Noch vor wenigen Jahren bestand nach österreichischen Banklizenzen große Nachfrage. Mittlerweile ist es äußerst schwierig geworden, für zum Verkauf stehende Banken Käufer zu finden. Noch dazu, wenn ein Geldinstitut selbst in der Krise steckt. Davon betroffen ist auch die Hypo Alpe Adria Bank. Das einst sechstgrößte Bankinstitut Österreichs wird im Zuge eines Notverkaufs „filetiert“. Damit kommt gewissermaßen Haiders Erbe unter den Hammer.
Seit vergangenen Freitag ist nun fix, dass der indisch-britische Investor Sanjeev Kanoria 65.5 Mio Euro für die Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria Bank zahlt. Die Verträge sind unterschrieben, nur noch die Finanzmarktaufsicht muss dem Deal zustimmen. Offen ist, ob sich damit EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia zufrieden gibt. Er macht seit einiger Zeit Druck auf die Regierung in Wien und forderte immer wieder eine raschere Zerschlagung. In Zeiten der Finanzkrise freilich kann man sich vieles wünschen, was aber mitunter so nicht realistisch ist, heißt es dazu aus österreichischen EU-Kreisen. Die Regierung in Wien erwartet daher nicht nur angesichts der schwierigen Finanzlage in der sich Europa befindet mehr Verständnis, sondern argumentiert auch mit einem neuen, begründeten Zeitplan.
Vom Big Player zum Big Gambler
Die Hypo Alpe Adria Bank war – aus der 1896 gegründeten Landeshypothekenbank für Kärnten hervorgegangen – zu einem Objekt der Begierde geworden. Der im Oktober 2008 tödlich verunglückte Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider wollte daraus ein führendes Geldinstitut für die so genannte "Alpen-Adria-Region" formen und gleichzeitig damit Kärnten zu einem "Big Player" im Wirtschafts- und Finanzgeschäft machen. Tatsächlich brachte es der gesamte Konzern auf 320 Niederlassungen in Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bosnien und Herzegowina. Übernahm sich dabei gehörig, forcierte das Risikogeschäft und gerierte sich als "Big Gambler". Vor allem aber wurde offenbar Machenschaften Tür und Tor geöffnet. So geriet die Bank schließlich auch noch ins Visier der Behörden und Gerichte, wurde doch sukzessive aufgedeckt, dass sie seit 1999 in zahlreiche Finanz- und Korruptionsaffären verwickelt war.
2011 kam es zu Not-Veerstaatlichung
Trotzdem gelang es im Mai 2007 die Bayern LB für einen Erwerb der Mehrheitsanteile zu gewinnen. Sehr rasch freilich zeigte sich, dass die Bank immer mehr in Turbulenzen geriet. Im Dezember 2008 musste das Finanzministerium eine Finanzspritze aus dem Bankenhilfspaket der Republik Österreich zusagen, ein Jahr später schließlich die Republik, um größeren Schaden zu vermeiden, 100 Prozent der Bank übernehmen, diese also notverstaatlichen. Im Januar 2010 schließlich wurde der ehemalige Wirtschaftsminister Johannes Ditz (ÖVP) als Aufsichtsratsvorsitzender eingesetzt. Er, der über hohe fachliche Kompetenz verfügt, allerdings auch nicht lange fakelt, wenn er geärgert wird, ist heute von seiner Funktion zurückgetreten. Begründet wird dieser Schritt mit dem Agieren der Politik. Hatte doch Ditz die jüngste Äußerung von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), der sich in die laufende Diskussion einmischte und die Sanierungskosten mit bis zu sieben Mrd. Euro bezifferte, scharf kritisiert und wörtlich erklärt: "Damit wird die Hypo jeden Tag ein bisschen kaputt geredet."
Der Fristenlauf begann eigentlich mit 2010
Tatsächlich ist man hinter den Kulissen um eine nachhaltige Lösung bemüht. Dazu gehört auch die neue Verhandlungsstrategie Österreichs mit der EU. Während für Almunia die fünfjährige Frist für die Restruktuierung der Hypo Alpe Adria Bank mit dem Beschluss der Finanzspritze 2008 beginnt, sehen die österreichischen Verhandler den Beginn des Fristenlaufes später, nämlich mit dem Eintritt von Ditz als Staats-Kommissar. Tatsächlich konnte erst im Frühjahr 2010 ein neues Management installiert und damit die notwendige Restrukturierung gestartet werden. Mit dem Verkauf der Österreich-Tochter – und das zu einem allseits als schwierig anerkannten Zeitpunkt – will die Regierung in Wien der EU zeigen, dass man mit der Sanierung der Hypo vorankommt.
Das Österreich-Szenario
Zeitgleich mit dem Verkauf eines Teils der Hypo Alpe Adria Bank hat das Finanzministerium nun auch einen exakten (und bisher vertraulich gehaltenen) Plan vorgelegt, wie die nächsten Schritte aussehen sollen. Und so lässt sich dieser aus Zeitungsberichten zusammensetzen:
· Die Österreich-Tochter ist mit 16 Filialen der kleinste Bereich des gesamten Konzerns. Geschäft war der Verkauf an den britisch-indischen Investor keines. 55 Mio Euro muss die Bank trotzdem zusätzlich abschreiben.
· Für die Italien-Tochter, die mit 300 Mio Euro in den Büchern aufscheint, aus 35 Filialen und 400 Mitarbeitern besteht, wird seit mehr als einem Jahr ein Käufer gesucht. Dem Sanierungskonzept zufolge sollen in Italien keine neuen Kredite mehr vergeben werden, die bestehenden Finanzierungen sollen auslaufen.
· Der größte Brocken ist die Südosteuropa-Tochter. Hier geht es um 260 Filialen und 4800 Beschäftigte in fünf Ländern. Sie hat theoretisch einen Wert von 1,5 Milliarden Euro. Hoffnung wird in das Anspringen der Konjunktur in Südost-Europa gelegt.
Bis 2016 sieht man echte Chancen, dieses Konzept auch durchzuziehen. Der Rest soll in eine Bad Bank umgewandelt werden. In diese sollen faule Kredite und unverkäufliche Bereiche ausgelagert werden. Im nach Brüssel gesandten Vorschlag wurde dieser Part noch ausgespart, weil sehr vieles von der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung im EU-Raum abhängt. Die möglichen Kosten sind derzeit schwer abschätzbar, jede Schätzung stiftet nur Verwirrung und Verunsicherung. Nachdem sich Österreich auf einem stabilen Haushaltskurs befindet, besser als viele andere EU-Staaten die Finanz-Krise gemeistert hat, bereits in den nächsten Jahren auf ein Null-Defizit zusteuert, erwartet man sich in Wien, dass auch Brüssel diesem politischen Kurs Rechnung trägt.
Herbert Vytiska (Wien)

