Den Sport boykottieren ist kein geeignetes Mittel des Protestes

Positive Äußerungen über Homosexualität - wie hier auf einem britischen Bus - sind in Russland verboten. Nicht für alle europäischen Politiker ist das ein Grund, die Olympischen Spiele in Sotschi zu boykottieren. © Lara Dengs / PIXELIO

Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen wollen Österreichs Spitzenpolitiker nichts von einem Olympia-Boykott wissen. Nicht nach Sotschi zu reisen, würde in erster Linie „einen Schaden für den internationalen Sport bedeuten“, sind sie überzeugt.

Die vom 7. bis 23. Februar in Sotschi stattfindenden Winterspiele spalten Europa. Zahlreiche europäische Spitzenpolitiker werden nicht in die Stadt am Schwarzen Meer fahren, so der französische Präsident François Hollande, Großbritanniens Premier David Cameron und der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck. Österreich wird sich diesem Boykott nicht anschließen. Ausschlaggebend für die Absage einiger Staatsführer ist der Umgang mit den Menschenrechten in Russland, auch die Unterstützung der Diktatoren in Weißrussland und der Ukraine, vor allem aber die Diskriminierung Homosexueller. Sie wollen damit Druck auf Russlands Präsidenten Vladimir Putin ausüben, für den die Realisierung der Winterspiele in einer an sich subtropischen Region zu einem Prestigeprojekt der Sonderklasse geworden ist.

Bundeskanzler Werner Faymann hat heute in Straßburg beim Europarat die Gründe dargelegt, warum er zum Eröffnungsakt den Olympischen Spielen reisen wird. Begleitet wird er dabei unter anderem von dem für Sport zuständigen Verteidigungsminister Gerald Klug. Vor Parlamentariern aus 47 europäischen Staaten betonte der österreichische Regierungschef, dass der Boykott einer internationalen Sportveranstaltung "kein geeignetes Mittel ist, die berechtigten Anliegen von Menschenrechtsaktivisten zu unterstützen." In seiner Rede verurteilte Faymann dabei die "rechtliche und faktische Diskriminierung" Homosexueller in "einigen Mitgliedsstaaten" des Europarates. Das stehe im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention. Eine Nicht-Teilnahme an den Spielen in Sotschi stehe aber nicht zur Diskussion. Denn: "Dies würde in erster Linie einen Schaden für den internationalen Sport bedeuten. Gerade aber in der Welt des Sportes ist die früher bestehende Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung bereits bedeutend zurückgedrängt worden."

Das Olympische Komitee Österreichs wird auch von einem kurzfristig diskutierten "Signal" Abstand nehmen. Die 126 Personen umfassende Delegation aus der Alpenrepublik wird nicht die sich offen als Lesbin deklarierende Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz sondern ein Benjamin Raich anführen, der bereits 2006 bei den Spielen in Turin dabei war und damals gleich zweimal Gold holte. Zwar nicht Gold aber doch Geld verdient hat Österreichs Wirtschaft beim Aufbau der diversen Sporteinrichtungen in Sotschi. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und Wien gelten traditionell als sehr gut, zudem hat Österreich zu Russland noch aus der Zeit, da die ehemalige UdSSR immerhin eine der vier Staatsvertragsmächten war, besondere Beziehungen, auf deren Pflege man entsprechend Bedacht nimmt. Daher werden die Sportlerinnen und Sportler auch von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. In  Umfragen spricht sich übrigens eine Mehrheit von 59 Prozent für einen Sotschi-Boykott aus, während nur 30 Prozent die Teilnahme begrüßen. Dabei spielt aber auch das Argument eine Rolle, dass viele der Gegner in den Investitionen eine Geldverschwendung, einen massiven Eingriff in die Natur sehen und daher dagegen sind.

Herbert Vytiska (Wien)

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