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11/12/2016

„Das Kreuz gehört ins Klassenzimmer“

Österreich

„Das Kreuz gehört ins Klassenzimmer“

In einigen Bundesländern Österreichs muss in jedem Klassenzimmer ein Kreuz hängen.

Amanda Carden/shutterstock

Nach der Aufregung über einen Gottesbezug auf einem FPÖ-Wahlplakat sorgt nun auch das Anbringen von Kreuzen in Schulklassen für eine heftige Diskussion in Österreich.

Die sich erst kurz im Amt befindliche Bildungsministerin Sonja Hammerschmid löste mit einer scheinbaren Nebenbemerkung einen mittleren Sturm der Entrüstung aus. Während einer TV-Sendung hatte sie angekündigt, es künftig den Schulen zu überlassen, ob ein Kreuz in den Klassenzimmern hängt, oder nicht. Mit einigen Tagen Verspätung meldete sich daraufhin der Fraktionsführer der ÖVP im Parlament, Reinhold Lopatka, mit einer deutlichen Aussage zu Wort: „Das Kreuz gehört ins Klassenzimmer.“

Das Kreuz mit der Religion

Die orthodoxen Christen sind die zweitstärkste Religionsgemeinschaft in Österreich, nach den Katholiken, und erfreuen sich wachsender Beleibtheit. Die Gemeinschaft zählt in den mittlerweile gut 500.000 Mitglieder. Auch, weil viele Zuwanderer aus Ost-Europa der orthodoxen Glaubensgemeinschaft angehören.

Für Lopatka gehe es in der Kreuz-Debatte nicht nur um ein religiöses, sondern um ein Bekenntnis zur europäischen Tradition und damit zur „Geschichte des Abendlandes“: „Wir dürfen uns nicht verunsichern lassen, weil es viele Menschen bei uns aus anderen Kulturkreisen gibt. Wir müssen zu unseren Werten stehen. Dazu gehört auch das Symbol des Kreuzes, das auch ein kulturelles und nicht nur ein religiöses Symbol ist“.

Schulkreuzregelung im Konkordat verankert

Aufgrund der Proteste hat man nun auch im Bildungsministerium erkannt, dass diese Nebenbemerkung, mit der man Offenheit und Liberalität demonstrieren wollte, mehr als nur ein Schritt ins sogenannte „Fettnäpfchen“ war. Sie widerspricht der geltenden Rechtslage. Eine Sprecherin der Ministerin versicherte daher, dass man keinen Grund sieht, an den gesetzlichen Bestimmungen über das Anbringen von Schulkreuzen in Klassenzimmern etwas zu ändern. Auch die katholische Presseagentur Österreichs bestätigte, dass Hammerschmid „nichts anderes in der Pressestunde zum Ausdruck bringen wollte“.

Tatsächlich hätte die Bildungsministerin wissen müssen, dass im Konkordat, dem völkerrechtlichen Vertrag des Vatikans mit der Republik Österreich, die Schulkreuzregelung nicht nur festgeschrieben steht, sondern dass „eine Änderung dieses Zustands nicht ohne Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl“ stattfinden kann.

Am Kreuz führt kein Weg vorbei

Die gültige gesetzliche Grundlage bestimmt, dass in jenen Schulen, an denen der Religionsunterricht ein Pflichtfach ist und wo die Mehrzahl der Schüler der Schule einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, in allen Klassenräumen ein Kreuz anzubringen ist. Ist das nicht der Fall, so gibt es zwar keine klaren Regelungen aber eine geübte Praxis, wonach die Entscheidung den Schulleitungen überlassen wird. In Wien gibt es nicht wenige Schulen, mit mehrheitlich Schüler mit islamischen Bekenntnis.  Dort versucht man, solchen Diskussionen aus dem Weg zu gehen.  In einigen Bundesländern Österreichs, wie in Salzburg, dem Burgenland, in Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg, hält man jedoch am christlichen Bekenntnis fest: Dort muss in jedem Klassenzimmer ein Kreuz an der Wand hängen.