„Hotel Mama“ auch in Österreich beliebt

Junge Menschen sind oft aufs "Hotel Mama" angewiesen, weil Wohnen immer teurer wird. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

In Italien leben zwei Drittel der 18- bis 34-jährigen noch zu Hause. Dies ist vor allem eine Folge der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Mit einer Jugendarbeitslosenquote von 8,1 Prozent ist Österreich geradezu ein Schlaraffenland. Trotzdem wohnen überraschend viele berufstätige Österreicher noch bei ihren Eltern.

In Italien leben zwei Drittel der 18- bis 34-jährigen noch zu Hause, mit vor allem eine Folge der hohen Arbeitslosigkeit. Mit generell 12 Prozent und exorbitanten 38,5 Prozent bei den Jugendlichen gilt die drittgrößte europäische Volkswirtschaft auch als ein Problemfall. Junge Menschen sind daher auf das so genannte "Hotel Mama" angewiesen, weil ihnen zunächst meist das Geld für eine eigene Existenzgründung fehlt. Mit 4,3 Prozent bei den 15- bis 64-Jährigen und 8,1 Prozent bei den Jugendlichen ist Österreich geradezu ein Schlaraffenland, trotzdem wohnen, wie eine aktuelle GfK-Studie zeigt, überraschend viele berufstätige Österreicher und Österreicherinnen noch bei ihren Eltern.

Aus einer Sozial-Befragung (4000-er Sample) lässt sich herauslesen, dass in Österreich in der Gruppe der 20-bis 29-Jährigen 42 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen das Hotel "Mama" komfortabel finden. Interessant ist die geschlechtsspezifische Trennung. Mehr als die Hälfte, nämlich 54 Prozent der männlichen Österreicher, die mitten im Berufsleben stehen, schonen ihr "Geldbörsel", sparen für die Zukunft und wohnen daher noch daheim. Die berufstätigen Österreicherinnen dagegen wagen schon häufiger den Sprung in die Selbständigkeit, nur noch 40 Prozent wohnen noch bei den Eltern. Besonders häufig finden sich die Nesthocker laut Studie in der A-Schicht, die auch den höchsten Anteil an Schulpflichtigen, Noch-Studierenden und Akademikern aufweist: 62 Prozent der 20- bis 29-Jährigen wohnen hier noch zuhause.

Leistbares Wohnen ein politisches Top-Thema

Gründe dafür sind für die Sozialforscherin Ulrike Lavrencic "teure Mieten und das (noch) geringe Einkommen." Bei den Studierenden kommt vor allem noch hinzu, dass es einfach "billiger und bequemer ist zu Hause zu wohnen". Zudem muss man sich nicht um die sonst normalerweise in einem eigenen Haushalt anfallenden Arbeiten kümmern. Hinzu kommt ein bemerkenswerter gesellschaftlicher Aspekt: "Die Eltern der heutigen Generation sind längst nicht mehr Teil jener Erziehergenerationen gegen die man rebellieren müsste. Im Gegenteil, manchen Jungen sind die alten 68-er Eltern und Großeltern sogar zu liberal und ausgeflippt."

Die Studie macht allerdings auch deutlich, dass die Lösung des Wohnungsproblems ein zentrales Anliegen gerade junger Menschen ist. Österreichs Immobilienmarkt ist in den letzten Jahren ein begehrtes Objekt von Investoren aber auch Spekulanten geworden. Betrachtet man den Inflationsindex gelten Wohnungsmieten mit zuletzt 2,7 Prozent sowie die Betriebskosten mit 4,0 Prozent als Hauptpreistreiber. Dementsprechend spielt auch im Wahlkampf das Thema Wohnen gerade bei den beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sowie den Grünen eine Rolle. Die SPÖ will vor allem mehr Sozialwohnungen bauen und eine Art Obergrenze bei Mietwohnungen einziehen. Die Grünen erheben die Forderung, eine Art Grundrecht auf Wohnen in der Verfassung zu verankern. Die Volkspartei wiederum will den Missbrauch bei der Vergabe von Sozialwohnungen verhindern, vor allem aber den Erwerb von Eigentum erleichtern.

Ausgeprägter Trend zum Eigenheim

Und tatsächlich, in Österreich ist der Erwerb von Wohnungseigentum viel ausgeprägter als in vielen anderen europäischen Staaten. Auch das geht aus einer GfK-Umfrage hervor. Gleich 68 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren wollen ein eigenes Haus – wobei der Trend nicht in Richtung Stadtzentrum sondern der so genannten "Speckgürtel" weist, wo derzeit eine große Nachfrage, gleichzeitig aber ein geringeres Angebot und daher auch relativ teure Preise den Wohnungsmarkt dominieren. Auch hier widerspiegelt sich aber das Phänomen "Hotel Mama". Die meisten Jungen wohnen derzeit im Haus der Eltern. Nur ein Viertel der 18- bis 39-Jährigen lebt in einer Mietwohnung, 13 Prozent in einer Genossenschaftswohnung, zehn Prozent in einer Eigentumswohnung, zwei Prozent in einem gemieteten Haus und fünf Prozent in einer sonstigen Wohnform wie etwa Studentenwohnung.

Herbert Vytiska (Wien)

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