Kultur als Wirtschaftsfaktor in Österreich – Festspiele bringen wirtschaftlichen Nutzen

Die Wiener Staatsoper. Foto: dpa

In deutschen Schauspieler-, Sänger- und Musikerkreisen gilt Österreich als ein „Sommerparadies“. Nirgendwo in Europa gibt es in den Sommermonaten so viele Veranstaltungen und damit Engagements. Mehrere aktuelle Untersuchungen zeigen nun im Fall von Österreich, dass „Kultur als Wirtschaftsfaktor und identitätsstiftendes Merkmal einer Region eine immer größere Rolle spielt“.

Öffentliche Subventionen werden gerne als unnütze Ausgaben kritisiert. Das Sponsoring von Großunternehmen wiederum wird als Versuch gebrandmarkt, sich damit Wohlwollen bei Institutionen und Geschäftspartnern erkaufen zu wollen. Ein professioneller Kulturbetrieb lässt sich freilich ohne staatliche und private Geldgeber nicht aufrecht erhalten. Mehrere aktuelle Untersuchungen zeigen nun im Fall von Österreich, dass "Kultur als Wirtschaftsfaktor und identitätsstiftendes Merkmal einer Region eine immer größere Rolle spielt". Gerade auch beim Sommertourismus, der nicht nur wegen der Schönwetterperiode wieder stärker an Bedeutung gewinnt.

In deutschen Schauspieler-, Sänger- und Musikerkreisen gilt Österreich als ein "Sommerparadies". Nirgendwo in Europa gibt es in den Sommermonaten so viele Veranstaltungen und damit Engagements. Tatsächlich hat sich die Alpenrepublik in den letzten 25 Jahren zu einem Eldorado in punkto Kulturevents entwickelt. Zwar fließen einige Millionen Subventionsgelder in eine Vielzahl von Veranstaltungen, gleichzeitig aber machen sich diese Investitionen mehr als bewährt, tragen sie doch mit dazu bei, dass ganze kulturinteressierte Touristenströme Hotellerie, Gastronomie und Gewerbe beleben. Nach Schätzung der Wirtschaftskammer sind bereits "mehr als ein Viertel des heimischen Tourismus ein reiner Kulturtourismus. Festwochen, Sommerfestspiele beleben totgesagte Regionen, und zählen dort oft schon zu den wichtigen Einkommensquellen". Die Festspiele sind somit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Nicht nur das, "Kultur wird auch als identitäts- und sinnstiftend von den Bewohnern erlebt. Sie wird oft eingesetzt, um ganze Gebiete (neu) aufzuwerten".

Mehr als eine Million Festspielbesucher österreichweit

Wer noch in den 60-er und 70-er Jahren im Juli und August nach Österreich reiste, stand in Wien überhaupt vor verschlossenen Theatertüren (Burg und Oper waren auf Ferien), nur in Salzburg und Bregenz gab es Festspiele. Diese waren aber eher historische Relikte, so wurde Salzburg von Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt bereits 1920 kreiert, Bregenz 1946 aus der Taufe gehoben. In den übrigen Landesteilen musste man sich weitgehend mit Blasmusikkonzerten und Schuhplattler-Abenden zufrieden geben. Mittlerweile überzieht ein Teppich von Veranstaltungen die gesamte Alpenrepublik von Osten bis in den Westen.

Salzburg ist mittlerweile zum Festspielereignis – und das nicht nur für die oberen Zehntausend – in Mitteleuropa geworden und bringt jährlich rund 280.000 Festival-Besucher in die Mozartstadt. Bregenz zieht mit dem Opernspektakel am Bodensee in den beiden Sommermonaten 180.000 Menschen in seinen Bann. Am anderen Ende Österreichs, im Burgenland, hat sich in Mörbisch am Neusiedlersee mit 200.000 Besuchern Europas größtes Operettenspektakel etabliert. Gleich daneben im Steinbruch von St-Margarethen wird Verona Konkurrenz gemacht, Oper auf einer Riesenbühne gespielt, was sich an die 160.000 Zuseher zu Gemüte führen. Salzburg, Bregenz und Burgenland sprechen dabei ein durchaus unterschiedliches Publikum an.

Palette reicht von Hoch- bis qualitativer Volks-Kultur

Damit ist es aber bei weitem nicht getan. Niederösterreich veranstaltet einen eigenen Kultursommer, wo bei fast 30 Premieren nahezu alle Kulturgenres bedient und alle Landesteile bespielt werden. An die 200.000 Kulturinteressierte machen von diesem Angebot Gebrauch. In Tirol wiederum gibt es unter anderem ein Festival der Alten Musik in Innsbruck und – typisch Alpenland – Schauspiel auf der 2.600 Meter Hohen Munde. Der Aufstieg zur Spielstätte ist im Kartenpreis nicht inbegriffen, muss von den Zusehern selbst geleistet werden. Oberösterreich legt einen Schwerpunkt auf das Salzkammergut, wo wie in Bad Ischl ein wenig von der k.u.k. Zeit spürbar wird. Die Steiermark hat sich auf den "Steirischen Herbst" konzentriert, ein Kultur-Avantgarde-Fest der Sonderklasse. In Kärnten dagegen hat sich gerade jetzt die neue Landesregierung entschieden, von einem Spektakel Abschied zu nehmen und die Wörthersee-Bühne nicht mehr weiter zu finanzieren, sie zu verkaufen. Es ist eines von vielen Projekten, mit denen der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider das Land auf Vordermann bringen wollte. Geblieben von diesem Unterfangen sind Schulden, die auf dem Landesbudget lasten und abgebaut werden müssen.

Kulturevents als Exportschlager

Und was ist eigentlich los in Wien? Die Bundeshauptstadt veranstaltet seit 23 Jahren vor dem Rathaus ein so genanntes Open-Air-Musik-Film-Festival. Zwei Monate können bei freiem Eintritt täglich spätabends erstklassige Opern-, Musik- und Musicalproduktionen auf einer Riesen-TV-Leinwand bestaunt werden. In der ersten Hälfte der heurigen Saison wurden bereits über 350.000 Besucher gezählt. Veranstalter ist das Internationale Musik Zentrum in Wien, das die Aufführungsrechte für 36.000 (!) Produktionen hält und zwischenzeitlich mit seinen Copyrights vor allem aber seinem Know how am internationalen Markt gefragt sind. Kulturevents als Exportschlager.

Sponsoring und Subventionen machen sich bezahlt

Summa Summarum sind es fast zwei Millionen Zuseher, die beim österreichischen Kultursommer gezählt werden. Darunter ein hoher Anteil ausländischer Gäste. Eine gesamtösterreichische Studie über den wirtschaftlichen Nutzen existiert noch nicht. Eine Untersuchung der Salzburger Fachhochschule konnte nun nachweisen, dass allein die Salzburger Festspiele dem Mozart-Land wirtschaftliche Effekte in der Höhe von 276 Millionen Euro bescheren. Die Subventionen der öffentlichen Hand in der Höhe von 13,5 Millionen Euro (bei einem Budget von 51,7 Millionen) sowie Sponsorgelder in der Höhe von 14,1 Millionen Euro machen sich da als eine mehr als rentable Investition in Kultur und Wirtschaft bemerkbar. Hochgerechnet auf ganz Österreich dürfte der wirtschaftliche Nutzen des Festspielsommers bei einer Milliarde Euro liegen.

Herbert Vytiska (Wien)

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