Die Ergebnisse einer Erhebung in Städten, die von der Wohnsituation über Gesundheitsfragen bis hin zu Verbrechensquoten, Klima und der Abfallverwertung alle Faktoren einkalkuliert, haben große Unterschiede bei der Lebensqualität in europäischen Städten aufgezeigt und mögliche Prioritäten für die Finanzierung einer zukünftigen Kohäsionspolitik der EU vorgeschlagen.
Der Kommission zufolge werden die neuen Daten und Statistiken, die mehr als 300 Indikatoren umfassen, die die Lebensbedingungen in 321 europäischen Städten beeinflussen, wichtige Hilfsmittel bei der Formulierung der Kohäsionspolitik und der Umsetzung der Europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung sein. Sie sorgten dafür, dass Investitionen besser auf die beobachteten Bedürfnisse abgestimmt werden können.
Außerdem solle das Datenmaterial auch bei allen politischen Entscheidungen auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene herangezogen werden, die einen Einfluss auf die Städte hätten, sagte die EU-Kommissarin für Regionalpolitik Danuta Hübner bei der Vorstellung der Erhebungsergebnisse am 23. September 2008.
Es wurden statistische Daten zu Kriterien in neun unterschiedlichen Bereichen gesammelt: Demographie, soziale Angelegenheiten, Wirtschaft, Umwelt, Ausbildung und Bildung, Mobilität und Transport, Informationsgesellschaft, Kultur und Erholung sowie Einbindung der Bürger (Wahlbeteiligung usw.). Einige allgemeine Analysen im Bereich Demographie, Beschäftigung und Umwelt wurden bereits von Eurostat und von der Kommission durchgeführt.
Im Bereich Arbeitslosigkeit enthüllen die statistischen Daten deutliche Unterschiede zwischen den Städten in den Mitgliedstaaten. Die Spannbreite reicht von einer Arbeitslosenquote von 30,8% in einigen polnischen Städten und 28,3% in einigen belgischen Städten hin zu einer Arbeitslosenquote von nur 0,8% in Luxemburg. Im Allgemeinen wurden die niedrigsten Arbeitslosenquoten in norwegischen und britischen Städten ausgemacht.
Die Kommission bemerkte dennoch, dass die Unterschiede bei den Arbeitslosenquoten verschiedener Bezirke einer einzigen Stadt oftmals größer seien als die Unterschiede zwischen den Städten und Regionen der Europäischen Union selbst. Hamburg, Athen und Bratislava seien hierfür Beispiele. Eines der wichtigsten Ziele der EU-Kohäsionspolitik ist die Verhinderung der „Ghettobildung“ in Großstädten.
Mit Blick auf die Einwohnerzahlen enthüllen die Statistiken, dass türkische Städte am schnellsten wachsen, während in anderen, besonders in Rumänien, aber auch anderswo in Mittel- und Osteuropa, die Einwohnerzahl abnimmt.
Im Bereich Umwelt ergibt eine Analyse der Statistiken, dass es manchen Städte, darunter Dresden und Frankfurt am Main, gelingt, nahezu 80% ihres Abfalls zu recyceln. Brüssel verbrennt über 90% seiner Abfälle und rund ein Drittel der Städte nutzen offene Mülldeponien für über 80% ihres Abfalls. Die Kohäsionspolitik der EU versucht diesen Trend durch die Investition in Projekte umzukehren, die auf die Entsorgung und das Recycling von Haushalts- und Industrieabfällen abzielen.
Eine der Prioritäten der aktualisierten Lissabon-Strategie und der Gemeinschaftlichen Leitlinien zur Kohäsion 2007-2013 ist die Steigerung der Attraktivität von Regionen und Städten, da eine hohe Lebensqualität entscheidend dafür ist, ob qualifizierte Arbeitskräfte, Unternehmen, Studenten, Touristen und Einwohner angeworben und in der Region bzw. der Stadt gehalten werden können.
Die Statistiken der Erhebung in Städten sind auf der ‚Urban Audit’-Webseite öffentlich zugänglich. Dort können entweder einzelne Städteprofile oder Ranglisten angesehen und die untersuchten Städte anhand verschiedener Kriterien miteinander verglichen werden.
Eine detaillierte Analyse des Datenmaterials ist derzeit in Arbeit. Außerdem wird im September 2009 ein ‚Bericht zum Zustand europäischer Städte’ veröffentlicht.

