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17/01/2017

Casinos Austria: Bewegung am europäischen Glückspielmarkt

Österreich

Casinos Austria: Bewegung am europäischen Glückspielmarkt

Casinos Austria: Der europäische Glücksspielmarkt ist in Bewegung.

[Markus Ortner/Flickr]

Lange hatte der Glücksspielkonzern Casinos Austria eine Quasi-Monopolstellung am österreichischen Markt. Nun aber ist der europäische Glücksspielmarkt in Bewegung geraten. Österreich will sein Engagement bei Casinos Austria erhöhen – unter strenger Aufsicht der EU-Wettbewerbsbehörde.

Das Wettrennen hat bereits begonnen. Nachdem die aus der Staatsholding ÖIAG hervorgegangene staatliche Beteiligungsgesellschaft ÖBIB den 33,2 Prozent-Anteil der Münze Österreich, einer 100-Prozenttochter der Nationalbank, an Casinos Austria erworben hat, die übrigen Gesellschafter auch ans Verkaufen ihrer Anteile denken, werden schon Namen möglicher Kaufinteressenten genannt. Vorerst aber ist die Rechnung ohne Wirt gemacht. Es ist primär Finanzminister Hans Jörg Schelling bzw. der noch zu bestellende neue Geschäftsführer der ÖBIB, die die Weichenstellungen treffen.

Casinos Austria hat schon bessere Zeiten erlebt. Der Glücksspielkonzern, der über Jahrzehnte eine Quasi-Monopolstellung am österreichischen Markt inne hatte, bekam nicht nur die internationale Entwicklung zu spürenn sondern litt auch unter zahlreichen falschen unternehmenspolitischen Entscheidungen. Mit dem Effekt, dass man Verluste im Auslandsgeschäft einfuhr, viele Beteiligungen abgeben musste, in den heimischen Casinos wenig berauschende Betriebsergebnisse erzielte und sich der wachsenden Konkurrenz mit nicht immer fairen Mitteln zur Wehr zu setzen versuchte. Das eigentliche Asset von Casinos Austria ist deren 68-Prozent-Beteilgung an den Österreichischen Lotterien, einer wahren Cash Cow.

Konzern soll fit und attraktiv gemacht werden

Schon seit längerem wird in Fachkreisen, aber auch den Medien über die Notwendigkeit eines Relaunches spekuliert. Genährt werden diese Überlegungen nun auch durch den Vortrag an den gestrigen Ministerrat. Heißt es doch dort ziemlich unverblümt, dass es die Absicht der ÖBIB ist, weitere Anteile an Casinos Austria zu erwerben. Diesewolle sie dann später weiterverkaufen, zuvor aber den Konzern wieder fit und attraktiv zu machen. Sogar ein späterer Börsengang wird nicht ausgeschlossen.

Hinter der Strategie des Finanzminister steht die Ansicht, dass die – komplizierte – Eigentümerstruktur des Glücksspielkonzerns „dringend vereinfacht“ werden muss. Und das wiederum würde „die Chance einer dringend notwendigen Konsolidierung auf Gesellschafterebene mit dem Ziel eines Aufgriffs von verfügbaren Anteilen zur Straffung von Entscheidungswegen und zur erfolgreichen Weiterentwicklung des Unternehmens“ bieten.

Aufgrund bereits vorliegender Gutachten wird der Wert von Casinos Austria derzeit auf eher bescheidene 420 Millionen Euro geschätzt. Ist der Staat eher an einem niedrigerem Kaufpreis der noch zur Disposition stehenden Anteile interessiert, wollen die restlichen Gesellschafter, die noch etwas mehr als 66 Prozent der Anteile halten, möglichst hohe Erlöse erzielen. Das gilt allen voran für die mächtige Raiffeisengruppe, die aufgrund des hinkenden Geschäftserfolges in Osteuropa jeden Euro gut gebrauchen kann.

Daher wird auch nicht ausgeschlossen, dass hier nur der eine oder andere Investor sein Kaufinteresse lanciert, um die Nachfrage und damit auch den Preis zu steigern. Bis das alles unter Dach und Fach ist, mit dem eigentlichen Relaunch begonnen werden kann, dürfte es wohl Herbst werden.

Strenges Auge der EU-Wettbewerbskommission

Mehr als nur mit Interesse verfolgt Brüssel bei der Wettbewerbskommission die Vorgänge. Einerseits, weil Österreich mitunter etwas zu salopp mit den EU-Wettbewerbsregeln umgeht sowie andererseits einige Beschwerden gegen das Glückspielgesetz bereits anhängig sind und zur Entscheidung anstehen.

An sich akzeptiert die EU beim Glückspiel durchaus nationale Eigenbrötelei und auch Monopole, nicht allerdings die Erweiterung von Monopolen. Und hier wird es interessant. Denn der Bundesverwaltungsgerichtshof hat einen Einspruch von Casinos Austria gegen die im vergangenen Jahr erfolgte Vergabe von drei neuen Casinolizenzen an zwei private Konzerne btw. Konsortien (die österreichische Novomatic sowie die deutsche Gauselmanngruppe in Verbindung mit einem Schweizer Casinobetreiber) durch das Finanzministerium zu behandeln.

Der aktuelle in Diskussion stehende Staatsgriff nach Casinos Austria würde es als äußerst problematisch erscheinen lassen, sollte es nun nicht bei der Lizenzerteilung und damit der Marktöffnung bleiben. Dass nämlich unter Umständen alle 15 Casinolizenzen nur in eine Hand kommen könnten, wird jetzt eher ausgeschlossen. Die Entscheidung liegt jedenfalls bei den Höchstrichtern.