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Europas Südgasverbindung: Das große Pipelinerennen

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Mehrere Pipelineprojekte konkurrieren miteinander, um die Südgasverbindung – einen vagen Plan, Europa mit Gas aus dem Kaspischen Meer und dem Nahen Osten zu versorgen – zu verwirklichen. EURACTIV sieht sich die verschiedenen Initiativen an, einschließlich ihres gemeinsamen Konkurrenten: des „South Stream“-Projektes Russlands.

Hintergrund

Der „südliche Gaskorridor“ wird als Teil der „Neuen Seidenstraße“ des Verkehrs und der Energieverbindungen zwischen Europa und der kaspischen Region gesehen. EU-Politiker gaben dem Projekt seinen Namen, während Energiefirmen und Regierungen versuchen, ihm Leben einzuhauchen, indem sie auf konkrete Projekte drängen.

Das best bekannte Pipelineprojekt im südlichen Gaskorridor ist Nabucco. Doch andere kleinere Projekte, wie die „Transadriatische Pipeline“ (TAP), die „Türkei-Griechenland- Italien-Verbindungsleitung“ (ITGI) oder die „Aserbaidschan-Georgien-Rumänien-Verbindungsleitung“ (AGRI) haben alle das Potential, ein wichtiges Element des südlichen Gaskorridors zu werden und stellen sogar die Zukunft Nabuccos in Frage.

Einige, wie das russische „South-Stream“-Projekt, haben sogar die Möglichkeit, Nabucco abschreiben zu lassen, indem sie das EU-Flagschiffprojekt irrelevant machen würden.

„South Stream“, eine geplante Pipeline, die russisches Gas nach Europa bringt, hat eine größere Kapazität als Nabucco, ähnliche Zielfristen für ihre Fertigstellung und würde im Großen und Ganzen dieselben mitteleuropäischen Kunden beliefern (siehe Details unter „Issues“). Theoretisch könnte „South Stream“ auch Gas aus dem Kaukasus bringen, da Russlands verstaatlichtes monopolistisches Energieunternehmen Gasprom gasproduzierenden Ländern wie Aserbaidschan und Turkmenistan gute Preise bietet.

Zusammen mit „South Stream“ könnte auch ein wenig bekanntes Projekt namens „White Stream“, eine ukrainische Initiative, als Rivale im südlichen Gaskorridor gesehen werden, da es darauf abzielt, Gas aus dem Kaukasus über Georgien und die Ukraine nach Rumänien zu bringen, um Mitteleuropa weitere Versorgungsmöglichkeiten zu bringen.

Für Europa wäre es nicht sehr sinnvoll, zu viele Pipelines zu bauen. Obwohl diese möglicherweise Wettbewerb zwischen verschiedenen Lieferanten einführen könnte, würden die hohen Baukosten wahrscheinlich auch die Preise für Verbraucher anheben. Was das Geschäft angeht, wären Erträge zu gering, um mehrere Projekte zu rechtfertigen, was bedeutet, einige werden aufgegeben werden müssen.

Politische Dimensionen

Jedoch drängen einige Regierungen, insbesondere Russland, unabhängig von der Kosteneffizienz für ihre Projekte. In der Tat könnten einige Pipelineprojekte als eher in der Sphäre der Politik als des Geschäfts angesiedelt gesehen werden, während andere auch geschäftsmäßig sinnvoll sind.

Die Politik ist ein wichtiger Faktor, wenn man sich die Routen für die verschiedenen Projekte ansieht. AGRI würde zum Beispiel Flüssiggas per Schiff über das Schwarze Meer transportieren, wobei die Türkei und die Ukraine ausgeklammert werden würden. Russlands „South Stream“ würde ebenfalls die Ukraine umgehen, durch eine lange Sektion im Meer, die die Gewässer des Landes vermeidet. Nabucco wiederum ist stark abhängig von seinen Transitarrangements mit der Türkei, da sich etwa die Hälfte der geplanten Pipeline über das Land hinwegstreckt.

Die Politik spielt auch eine Rolle bei der Tatsache, dass Projekte wie Nabucco als „im europäischen Interesse“ angesehen werden. Jedoch haben andere Projekte, die nicht denselben Status genießen, wie „South Stream“, die Unterstützung einiger EU-Länder erhalten - Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und Griechenlands. Wenn beide vom Stapel liefen, wäre es unklar, was die Positionen dieser Länder und der EU wären.

Überschneidende Routen

Alle Pipelineprojekte, unter anderem Nabucco und „South Stream“, beinhalten Sektionen existierender Pipelines. Wenn alle Projekte auf derselben Landkarte verzeichnet werden, wird eine klare Überschneidung zwischen verschiedenen Projekten, die dieselben bereits existierenden Sektionen nutzen, sichtbar. Was ebenfalls auffällt, ist, dass viele der geplanten neuen Sektionen von einem Projekt zum nächsten sich sehr ähneln.

EURACTIV LANDKARTE DER GEPLANTEN SÜDGASKORRIDOR-PIPELINES

Der größte politische Faktor hingegen ist die Frage, wer letztlich das Angebot bereitstellt. Der Entwurf der Europäischen Kommission erwähnt Aserbaidschan und Turkmenistan sowie den Irak und die Maschrik-Länder. Andere Länder wie Usbekistan und der Iran würden hinzukommen, wenn die politischen Bedingungen dies erlauben.

Es ist bedeutsam, dass alle EU-Projekte, die derzeit für den Südkorridor vorgelegt werden, sich auf die Ölzufuhr aus Aserbaidschan verlassen, zumindest in der Anfangsphase. Doch, wie Gasexperten zugeben, sollte Aserbaidschan entscheiden, sein Gas an Russland zu verkaufen, würde die gesamte Philosophie des Gaskorridors zerfallen.

Aserbaidschan – ein zuverlässiger Lieferant?

Das Potential dieser Länder als Lieferanten wird von Moskau bezweifelt. Nur drei Länder könnten langfristig Lieferanten von Pipelinegas sein, so der Geschäftsführer von Gasprom, Alexei Miller, nämlich Russland, der Iran und Katar.

Dem Internationalen Weltenergieausblick 2010 zufolge, den die US-amerikanische Energieinformationszentrale (EIA) veröffentlicht, halten die größten Reserven der Erde 187 Milliarden Kubikmeter. Die Länder mit den größten Reserven sind Russland, mit 25,4 Prozent der Weltreserven oder 48 Milliarden Kubikmetern, dann der Iran mit 15,8 Prozent oder 30 Milliarden Kubikmetern, dann Katar mit 13,6 Prozent oder 25 Milliarden Kubikmetern, Turkmenistan mit 4 Prozent oder 7,5 Milliarden Kubikmetern und Saudi Arabien mit 4 Prozent oder 7,44 Milliarden Kubikmetern.

Der Irak kommt an elfter Stelle mit 1,7 Prozent der Weltreserven und 3 Milliarden Kubikmetern und Kasachstan an fünfzehnter Stelle mit 1,3 Prozent der Reserven der Welt, was 2,4 Milliarden Kubikmetern entspricht.

Aserbaidschan befindet sich nicht unter den Top Zwanzig der Länder mit den größten Gasreserven. Der US-Regierung zufolge produzierte Aserbaidschan im Jahr 2008 16,2 Milliarden Kubikmeter an Erdgas und verbrauchte davon nur 1,06 Milliarden. Beinahe die ganze Summe des aserbaidschanischen Gases wird in Anlagen vor der Küste produziert.

Der größte Anstieg an aserbaidschanischer Erdgasproduktion in der Zukunft wird von der fortwährenden Entwicklung des „Schah Deniz“-Felds erwartet. Analysten der Industrie schätzen, dass Schah Deniz eine der größten Erdgasentdeckungen der letzten 20 Jahre darstellt.

Dem technischen Betreiber des Projektes, BP, zufolge enthält das Feld potentiell nutzbare Ressourcen von etwa 424 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Schah Deniz befindet sich vor der Küste des Kaspischen Meeres, etwa 97 Kilometer südöstlich von Baku.

Werden die „massiven Reserven“ Turkmenistans zugänglich sein?

Der turkmenische Präsident, Gurbanguly Berdymukhamedov, sagte am 30. September, dass in seinem Land die gigantische Gruppe an Feldern namens „Süd Yoloten-Osman“ allein wahrscheinlich über 18 Billionen Kubikmeter Gas enthalte.

Er sagte, die gesamten Gasreserven Turkmenistans würden auf 24,6 Billionen Kubikmeter geschätzt. Dies repräsentiere mehr als dreimal soviel wie bislang geschätzt. Turkmenistan liefere derzeit kein Gas an europäische Länder, Exporte gingen direkt an Russland, den Iran und China.

Michael Laubsch, ein Zentralasienexperte, beschrieb Turkmenistan als einen autoritären Staat und sagte kürzlich, das Land wäre ein unzuverlässiger Partner für die EU.

Gelder anziehen

Ein weiterer Aspekt bei der Betrachtung rivalisierender Projekte ist es, dass einige Probleme dabei zu haben scheinen, die nötigen Gelder aufzubringen, während sich andere vorwiegend auf öffentliche Gelder verlassen.

Die finanzielle Situation von Gasprom ist weit davon entfernt, brillant zu sein; der Firma steht nicht viel Geld zur Verfügung. Sie hat Schulden in der Rekordhöhe von 15,2 Milliarden Dollar angehäuft, wie es Presseberichten zu entnehmen war.

Daher bleibt es noch unklar, wie genau „South Stream“ finanziert werden soll. Russland will, dass die EU dem „South Stream“-Projekt den Status eines Projekts gibt, das „im europäischen Interesse“ ist, in der Hoffnung, dass die Banken dann das Geld zu besseren Bedingungen bereitstellen werden.

Probleme

Nabucco

Die Nabucco-Gaspipeline wurde ursprünglich von den USA unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer vorgeschlagen. Ihr Ziel war es, Europas Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.

Seither hat Nabucco niemals Gefallen bei Russland gefunden oder bei seinem Staatsmonopolisten Gasprom.

Doch ist es schwer zu sagen, ob die EU als ganzes Nabucco als Projekt von strategischem Interesse sieht. Deutschland und Frankreich haben zum Beispiel nie großes Interesse an dem Projekt gezeigt.

Letztes Jahr bestätigte die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die Ablehnung ihres Landes, das Nabucco-Projekt mit europäischen Geldern zu finanzieren. Sie betonte, das Problem sei nicht die Finanzierung sondern das Auftreiben von Gas zur Belieferung der Pipeline.

Das Nabucco-Konsortium beinhaltet führende europäische Energieunternehmen: OMV aus Österreich, MOL aus Ungarn, RWE aus Deutschland, Bulgargas aus Bulgarien, Transgas aus Rumänien und Botas aus der Türkei. Doch drei Mitglieder des Konsortiums, OMV; MOL und Bulgargas, haben sich bereits der „South Stream“-Pipeline von Gasprom verschrieben. Damit werfen sie Fragen des Interessenkonfliktes sowie ihres Engagements gegenüber Nabucco auf.

Gasprom hat vor kurzem auch Rumänien als möglichen Partner für „South Stream“ in Betracht gezogen.

Die Nabucco-Pipeline wird von zwei verschiedenen Punkten an der türkischen Grenze mit Georgien und dem Irak gespeist werden und durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn verlaufen, bis zum Erdgasknotenpunkt Baumgarten in Österreich. Die geschätzte Lebensspanne der Pipeline ist 50 Jahre.

Ihre Kapazität beträgt 38 Milliarden Kubikmeter pro Jahr (MKm/J). Der Bau soll im Jahr 2012 beginnen und das erste Gas könnte ab 2015 zu fließen anfangen.

Das Konsortium hinter Nabucco kündigte am 6. September an, dass drei internationale öffentliche Banken Unternehmensbewertung für Kredite von bis zu 4 Milliarden Euro durchführen sollten. Der Webseite des Konsortiums zufolge wird die komplette Investition in das Nabucco-Projekt auf 7,9 Milliarden Euro geschätzt. Davon werden 70 Prozent durch Kredite von Finanzinstituten finanziert werden.

Im Sommer 2010 nahm Nabucco einen weiteren Schritt voran, indem es Ingenieursarbeit für zwei Zubringerlinien von der Türkei in den Irak und nach Georgien in Auftrag gab. Jedoch wurde eine dritte geplante Zubringerlinie aus der Türkei in den Iran auf Grund von politischen Überlegungen auf Eis gelegt, wie das Konsortium ankündigte.

Die Zeitschrift „ The Economist“ sagt über Nabucco, es sehe aus wie die Antwort zu einem Problem, das die Technologie und der Markt bereits dabei seien zu lösen..

Sie erwähnt auch die Möglichkeit, eine Kompressionstechnologie zu nutzen, um Gas über eine existierende Transkaukasus-Pipeline und das Schwarze Meer zu transportieren, sowie die Anstrengung der Kommission, den Gasmarkt zu liberalisieren, damit Pipelines nicht nur für Einfuhren sondern auch für die Verteilung in der EU genutzt werden können.

Letzten Monat gewann das Nabucco-Projekt fünf Milliarden Dollar an Krediten von der Weltbank, der Europäischen Investitionsbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, wie das Magazin anmerkte.

„South Stream“

South Stream“ ist eine geplante Gaspipeline, die die Ukraine umgeht und unterhalb des Schwarzen Meers nach Bulgarien verläuft, von der ein Arm nach Griechenland und Italien abgeht und ein anderer Arm nach Rumänien, Serbien, Ungarn, Slowenien und Österreich geht. Russland kündigte vor kurzem an, dass es seine geplante Kapazität von 31MKm/J auf 63 MKm/J mehr als verdoppeln werde.

Der offiziellen Webseite des Projekts zufolge zielt „South Stream“ darauf ab, die europäische Energiesicherheit zu stärken, indem es „Transitrisiken“ ausschalte. Es sei ein weiterer richtiger Schritt auf dem Weg zur Durchführung der Gasprom-Strategie zur Diversifizierung der russischen Erdgaslieferrouten.

Deswegen sehe Gasprom „South Stream“ nicht als Rivalen sondern als das beste Projekt des EU-Südgaskorridors.

Die geplante „South Stream“-Route fängt bei der „Pochinki“-Kompressionsstation an der russischen Küste des Schwarzen Meers an. Die Sektion der Pipeline, dieaußerhalb der Küstengewässer verläuft, etwa 900 km lang ist und eine Höchsttiefe von zwei Kilometern hat, wird die russische und die bulgarische Küste unter dem Schwarzen Meer verbinden. Die italienische Erdölfirma Eni agiert als Gasproms Partner beim Bau der „South Stream“-Sektion außerhalb der Küste.

Was die Sektion zu Lande angeht, sagt Gasprom, dass mehrere mögliche Routen der Sektion derzeit in den verschiedenen EU-Mitgliedern in Betracht gezogen würden.

Wie das Nabuccos auch ist das Bauende von „South Stream“ für 2015 vorgesehen.

Im März 2010 schlug Eni vor, dass „South Stream“ und Nabucco sich zusammentun sollten, um gemeinsam Kosten zu sparen. Jedoch wurde die Idee von Russlands Energieminister, Sergei Schmatko, umgehend zurückgewiesen. Er sagte, „South Stream“ sei wettbewerbsfähiger als sein Rivale.

Der „Economist“ verzeichnet die wichtigen Aspekte des vorgeschlagenen „South Stream“-Projekts, an denen es derzeit mangelt: Russlands schlecht verwaltete und Schulden beladene Gasindustrie habe wenig zusätzliche Kapazität, schreibt er, und Bulgarien sei noch immer erbost darüber, dass seine Gaslieferungen während des russisch-ukrainischen Gasdisputs im Januar 2009 abgeschnitten wurden.

Türkei-Griechenland-Italien-Verbindungsleitung (ITGI)

Die Türkei-Griechenland-Italien-Verbindungsleitung (ITGI), die flussabwärts gelegene Sektion des „South Stream“-Projekts, das Griechenland mit Italien verbindet, ist ein Projekt der italienischen Firma Edison. ITGI bezieht das Poseidon-Projekt ein: eine 200km-lange Strecke von Pipelines, die im Ionischen Meer verläuft.

Die Poseidon-Pipeline wird von der IGI Poseidon SA entwickelt, einem gemeinsamen Unternehmen zwischen Edison und der griechischen Firma Depa.

Trotz seiner Ähnlichkeit mit „South Stream“ präsentieren die Verfechter von ITGI das Projekt stattdessen als die „erste Phase“ von Nabucco.

Unter der Annahme, dass die Nachfrage nach Gas in Europa bis 2015 niedrig bleibt, sieht Edison vorher, dass Aserbaidschan als der einzige Gaslieferant aus dieser Region über die Türkei dienen könnte. Deshalb befinden ITGIs Verfechter, dass eine mittelgroße Pipeline an den europäischen Bedarf mittelfristig besser angepasst sei als Nabucco.

Wenn ITGI 2015 in Betrieb geht, wird die Pipeline eine Transportkapazität von 10MKm/J haben.

Abgesehen von Poseidon sind unter anderem andere Anstrengungen zum Bau von ITGI die Umsetzung der Verbindungslinie Griechenland-Italien (IGI) gewesen, die eine 600km-lange Strecke durch griechisches Gebiet beinhaltet, und die Umsetzung der Verbindung Griechenland-Bulgarien (IGB, auch „Stara Zagora-Komotini“ genannt und zum Teil durch EU-Gelder finanziert). IGB wird eine Transportkapazität von 3-5 MKm/J haben und soll bis 2013 in Betrieb genommen werden.

Was den Rest der Route in den Kaukasus angeht, wird ITGI existierende Pipelines nutzen. ITGI-Beamte geben zu, dass auch russisches Gas durch die existierende „Blue Stream“-Pipeline über das Schwarze Meer eingeführt werden könnte.

Die Webseite des Projekts betont, dass die EU ITGI als ein Projekt von europäischem Interesse anerkannt und es als ein Südgaskorridor-Projekt im Rahmen des europäischen Plan zur Wiederankurbelung der Wirtschaft akzeptiert habe. Die Finanzierung beläuft sich auf 100 Millionen Euro.

Transadriatische Pipeline (TAP)

TAP-Aktionäre sind unter anderem EGL aus der Schweiz, Statoil aus Norwegen und E.ON Ruhrgas. Sie beschreiben das Projekt als das kürzeste und kosteneffizienteste Projekt für die Gasbelieferung an italienische und europäische Märkte.

Mit einem Budget von 1,5 Milliarden Euro (1,8 Milliarden Dollar) wurde das TAP-Projekt entworfen, um den kürzesten und billigsten Weg anzubieten, aserbaidschanisches Gas vom „Schah Deniz“-Feld nach Europa zu bringen.

Im Vergleich dazu wird geschätzt, dass das Nabucco-Projekt 9,7 Milliarden Euro kosten soll. Beamte haben bislang abgelehnt, eine Schätzung für ITGI zu liefern.

TAP wird einen neuen so genannten Südgaskorridor nach Europa eröffnen und eine Absatzmöglichkeit für Gas aus dem Kaspischen Meer und der Nahostregion bieten. Das Projekt sei entworfen worden, um die Transportkapazität von 10 auf 20 MKm/J zu steigern, heißt es auf der TAP-Konsortium-Webseite.

TAP wird zu Beginn eine Kapazität von 10 MKm/J haben. Die Transportkapazität der Pipeline kann auf 20 MKm/J erweitert werden. Zusätzlich wird TAP eine unterirdische Lagermöglichkeit bieten, die es derzeit in Albanien untersucht, sowie die umgekehrte Fließkapazität von bis zu 8,5 MKm, die sicherstellen wird, dass Länder im Südosten Europas und auf dem Balkan in der Lage sein werden, die Energie, die sie brauchen, zu sichern.

Die TAP-Pipeline misst 520 km und wird in der griechischen Stadt Thessaloniki beginnen. Sie wird Albanien durchqueren, bevor sie auf dem Grund des Adriatischen Meers 115km nach Brindisien in Italien verlaufen. TAPs Sektion außerhalb der Küste verbindet Italien mit Albanien und nicht mit Griechenland, wie es der Fall von ITGI ist.

Einer der Vorteile von TAP ist es, dass Statoil 25 Prozent der Ressourcen von Schah Deniz gehören.

Die TAP-Pipeline werde fertig sein, wenn Schah Deniz II in Produktion gehe, sagte Kjetil Tungland, leitender Geschäftsführer des Transadriatischen Projektes, vor kurzem.

Der Statoil-Webseite zufolge soll die zweite Phase der Schah Deniz-Gasproduktion im Jahr 2016 beginnen

Während der Höhepunkt der Produktion der ersten Phase von Schah Deniz auf 8,6 bis 9 MKm geschätzt wird, wird die Gasproduktion in der zweiten Phase um weitere 16 MKm/J erhöht werden.

Die Pipeline werde unter augenblicklichen Umständen kein iranisches Gas transportieren, stellte das TAP-Konsortium klar.

Presseberichten zufolge ist TAP bereit zu diskutieren, Synergien mit ITGI zu entwerfen. Jedoch haben die Führungskräfte keine Details gegeben, wie diese Kooperation aussehen könnte.

Aserbaidschan-Georgien-Rumänien-Verbindungsleitung (AGRI)

Im September 2010 unterzeichneten die staatlichen Energieunternehmen aus Aserbaidschan, Georgien und Rumänien eine Absichtserklärung für ein Projekt, um aserbaidschanisches Gas in ihre Region zu transportieren.

Die Aserbaidschan-Georgien-Rumänien-Verbindungsleitung (AGRI) entsprang der bereits überfüllten Liste an Projekten des so genannten Südgaskorridors.

Eine neue Firma wurde geschaffen, um mit der anfänglichen Aufgabe umzugehen, eine Machbarkeitsstudie zu organisieren und Gelder anzuziehen.

Am 20. September kündigte Ungarn an, dass es Anteilseigner bei AGRI werden könne. In dem Fall würde jedes Land 25 Prozent der Anteile besitzen.

Berichten zufolge wird AGRI so entworfen werden, dass es aserbaidschanisches Gas mittels einer Pipeline in einen Hafen des Schwarzen Meeres in Georgien zwecks Verflüssigung bringen wird. Weiterer Transport wird durch einen Tanker in den rumänischen Hafen Konstanza im Schwarzen Meer erfolgen. Von dort aus wird das Gas durch das rumänische Pipelinesystem nach Ungarn und weiter zum Rest des europäischen Marktes gepumpt werden.

Das Projekt sieht den Bau einer Verflüssigungsanlage für LNG-Exporte im Ölexporthafen Kulevi, der sich in aserbaidschanischem Besitz befindet, in Georgien vor, sowie den Bau eines Hafens zur Einfuhr von Flüssiggas in eine Regasifizierungsanlage in Rumänien.

Der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliev, sagte, die nächsten Schritte für AGRI – die Vervollständigung der Machbarkeitsstudie und die Beschaffung der Finanzierung – seien wichtig, und er drängte die internationalen finanziellen Institutionen, sich in das Projekt einzusetzen.

Der Präsident von Rumänien, Traian Basescu, sagte, zusammen mit Ungarn werde sein Land die nötigen Schritte unternehmen, so dass die Machbarkeitsstudie von der EU als Teil des Transeuropäischen Energienetzprogramms (TEN-E) mitfinanziert werde. Eine Umfrage bezüglich des LNG-Hafens in Konstanza, dem rumänischen Hafen im Schwarzen Meer, wird Berichten zufolge derzeit fertig gestellt. Ihre Schlussfolgerungen würden den Ausgangspunkt für die Umfrage über das AGRI-Projekt bieten, so Basescu.

Unterstützer des AGRI-Projekts sagen, es sollte unter den Projekten des Südkorridors das sein, das am schnellsten fertiggestellt werde. Doch Kritikersagen, der Hafen Kulevi sei nur einen Katzensprung entfernt von der Splitterregion Abchasien, die sich praktisch in russischer Hand befinde. Russische Truppen seien dort stationiert und Russland könne die Pipeline beschädigen, wenn es wolle, so die Kritiker.

White Stream

Um das Bild zu vervollständigen, ist das von der Ukraine entwickelte Projekt „White Stream“ es wert, erwähnt zu werden, obwohl Zweifel aufgekommen sind, dass es in der Lage sein werde, ausreichende politische Unterstützung zu finden.

Die Idee wurde zuerst von der ukrainischen Regierung unter der ehemaligen Premierministerin Julia Timoschenko im Jahr 2005 unterbreitet, in der Form einer Georgien-Ukraine-EU-Pipeline für den Transport kaspischen Gases über Georgien nach Suspa, einem georgischen Hafen in der Nähe von Poti.

Von Suspa aus würde die Pipeline außerhalb der Küste zum rumänischen Hafen von Konstanza verlaufen (die endgültige Route steht noch nicht fest) und sowohl Rumänien als auch den europäischen Markt versorgen.

Die Anfangskapazität der Pipeline wird auf 8MKm/J geschätzt. Zu diesem Zeitpunkt würde die Pipeline aus dem Schah Deniz-Gasfeld in Aserbaidschan gespeist werden.

Das Projekt wird von der London ansässigen Firma GUEU gefördert, doch seine Unterstützer sind derzeit unbekannt.

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Fusionen oder Synergien möglich

Wie die Verfechter einiger der Projekte vorgeschlagen haben, könnten einige von ihnen ihre größten Vorteile kombinieren und sich letztlich zusammentun. Einige kleinere Projekte könnten das Rückgrat der größeren werden, wenn dies die Bedingungen zuließen und die Nachfrage nach Gas in Europa anstiege.

Eine größere Rolle der Europäischen Kommission scheint von allen Projektförderern erwünscht zu werden, selbst von denjenigen, die sich am wenigsten auf EU-Gelder und öffentliche Finanzierung verlassen. Ein Sondergipfel über den Südgaskorridor fand im Mai 2009 während der tschechischen Ratspräsidentschaft statt. Die Veranstaltung brachte ein Deklaration hervor, doch dessen Inhalt war vage und die Folgeschritte brachten wenig Ergebnisse.

Zweifellos werden sowohl Ungarn als auch Polen versuchen, das Konzept des Südgaskorridors weiter auszuarbeiten, wenn sie 2011 die rotierende EU-Ratspräsidentschaft übernehmen werden.

Weitere Gipfel werden wahrscheinlich stattfinden, doch was noch wichtiger ist als weitere Treffen, ist es für die EU-Chefs ordentliche Vorbereitungen zu treffen und für die Union ihren Mehrwert bei Projekten von strategischer Bedeutsamkeit zu beweisen.

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Positionen

In seiner „Rede zur Lage der Union“ 2010 sagte der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, er werde in diesem Jahr in die kaspische Region reisen, um für den Südgaskorridor als ein Mittel zur Stärkung der Versorgungssicherheit zu werben. Er sagte, ein Energieaktionsplan werde nächstes Jahr eingeführt werden, der sich auf Fragen der Versorgungssicherheit konzentrieren werde.

Barroso beschrieb den Südgaskorridor als ein Prioritätsprojekt der EU und sagte, dass Europa den legalen, finanziellen und politischen Rahmen für Unternehmen bieten werde, damit sie ihre Geschäfte schließen könnten.

Auf einem Energieforum in Sofia sagte der EU-Energiekommissar, Günther Oettinger, dass die EU eine direkte Verbindung in die kaspische und Nahostregion wünsche, obwohl sie dem russisch finanzierten South Stream-Projekt nicht im Weg stehen werde.

In einer Ansprache bei dem internationalen Odessa-Forum in Sofia forderte Oettinger, dass die Ukraine ihren heimischen Gasmarkt reformiere, der von Naftogaz dominiert werde. Er wolle, dass die europäische Sichtweise gut verstanden werde. Man befinde, dass die Reform des ukrainischen Gasmarktes und des Gastransites keine separaten Fragen seien. Der Transit sei nicht hundertprozentig garantiert, solange das heimische Gassystem der Ukraine nicht finanziell tragbar und durchschaubar sei. Eine außergewöhnliche Anstrengung sei notwendig, um den Südgaskorridor der EU zu öffnen.

Er hatte zuvor gefordert, dass es einen einzigen EU-Preis für Gaseinfuhren geben solle, um keine individuellen Mitgliedsstaaten zu bestrafen.

Der polnische Europaabgeordnete Jacek Saryusz-Wolski (Europäische Volkspartei, EVP) kommentierte eine EU-Regulierung zur Gassolidarität und sagte, die neuen Regeln gingen nur einen Teil des Weges, um die Versorgungssicherheit der Union zu garantieren. Die Regulierung lasse die Rolle der Hohen Vertreterin aus und beziehe sich nur vage auf den Südkorridor, auf Nabucco oder auf die Zusammenarbeit mit den Partnern, sagte er in Bezug auf die europäische Nachbarschaftspolitik.

Die rumänische Europaabgeordnete Adina Valean(Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa), beschrieb die Regulierung als positiven Schritt, um Europas Störanfälligkeit zu reduzieren, aber sie warnte, man müsse weiterhin Energierouten und Versorgungsquellen diversifizieren, um den Wettbewerb, den Zugang und die Auswahl zu erleichtern.

Jeremy Elliszufolge, dem Leiter der Geschäftsentwicklung bei der deutschen Energiefirma RWE, biete die Nabucco-Pipeline den Gasproduzenten in Aserbaidschan bei weitem die niedrigsten Transportkosten bis zum Markt an, was echte Einsparungen von 4,1 bis 9,1 Euro pro 10 MKm Gas über die nächsten 25 Jahre bringen werde.

Nabuccos vielseitige Quellen werden auch als Vorteil gesehen, wohingegen sich TAP und IGI auf nur eine Quelle verlassen, wie die meisten Länder in Südosteuropa. Es gebe zwei verschiedene Punkte, an denen Nabucco und IGI verbunden werden könnten, entweder in der Türkei oder in Bulgarien, so dass die Vorteile Nabuccos, wie eine sichere Route durch die Türkei, auf Griechenland und Italien ausgeweitet werden könnten, sagte er.

In einem Kommentar über die EU-Mitteilung über die Energieinfrastruktur, die am 17. November angenommen wurde, sagte Kjetil Tungland, Geschäftsführer der „Trans Adriatic Pipeline“ (TAP)-Gruppe, er begrüße die Anerkennung der EU, dass der „Southern Gas Corridor“ helfen könnte, die künftige Gasversorgung Europas zu diversifizieren und sicherzustellen.

Sie freuten sich über die Anerkennung in der Mitteilung, dass Gas ein ausschlaggebender Teil des zukünftigen EU-Energiemix sei, der auch zur Erfüllung der ehrgeizigen europäischen Ziele über den Klimawandel entscheidend beitragen könne, sagte Tungland, und hob dabei die neuen, einfacheren und schnelleren Genehmigungsverfahren sowie die neuen Finanzierungsmechanismen und Anreize für Investoren hervor, die für das Bauen von Gasinfrastrukturen vorgesehen seien.

Tungland betonte die wichtige Rolle von kommerziellen Entscheidungstreffern und dem Markt und forderte, dass alle öffentlichen Anreize auf völliger Transparenz beruhen und auf das Prinzip der Kostenwirksamkeit bauen sollten.

TAP freue sich über die politische Richtung der Mitteilung, fügte er hinzu, und sagte, dass er von der EU und seiner betroffenen Mitgliedsstaaten erwarte, dass sie sicher stellten, dass zwischen den alternativen Projekten der Wettbewerb zu transparenten und gleichen Bedingungen laufen könne.

Daniel Gros, Direktor des „Centre for European Policy Studies“ (CEPS), schrieb einen Artikel für das „Centre for European Reform“ (CER), in dem er die Beziehung zwischen der EU und Russland in Sachen Energie als bilaterales „Quasi-Monopol“ beschrieb.

Als Quasi-Monopolist werde Gasprom in der Lage sein, seine Preise über den Grenzkosten der Gasproduktion anzusetzen. Die Fähigkeit Gasproms, Monopoleinkünfte aus seiner privilegierten Marktposition als Hauptlieferant der europäischen Gasmärkte zu ziehen, werde von dem Ausmaß abhängen, zu dem alternative Lieferanten nach Europa liefern könnten. Er schätzt, der Bau zusätzlicher Pipelines könnte die europäischen Gaspreise um zehn Prozent senken.

Dem „Clingendael International Energy Programme“ zufolge zeige die Geschwindigkeit, mit der europäische Firmen und Regierungen auf die russische südliche Pipeline reagierten, dass sie vom Erfolg Nabuccos noch nicht gänzlich überzeugt seien.

In alternative Projekte zu investieren, wie Bluestream I, beinhalte jedoch riesige kommerzielle Risiken, mit einem sehr unklaren Zeitplan für die Erträge aus den Anlagen. Dies lasse die Frage offen, ob simultane Projekte nicht aufeinander folgend durchgeführt werden könnten, so Clingendael.

Peter Dalbyschrieb für das „Centre of Policy Studies“, einen in Großbritannien ansässigen konservativen Think-Tank, dass Nabucco übrigens Westeuropa von der aggressiven Energienutzung durch Moskau als diplomatisches Handelsinstrument befreien würde.

Dalby argumentierte für den Beitritt der Türkei in die EU und schrieb, ohne die Türkei werde der Kaukasus weiterhin ein instabiles, verarmtes Schlachtfeld außerhalb des EU-Einflusses bleiben.

 

Zeitstrahl

  • 1. Jan. 2006: Erster „Gaskrieg“ zwischen Russland und der Ukraine. Moskau unterbricht kurzfristig die Gasversorgung an die Ukraine wegen eines Zahlungsstreits, was die Kritik im Westen auslöst, dass der Kreml die Energie als politisches Instrument nutze
  • 16. Okt. 2008: EU-Gipfel unterstützt Bericht zur Energiesicherheit und lädt EU-Länder und –institutionen ein, Energiequellen und Versorgungsrouten zu diversifizieren
  • 13. Nov. 2008: Kommission veröffentlicht EU-Sicherheits- und Solidaritätsaktionsplan und detailliert mehrere Initiativen, unter anderem einen südlichen Gaskorridor
  • 1. Jan. 2009: Zweiter „Gaskrieg“ zwischen Russland und der Ukraine. Die Krise endet am 20. Januar, als Versorgung der Ukraine bei höheren Preisen wieder aufgenommen wird. Mehrere europäische Länder hart getroffen von den Versorgungsproblemen.
  • 8. Mai 2009: Tschechische EU-Ratspräsidentschaft hält Gipfel zum südlichen Gaskorridor in Prag. Veranstaltung hauptsächlich förmlich.

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