Finanziere stellen sich der Klimaherausforderung [DE]

Versicherer und Investoren werden sich allmählich der Folgen der globalen Klimaerwärmung – und vor allem ihrer riesigen Auswirkungen auf den Weltfinanzmarkt –  bewusst.  Dieser Artikel befasst sich mit den dringlichsten Themen, der Reaktion der EU und mit den Maßnahmen, die bereits ergriffen worden sind.

Die Lissabon-Strategie der EU

Der grundlegende Ansatz der Lissabon-Strategie besteht darin, dass Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung als die wichtigsten Bestandteile des Wirtschaftswachstums in der Europäischen Union betrachtet werden (siehe auch LinksDossier zur EU-Nachhaltigkeitsstrategie  und zur EU-Klimapolitik).  
Auch das Programm der Europäischen Union zur sozialen Verantwortung der Unternehmen  drängt die Industrie darauf, ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. 

Investitionen

Investoren erkennen langsam, dass sie klimatische Veränderungen in ihren Bewertungen von Investitionsrisiken berücksichtigen müssen. Das Risikoniveau gewisser Investitionen wird von der geographischen Lage und der Art der Industrie abhängen und sich im Zuge des Klimawandels weiter verändern. Zudem wird davon ausgegangen, dass die Maßnahmen, die von Unternehmen zur Emissionsverringerung ergriffen werden, zunehmend die Höhe der Investitionen, die diese anziehen, beeinflussen werden. Investoren könnten gewisse Unternehmen und Technologien, die den Klimawandel berücksichtigen, als aussichtsreicher und profitabler ansehen.

Versicherungsgesellschaften 

Versicherungsgesellschaften werden zunehmend mit finanziellen Forderungen konfrontiert, die mit dem Klimawandel im Zusammenhang stehen – Überschwemmungen in Großbritannien, Hitzewellen in Frankreich, Waldbrände in Italien etc. In Großbritannien erleben Besitzer von Häusern in Gebieten, die besonders von Überschwemmungen betroffen sind, dass ihre Versicherungsbeiträge drastisch in die Höhe geschnellt sind. In Deutschland hat die Nichtregierungsorganisation Germanwatch eine Initiative lanciert, die sich für die Einführung von Versicherungen für durch den Klimawandel verursachte Schäden einsetzt.

Rentenfonds

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Renten und Investitionen. Im Zuge der Veränderung von Risiken ändern sich auch die Perspektiven von Investitionen. Rentenfonds könnten daher, vor allem auch aufgrund der Bevölkerungsalterung und der schrumpfenden Anzahl von Beitragszahlern, zunehmend gefährdet sein. Im schlimmsten Fall könnten ganze Rentensysteme zusammenbrechen. Mit der zunehmenden Kapitalisierung des Bankwesens und der hiermit verbundenen Risikoverlagerung ist es zunehmend der einzelne Arbeitnehmer, der Beiträge in Versicherungs- und Rentenfonds einzahlt, der der eigentliche Kapitalbesitzer ist. Viele Analysten machen daher darauf aufmerksam, dass Investitionen verstärkt die langfristigen Interessen der eigentlichen Kapitalbesitzer schützen müssen. 

Internationale Initiativen 

In den vergangenen Jahren sind eine wachsende Anzahl Einrichtungen und Foren ins Leben gerufen worden, die sich mit diesem Thema befassen. Die wichtigsten von ihnen sind die folgenden:


  • AccountAbility
    : eine internationale Organisationen, die sich für mehr Verantwortung von Einzelpersonen und Unternehmen sowie für die nachhaltige Entwicklung einsetzt.

  • Ceres
    : Gruppe bestehend aus US-amerikanischen Investmentfonds, Umweltorganisationen und gemeinnützigen Gruppen, die sich für nachhaltiges Investment einsetzen

  • IIGCC
    : ‚Institutional Investors Group on Climate Change: Gruppe mit Sitz in London, die sich mit Klimarisiken und –möglichkeiten für den europäischen Finanzmarkt befasst.

  • UNEP
    : Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen: globale Partnerschaft zwischen UNEP und dem Finanzsektor (Banken, Versicherer und Fondsmanager), die die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf Finanzleistungen analysiert.

  • Investor Network on Climate Risk
    : Forum für Diskussionen über Klimarisiken. 

  • SEFI
    : ‚Sustainable Energy Finance Initiative’: fördert Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger

  • BASE
    : eine von den Vereinten Nationen finanzierte Nichtregierungsorganisation, die Partnerschaften zwischen dem Finanzsektor und Unternehmen zur Förderung der Nachhaltigkeit von Energie aufbaut.

IIGCC ist der Ansicht, „der Klimawandel stellt wohl die größte Herausforderung für das Umweltrisikomanagement“ dar, welcher große Investmentfirmen gegenüberstehen. Regierungen hätten die entscheidende Rolle, die institutionellen Investoren in Klimaprogrammen zukommt, zu spät erkannt.

Greenpeace ist der Meinung, dass die globale Währungspolitik den Bedarf an Investitionen in umweltverträgliche Projekte ignoriert hat. Umweltschädliche Entwicklungen zögen noch immer einen Großteil der Investitionen an. Die Umweltorganisation versucht daher, die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds dazu zu bewegen, ihre Investitionspolitik zu ändern. 

Der Verband britischer Versicherer (Association of British Insurers) hat im Juni 2004 Schätzungen  veröffentlicht, nach denen die von Stürmen und Flutkatastrophen verursachten Schäden bis 2050 um das Dreifache ansteigen könnten. Der Verband fordert daher eine gemeinsame Strategie von Industrie und Regierung zur Bewältigung der Klimaauswirkungen auf Eigentum. 

AccountAbility hat im Januar 2005 einen Bericht  veröffentlicht, der zu dem Schluss kommt, dass Klimarisiken in Investitionsentscheidungen nicht ausreichend berücksichtigt würden und dass vielen Investoren kurzfristige Profite noch immer wichtiger seien. Investoren müssten sich jedoch der Notwendigkeit einer langfristigen Finanzplanung, in die auch Umwelt- und Nachhaltigkeitserwägungen einfließen, bewusst werden.

In Großbritannien ist ein ‚Climate Change Impacts Programme’ eingerichtet worden, welches Unternehmen dabei helfen soll, Klimaauswirkungen besser zu verstehen und zu bewältigen. Es hat ein Computerprogramm entwickelt, welches es Unternehmen ermöglicht, Kosten und Risiken einer Investition im Hinblick auf mehrere verschiedene Strategien zu berechnen.

Einige US-Forscher fordern die unverzügliche Umsetzung verschiedener Maßnahmen, etwa Kraftstoffbesteuerung und die Einrichtung einer Versicherung, die für Kosten der Folgen der Klimaänderung aufkommt.

Die Finanzwelt fängt an, sich über die klimatischen Veränderungen Sorgen zu machen, da sie zunehmend einen Einfluss auf den Wert von Investitionen haben. Am 10. Mai 2005 hat unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ein Gipfel führender institutioneller europäischer und US-amerikanischer Investoren stattgefunden, in dessen Mittelpunkt Klimarisiken standen. Auf dem Gipfel wurde ein Aktionsplan  angenommen, der die folgenden Elemente beinhaltet:

  • Vermögensverwalter sollen künftig auch finanzielle Klimarisiken bewerten.
  • 1 Milliarde Dollar sollen in saubere Technologien investiert werden.
  • Unternehmen sollen angehalten werden, vom Klimawandel hervorgerufene finanzielle Risiken offen zu legen. 
  • Eine Rangliste soll erstellt werden, aus der hervorgeht, wie groß der Einsatz der wichtigsten Unternehmen für die Risikominderung ist. 

Die wichtigste Frage ist jedoch, wie diese Vorschläge umgesetzt werden sollen. Die allgemeine Bewertung der Lage fällt recht unterschiedlich aus. Einige sind der Meinung, es müssten unverzüglich Maßnahmen zur Verhinderung von Katastrophen eingeleitet werden. Andere nehmen eine abwartende Haltung ein und wieder andere bestreiten, dass ein Klimawandel überhaupt stattfindet. Es wird daher nicht leicht sein, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Gemeinsame Bemühungen von Investoren, Industrievertretern (von sowohl Finanzunternehmen als auch der verarbeitenden Industri) und Regierungen werden nötig sein. 

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