund 3 Milliarden Euro übrig bleibt, das in den Jahren 2014 bzw. 2015 umzusetzen ist. Bis 2016 ist auch das Ziel eines so genannten Null-Defizits durchaus erreichbar.

Entscheidend aus Sicht der Österreichischen Nationalbank ist, dass sich "die Weltwirtschaft nach zwei Jahren wieder erholt und derzeit auf einem moderaten Wachstumskurs befindet. Während sich die Wachstumskräfte in den Schwellenländern etwas abschwächen, legt die Konjunktur in den Industrienationen – insbesondere in den USA – zusehends zu. Die im Zuge der europäischen Schuldenkrise entstandenen Unterschiede in der makroökonomischen Entwicklung zwischen den Euroraumländern bilden sich langsam zurück".

Exportwachstum als Triebfeder

Ähnlich wie in Deutschland ist auch in Österreich der Export eine Triebfeder, wird sich doch das Exportwachstum deutlich beschleunigen und eine wichtige Konjunkturstütze bilden. Aufgrund einer rückläufigen Importentwicklung steigt der Überschuss der österreichischen Leistungsbilanz im Jahr 2013 auf 3 Prozent und wird sich 2014 und 2015 weiter erhöhen. Laut Nationalbank stellt dabei die Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit allerdings auch eine Herausforderung für die österreichische Exportwirtschaft dar, die es zu meistern gilt und entsprechender politischer Rahmenbedingungen bedarf.

Seit dem Frühjahr 2012 hatten sich die österreichischen Unternehmen aufgrund der lange vorherrschenden Unsicherheiten mit ihrer Investitionstätigkeit zurück gehalten. Die Verbesserung der Stimmungslage lässt jedoch ein baldiges Anspringen der Investitionskonjunktur erwarten. Dazu tragen vor allem die ausgezeichneten Finanzierungsbedingungen bei. So ist insbesondere auch mit einer Beschleunigung der Wohnbauinvestitionen zu rechnen. Berechtigte Hoffnungen gibt es auch auf dem Sektor des privaten Konsums, der zuletzt unter sinkenden realen Haushaltseinkommen litt. Fazit: 2013 wird der private Konsum stagnieren. Das anhaltende Beschäftigungswachstum und steigende Reallöhne werden jedoch in den kommenden Jahren wieder zu einem positiven Konsumwachstum führen.

Ambivalente Lage am Arbeitsmarkt

Motivierend wirkt dabei auch die niedrige Inflationsrate. So hat sich der Preisauftrieb in Österreich während der letzten zwölf Monate beinahe halbiert. Sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise werden zu einer weiteren Abschwächung der Inflationsdynamik führen. Beträgt die Teuerungsrate 2013 noch 2,1 Prozent so wird sie auf 1,7 Prozent und 1,6 Prozent in den Jahren 2014 bzw. 2015 sinken.

Die Lage am Arbeitsmarkt stellt sich dagegen für die Nationalbankökonomen "als ambivalent dar". Die Beschäftigung expandiert trotz der heuer schwachen Konjunktur, es gibt eine hohe Nachfrage an Fachkräften, die aktuell nicht befriedigt werden kann, gleichzeitig aber nimmt die Arbeitslosigkeit zu. So wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr bei 4,9 Prozent zu liegen kommen und auch in den beiden kommenden Jahren auf dem Niveau von rund 5,0 Prozent bleiben. Für europäische Verhältnisse trotzdem ein Tiefstwert.

Red. Wien

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