Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der EU, die Jugendarbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrig. Warum steht Österreich hier besser da als andere Länder?
Das österreichische Modell der Berufsausbildung ist derzeit Gegenstand einer Kampagne der Sozialpartner (also von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften) auf EU-Ebene. Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der EU, speziell die Jugendarbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrig. Die Sozialpartner führen das unter anderem auf das gut ausgebaute Berufsbildungssystem und die duale Lehrlingsausbildung zurück. Knapp 80 Prozent eines Altersjahrganges absolvieren zu in etwa gleichen Teilen eine Lehrlingsausbildung und vollzeitschulische Berufsbildungen. Mit einer derart hohen Berufsbildungsquote liegt Österreich an der EU-Spitze.
Für ÖGB-Präsident Erich Foglar etwa ist "die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit eine der größten Herausforderungen, vor denen die Europäische Union momentan steht. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Staaten Europas nimmt nicht nur den jungen Menschen die Perspektiven, sondern ist auch bedrohlich für Europas Zukunft." Gute Bildung und Ausbildung seien enorm wichtige Kriterien zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit. Österreich stünde hier besser da als andere Länder, weil Sozialpartner und Regierung Hand in Hand arbeiten. Das gute berufliche Ausbildungssystem funktioniert aber nur, wenn die Betriebe selbst Lehrlinge ausbilden.
Betriebe müssen mehr Lehrlingsplätze schaffen
Besonders dramatisch ist die Jugendarbeitslosigkeit vor allem in einigen südlichen Ländern Europas, wo jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist. Die besondere Gefahr dieses Zustandes liegt dabei im Verlust von Lebens- und Zukunftsperspektiven für eine ganze Generation, die letztlich zu einer Destabilisierung des sozialen und politischen Systems führen kann. Für den Präsidenten der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl ist die Schlussfolgerung klar: "Bringt die arbeitslosen jungen Leute in die Betriebe. Dort sollen sie eine Ausbildung erhalten, die ihren Fähigkeiten angemessen ist. Und motivieren wir die Betriebe, diese jungen Menschen auch aufzunehmen. Wenn jedes dritte Unternehmen einen jungen Menschen aufnimmt, ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa beseitigt."
Um das möglich zu machen, so die Argumentation der österreichischen Sozialpartner, muss die EU nicht nur Mittel aus dem Sozialfonds oder dem Leonardo-da-Vinci -Programm zur Verfügung stellen sondern auch weitere Impulse setzen. Mit sechs Milliarden für den Zeitraum von 2014 bis 2020 wäre es zumindest möglich, eine Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit zu erreichen. Foglar und Leitl unisono: "Eine solche, entschlossene Maßnahme würde helfen, die Menschen in Europa zu begeistern und vielen jungen Menschen wichtige Zukunftsperspektiven zu vermitteln." Das freilich ist nur ein erster Schritt. Denn, "wenn man den jungen Menschen ernsthaft helfen will, sind die sechs Milliarden bei weitem nicht genug." So müsse vor allem auch in den Ausbau der Bildungsangebote investiert werden.
Landwirtschaft hat Beispielfunktion
Diese Maßnahme hat sich zum Beispiel, so der Präsident der Landwirtschaftskammern Gerhard Wlodkowski, im Bereich des bäuerlichen Berufsstandes bewährt, der sich in den letzten Jahrzehnten mit einem enormen Strukturwandel konfrontiert sah. Um diesen Wandel für die davon betroffenen Menschen im ländlichen Raum positiv gestalten zu können, war es wichtig, ein entsprechend breit gefächertes Bildungsangebot anzubieten. Die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betriebe Österreichs wird heute im Nebenerwerb geführt. Durch die Möglichkeit Zusatzqualifikationen zu erwerben, Berufsbildungsabschlüsse auch im zweiten Bildungsweg zu erwerben, gelang es den jungen Menschen trotz des gewaltigen Umgestaltungsprozesses nachhaltige Zukunftschancen zu schaffen und die Landwirtschaft auch noch auf ein Top-Niveau anzuheben.
(Redaktion Wien)

