Die EU ist bemüht, für seine Nabucco-Pipeline Gasvorräte in den Ländern der Maschrek-Region zu sichern, zu denen der Irak, Jordanien und Syrien zählen. Unterdessen wurde Russlands Beteiligung am Nabucco-Projekt – welches das russische Gebiet umgeht – endgültig verworfen.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs und EU-Kommissarin für Außenbeziehungen Benita Ferrero-Waldner trafen sich gestern (5. Mai 2008) mit Vertretern aus Ägypten, Syrien, dem Irak, Jordanien und der Türkei, um die Verbindungen der Gasleitungen zu diskutieren.
Aus den Maschrek-Gesprächen gingen keine konkreten Abkommen hervor. Dennoch hofft die EU, ihr Gasnetz der Arab Gas Pipeline anzuschließen. Letztere befördert jährlich zehn Milliarden Kubikmeter Gas von Ägypten über Jordan nach Syrien.
Die Arab Gas Pipeline soll bis 2009 mit dem türkischen Gasnetz verbunden werden, sowie letzteres mit der Nabucco-Pipeline, die bis 2013 fertig gestellt sein soll (EURACTIV LinksDossier). Insgesamt könnten laut der Kommission jährlich sieben Milliarden Kubikmeter Gas aus den Maschrek-Ländern bezogen werden.
Die Gespräche sind ebenfalls Teil der Bemühungen der EU, ihre Abhängigkeit von russischen Gasvorräten zu verringern und folgen unmittelbar auf bereits geführte Gespräche über eine Sicherung der Gasversorgung aus dem Irak und aus Turkmenistan.
Gazprom, das russische staatliche Energiemonopol, liefert derzeit bis zu 40% des Erdgasbedarfs der EU. Diese Ziffer soll bis 2030 auf 60% steigen. Russland ist ebenfalls darum bemüht, seine dominante Position aufrechtzuerhalten, insbesondere durch den Abschluss eines Abkommens über die South-Stream-Pipeline, die von einigen als ein Konkurrent des Nabucco-Projektes erachtet wird (EURACTIV vom 30. April 2008).
Russland habe kein Interesse an der Einspeisung seines Gases in die Nabucco-Pipeline gezeigt, sagte Piebalgs Journalisten in Brüssel am 5. Mai. Die EU solle Russland nicht darum bitten, sich an einem Projekt zu beteiligen, für das es nie Interesse gezeigt habe, sagte Piebalgs und fügte hinzu, „Vielfalt“ sei entscheidend, um die Energieversorgung der zu sichern.
Am Vortag hatte Piebalgs Moskau besucht, um über eine bessere Zusammenarbeit zwischen der EU und Russland im Bereich Energie zu diskutieren. Am 8. Juni wird schließlich ein G8-Treffen der Energieminister in Japan stattfinden.
Während dieser Gespräche wurden zwar keine Abkommen geschlossen, die beiden Seiten besprachen jedoch Russlands Teilnahme an einer internationalen Partnerschaft für die Zusammenarbeit im Bereich der Energieeffizienz und die Möglichkeit, die Stromnetze der EU und Russlands miteinander zu verbinden.

