Europaabgeordnete wollen strengere Recycling-Ziele [DE]

recycling_papermass.jpg

Die Recycling-Ziele sollten erhöht und Müllverbrennungsanlagen Energieeffizienzkriterien unterworfen werden, wenn sie Abfälle zum Zweck energetischen Verwertung verbrennen, so die Europaabgeordneten, die am 8. April 2008 über eine umstrittene Überarbeitung der EU-Recycling-Regelungen abstimmten.

Bis 2020 sollten 50% des Abfalls in Haushalten und 70% des Abfalls aus dem Bauwesen recycelt werden, so die Mehrheit der Europaabgeordneten im Umweltausschuss des Parlaments. Die Bemühungen der Mitgliedstaaten sollten sich an diesen Zielen orientieren, um die Abfallproduktion bis 2012 zu stabilisieren (basierend auf dem Niveau von 2009).

Die Abstimmung war Teil einer zweiten Lesung im Parlament zur Überarbeitung der EU-Abfall-Rahmenrichtlinie – ein umstrittener Gesetzestext, dessen Problematik in den stark verschiedenen Abfall- und Recycling-Praktiken in der EU liegt.

Auf EU-Ebene haben sich Mitgliedstaaten und Parlament über die Höhe der Recycling-Ziele, über die Art der Hierarchie, die verwendet werden soll, um das Abfallmanagement zu organisieren und über das Klassifizierungssystem, das genutzt werden soll, um Abfallverbrennung von Verwertung zu unterscheiden, in die Haare gekriegt.

Länder wie Frankreich, die eine große Zahl an Verbrennungsanlagen besitzen, wollen, dass ihre Anlagen als ‚Verwertungsbetriebe’ klassifiziert werden, da ein Teil des Verbrennungsprozess Energie frei setzt. Es ist wichtig anzumerken, dass eine derartige Klassifizierung solche Anlagen gemäß der Regelungen für staatliche Umweltschutzbeihilfen für finanzielle Unterstützung seitens der EU berechtigen würde.

Eine Reihe von grünen Europaabgeordneten des Umweltausschusses ist jedoch skeptisch, nachdem sie zuvor vorgeschlagen hatten, dass Verbrennungsanlagen nur als Verwertungsbetriebe bezeichnet werden sollten, wenn deren grundlegender Zweck der Energiegewinnung dient.

In ihrer Abstimmung vom 8. April 2008 akzeptierten die Europaabgeordneten mit einer knappen Mehrheit einen Kompromissvorschlag der Kommission zur Frage. Verbrennungsanlagen würden nur dann als Verwertungsbetriebe klassifiziert werden, wenn sie Kriterien zur Energieeffizienz befolgten, die Brüssel festlegt. Diese Kriterien würden nach zwei Jahren geprüft werden müssen, so das Ergebnis der Abstimmung.

Die Europaabgeordneten hielten weiter an ihrer Überzeugung fest, dass eine fünfstufige Abfallhierarchie strengstens eingehalten werden sollte. Jegliches Abweichen sollte auf Grundlage einer Lebenszyklus-Analyse gerechtfertigt werden. Die Durchführung einer Lebenszyklus-Analyse verpflichtend zu machen, wurde vom Ausschuss jedoch als zu teuer und bürokratisch eingestuft.

Die Mitgliedstaaten bevorzugen allerdings im Allgemeinen einen ‚flexibleren’ Ansatz.

Die Europaabgeordnete Caroline Jackson, Berichterstatterin des Parlaments zum Dossier, war erfreut über das Ergebnis der Abstimmung und besonders über die Unterstützung seitens der Europaabgeordneten für die Recycling-Ziele.

Diese Ziele seien den Europaabgeordneten sehr wichtig. Recycling stelle eine nachhaltige Möglichkeit dar, um mit Abfall umzugehen und viele Länder müssten ihre Bemühungen um die Entwicklung von Recycling-Systemen verstärken, sagte Jackson.

UEAPME, der Vertreter der europäischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Brüssel, kritisierte die Europaabgeordneten, sie beschäftigten sich zu stark mit dem Festlegen von Zielen, die eher schaden als nützen würden.

Die widersprüchlichen Ziele für Recycling, die der Umweltausschuss angenommen habe, basierten weder auf aktuellen Statistiken noch seien sie durch eine Folgenabschätzung unterstützt, sagte Guido Lena, Leiter der Abteilung Umweltpolitik bei UEAPME.

KMUs und Handwerker der Bauindustrie reagierten ebenfalls negativ auf die Abstimmung. Sie bemängelten das Fehlen einer Folgenabschätzung.

Das 70%-Ziel sei widersprüchlich und basiere nicht auf statistischen Erhebungen, einer Folgenabschätzung oder einer Konsultation der betroffenen Organisationen. Die Konsequenzen für kleine Bauunternehmen, die 80% des Umsatzes des Sektors ausmachten, seien nicht erwogen worden. Aufgrund eines Mangels an angemessenen Netzwerken an Recycling-Anlagen und der großen Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten sei es notwendig, eine Folgenabschätzung durchzuführen, bevor derartige Ziele festgelegt würden, sagte David Croft, Präsident der European Builders Confederation (EBC).

Das Europäische Umweltbüro (EUB)  andererseits war sehr erfreut über die Ziele.

Ziele auf EU-Ebene würden allen Mitgliedstaaten eine wahre Richtung vorgeben und Investitionen in ressourceneffiziente Systeme fördern, sagte Nathalie Cliquot, Mitarbeiterin der Abteilung für Abfallpolitik beim EUB.

CEWEP, die Confederation of European Waste-to-Energy Plants, begrüßte die Abstimmung: Durch die Akzeptanz der ehgeizigen Energieeffizienzkriterien für Abfall-zu-Energie-Anlagen habe der Umweltausschuss des Parlaments einen wichtigen Schritt in Richtung Klimaschutz gemacht, sagte CEWEP in einer Erklärung.

Die Abfall- und Recycling-Politik stellt einen Eckpfeiler der Bemühungen der EU um Umweltschutz dar. Der politische Rahmen ist jedoch kritisiert worden; er sei zu fragmentiert und unzureichend. Durch die derzeitige Überarbeitung der Abfall-Rahmenrichtlinie soll dieses Problem behoben werden (siehe unser LinksDossier).

  • Juni 2008: Zweite Lesung zum Dossier Abfall im Plenum.

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren