Unverhohlen der traditionellen Kontrolle trotzend, welche die Europäer über die Wahl des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausüben, hat Russland den ehemaligen Chef der tschechischen Zentralbank, Josef Tosovsky, nominiert, und sich somit gegen den von der EU vorgeschlagenen Kandidaten Dominique Strauss-Kahn gestellt.
Am 22. August 2007 hat das russische Finanzministerium Josef Tosovsky, den derzeitigen Vorsitzenden des Instituts für Finanzstabilität in der Schweiz, als Nachfolger des spanischen Rodrigo de Rato für die Position des Generaldirektors des weltweiten Kreditinstituts ab Oktober 2007 nominiert.
Dieser Schritt – einen Monat, nachdem die EU-Finanzminister ihre Unterstützung für den ehemaligen französischen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn als EU-Kandidaten für die Position des Chefs des IWF bekräftigt hatten (EURACTIV vom 10. Juli 2007) – kam überraschend. Laut einer ungeschriebenen internationalen Übereinkunft wird der IWF-Chef traditionell von Europa ausgesucht, während Amerika den Präsidenten der Weltbank wählt.
Russlands Nominierung von Tosovsky könnte als Versuch gewertet werden, der duopolistischen Situation ein Ende zu bereiten, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs existiert, und von Russlands Präsidenten Wladimir Putin als ‚archaisch, undemokratisch und unflexibel’ kritisiert wurde. Der Sprecher des Kremls, Dimitri Peskov, wies jegliche versteckte politische Motivationen zurück. Er sagte, die Kandidatur Tosovskys, die von einer Reihe von Staaten unterstützt werde, sei aus sachlichen Gründen vorgeschlagen worden.
Man habe breitangelegte Rücksprachen mit Kollegen aus anderen Ländern vorgenommen und sei sich sicher, dass die Mehrheit einen Generaldirektor wolle, der auf der Grundlage eines Wettbewerbs wegen seiner beruflichen Qualitäten gewählt würde. Deshalb habe man einen alternativen Kandidaten vorgeschlagen, erklärte das russische Finanzministerium, das zuvor die europäischen Staaten kritisiert hatte. Diese hätten ihre Entscheidung getroffen, bevor alle Kandidaten festgestanden hätten.
Tosovsky akzeptierte die Ernennung und sagte, er freue sich, dass seine vorgeschlagene Nominierung eine positive Reaktion der Finanzminister und Regierungschefs aus verschiedenen Ländern in allen Regionen erfahren habe. Die tschechische Regierung unterstützt ihn jedoch nicht und wies darauf hin, dass sie ihre Position bereits mit anderen EU-Mitgliedern abgestimmt habe. Ihrer Meinung nach sei es nicht richtig, diese Position zu ändern.
Nichtsdestotrotz könnte der russische Kandidat eine gewisse Unterstützung erhalten: Länder wie China, Indien und Brasilien fordern ein transparenteres Wahlverfahren. Hinzu kommen Bedenken, dass Frankreich den IWF leiten könnte, nachdem es dieses Amt bereits mehr als die Hälfte der 61 Jahre der IWF-Geschichte besetzte und Franzosen ebenfalls die Chefsessel der Europäischen Zentralbank, der Welthandelsorganisation sowie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung innehaben.
Sogar das Vereinigte Königreich betonte im vergangenen Monat, dass es sehen wolle, welche Kandidaten von anderen Teilen des IWF vorgeschlagen würden, bevor es Strauss-Kahn seine endgültige Unterstützung zusichern werde.
Bisher sind die beiden Männer die einzigen Kandidaten für den Spitzenposten, aber der IWF teilte mit, dass er Bewerbungen bis zum 31. August 2007 annehmen und dass der Vorstand eine Entscheidung im September 2007 treffen werde.

