Jedes EU-Land hat so seine Problem-Bank. Im Falle von Österreich ist es die Hypo Alpe Adria Bank. Nach der 2009 erfolgten Notverstaatlichung drängt nun die EU-Kommission auf eine raschere Sanierung. Im Finanzministerium in Wien will man hingegen keine überhasteten Aktionen setzen und hofft auf den „deus ex machina“.
In die Schlagzeilen kam die Hypo Alpe Adria Bank so richtig nach dem Unfalltod (Oktober 2008) des damaligen Landeshauptmanns Jörg Haider, Führungsfigur des freiheitlichen Lagers. Haider wollte aus dem Geldinstitut, das sich inbesondere in Süd-Ost-Europa geschäftlich engagierte einen "big player"machen. Tatsächlich wurde daraus ein "big desaster". Die Republik musste bislang 2,2 Milliarden Euro in das Überleben der Bank pumpen, dieses Jahr werden wohl weitere 700 Millionen dazu kommen. Insgesamt kostet diese Hilfsaktion für eine marode Landesbank mehr als der Haftungsrahmen Österreichs für die Rettung Griechenlands beträgt.
Sanierungsbedarf auf 4,4 Milliarden geschätzt
Laut einem an die Öffentlichkeit gespielten Papier des Finanzministeriums könnte der von EU-Kommissar Joaquin Almunia verlangte Verkauf der maroden Töchter bis Ende 2013 sowie der Abbau der faulen Kredite über eine so genannte Bad Bank an die 4,4 Milliarden Euro verschlingen. Ein in einem Wahljahr fast unverdaulicher Betrag, der in letzter Konsequenz zu Lasten der Steuerzahler geht. Genau das aber will Finanzministerin Maria Fekter, die derzeit einen Mehr-Fronten-Kampf mit Brüssel führt, verhindern und setzt daher auf den Faktor Zeit beziehungsweise eine in der Öffentlichkeit besser verdauliche Lösung.
Slowakei wird ein interessanter Bankenplatz
Ein Seitenblick fällt da auf die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) die auch angeeschlagen war, aber über ein beachtliches osteuropäisches Netzwerk verfügte. Deren Kauf durch die russische Sber-Bank machte sich trotz anfänglicher Kritik durch die neuen Eigentümer durchaus bezahlt. Sie ist heute die größte Bank Osteuropas, hat 250 Millionen Privatkunden und 1,3 Millionen Geschäftskunden. Seit November 2012 firmiert die Bankengruppe unter dem Namen "Sberbank Europe AG". Das Bankennetzwerk besteht aus neun Universalbanken mit insgesamt knapp 300 Filialen in acht mittel- und osteuropäischen Ländern: Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Ukraine. Aufsichtsratsvorsitzender ist übrigens der ehemalige Magna-Chef Siegfried Wolf.
Besonders bemüht ist man derzeit bei der Sber-Bank, jene russischen Großanleger zu gewinnen, die aufgrund der in der EU laufenden Diskussion, das Bankgeheimnis auch in Luxemburg und Österreich aufzuösen und Steueroasen auszutrocknen, auf der Suche nach neuen "sicheren" Feldinstituten sind. Und dabei zeigt sich gerade das ÖVAG-Kernstück jetzt als ein wichtiger Vertrauensfaktor. Augenmerk findet dabei vor allem der Bankenplatz Slowakei, wo die ÖVAG bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs aktiv wurde und sich eine starke Position aufbauen konnte. Ausschlaggebend aber ist, dass hier relativ niedrige Steuersaetze Unternehmen und Anlegern das Leben leicht und damit attraktiv machen.
Herbert Vytiska (Wien)

