Expertin: EU kann Ukraine auf Weg zu Energieeffizienz unterstützen

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Bessere Kommunikation zwischen den ukrainischen Regierungsbehörden, der EU, den internationalen Institutionen und der Geschäftswelt könne dabei helfen, eines der Länder Europas mit dem höchsten Energieverbrauch effizienter zu machen, sagte Elena Rybak, Geschäftsführerin der Europäisch-Ukrainischen Energieagentur EURACTIV in einem Interview.
Elena Rybak hat einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und hat zuvor als Landesleiterin für den Schwedisch-Ukrainischen Geschäftsverband und als Programmkoordinatorin für das Geschäftsentwicklungsprogramm der Schwedischen Regierung in ihrem Land gearbeitet.
Das Gespräch führte Georgi Gotev.

Ihre Agentur,  die als Plattform für gemeinsame EU-Ukrainer Aktion zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung, effizienter Energienutzung und umweltfreundlichem Technologietransfer präsentiert wird, ist noch recht jung. Sie veranstalten am 31.Mai/1. Juni den „Ersten Europäisch-Ukrainischen Energietag“ in Kiev. Was bringt Sie nach Brüssel und können Sie uns mehr zu Ihren Plänen und Ambitionen sagen?

Dies ist unser zweiter Besuch in Brüssel: der erste fand im März statt, als wir uns der Kommission und den verschiedenen Abteilungen, die zur Ukraine und energiebezogenen Themen arbeiten, insbesondere Energieeffizienz und erneuerbare Energien, vorgestellt haben. Dieses Mal nehmen wir an einem Treffen teil, das im Rahmen des Östlichen Partnerschaft der Europäischen Kommission organisiert wurde. In diesem Rahmen haben wir unser Positionspapier zu energieeffizienten Gebäuden vorgestellt. Wir bereiten uns tatsächlich auch auf unser großes Ereignis am 31. Mai/1. Juni vor.

Lassen Sie mich sagen, dass die Europäisch-Ukrainische Energieagentur letztes Jahr mit dem Ziel gegründet wurde, Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Ukraine zu fördern, europäische Technologien in den ukrainischen Markt zu integrieren und der Ukraine zu helfen, die richtigen Prioritäten im Umgang mit diesen Themen zu setzen.

Unser Ziel ist es, DIE Plattform für Kommunikation zwischen Regierungsbehörden in der Ukraine, relevanten EU- und internationalen Institutionen, Geberorganisationen, Internationale Finanzinstitutionen und unseren Mitgliedern, die die Geschäftswelt repräsentieren, zu werden. Wir verstehen die notwendige Priorität, ukrainische Gesetzgebung and EU-Standards anzupassen, um innerhalb von Sektoren eine Marktwirtschaft zu schaffen und wir zielen darauf ab, die Stimmen aller genannten Akteure der ukrainischen Regierung gegenüber wiederzugeben.

Sie müssen eine riesige Aufgabe vor sich haben. Ein Freund von mir, der die Ukraine kürzlich besucht hat, sagte, dass es keine Thermostate an den Heizungen gebe, und wenn es zu warm werde, würden die Menschen einfach die Fenster aufmachen, wie man es früher in der Sowjetunion gemacht hat, als alle dachten, Energie hätte keinen Preis, ohne jede Sorge um die Umwelt.

Genau. Wir alle wissen, dass die Ukraine eines der energieintensivsten Länder ist und wir verstehen, dass es sich aufgrund der Größe des Landes um eine enorme Arbeit handelt.

Wir setzen nun Prioritäten innerhalb unserer Agentur mit dem Ansatz Problem-Lösung-Aktion. Im Bereich unserer Aktivitäten werden wir Zeugen einer Menge Arbeit, die in der Ukraine von Geberorganisationen, von Entwicklungsagenturen von verschiedenen EU-Staaten, auch von den ukrainischen Behörden, gemeinsam mit der EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), der Weltbank, etc. durchgeführt wird.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es sehr wenige Aktionspläne, die implementiert oder bereits vorbereitet werden, Strategien die entwickelt werden, etc, doch was wir bemerken, ist dass einige Anstrengungen doppelt ausgeführt werden. Daher sehen wir die Notwendigkeit, Bemühungen der Gebergemeinschaft zu koordinieren und Prioritäten zu identifizieren, um was sich zuerst gekümmert werden muss.

Versuchen Sie, die Regierung zu beeinflussen, indem Sie ihre Prioritäten aufstellen?

Wir versuchen, die Vision unserer Mitglieder, Experten und Partner zu teilen, welche Schritte von unserer Regierung unternommen werden müssen um den Energieffizienz-Markt zum Funktionieren zu bringen.

In jedem europäischen Land beginnt man beim ersten Schritt, wenn man ein Prioritätsziel bis 2020 setzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen und Energieverbrauch zu senken.

Und wenn die Ukraine ihre Strategie schreibt, versuchen wir, bei Schritt sieben anzufangen. Wenn wir hören, dass die Ukraine sich nicht in eine bestimmte Richtung entwickelt, ist dies oft aus dem gleichen Grund.

Doch Sie haben auch eine neue Regierung. Wir lesen, dass große Teile der Gesetzgebung geändert werden sollen. Denken Sie, dass das Geschäftsklima gut ist?

Die internationale Gebergemeinschaft und IFIs in der Ukraine haben eine Anzahl von Programmen für die Ukraine aufgesetzt. Es gibt ein EBRD-Programme für 250 Millionen Euro, ein Weltbankprogramm für 300 Millionen Euro und wir sprechen mit einer schwedischen Initiative über etwa 1 Milliarde Euro, die in Energieeffizienz-Programme in der Ukraine investiert werden sollen. Wenn wir nur Gebäude und Bezirksheizungen nehmen und erneuerbare Energien ausklammern, ist die Situation so, dass wenn wir nicht jetzt agieren, wir Risiko laufen, in fünf bis zehn Jahren mit einer kollabierten Infrastruktur zu enden.

Sogar wenn wir alles Geld nehmen, dass zur Verfügung gestellt wird, wurden Teile bereits ausgegeben, viele Prozesse sind aktuell am Laufen mit der Regierung zu Bestätigungen von Aktionsplänen und Prioritätsprojekten, die sich qualifizieren werden.

Dennoch ist dies nicht genug, um das Thema aus einer globalen Perspektive heraus anzusprechen. Wir verstehen, dass ein Marktsystem innerhalb der Energieeffizienz geschaffen werden muss um private Investitionen zu fördern. Unter unseren Mitgliedern sehen wir großes Interesse für die Ukraine, doch sie sehen Risiken und der Mangel an legalen Voraussetzungen, um in den Markt einzusteigen. Also ist unsere Priorität für die Arbeit mit der ukrainischen Regierung, diese sehr besonderen Themen, für die sich unsere Mitglieder interessieren, anzusprechen.

Was für Unterstützung braucht Ihre Agentur von der EU? Interessieren Sie sich für Projekte im Rahmen der Östlichen Partnerschaft?

Die EU hatte viele Projekte in der Ukraine. Einige werden während des „Ersten Europäisch-Ukrainischen Energietags“ präsentiert, wie das zu energieeffizienten Städten, welches mehrere Städte in der westlichen Ukraine abdeckt. Dann gibt es eine Reihe an Programmen, die Experten für ex-ante Machbarkeitsstudien einschließt. Dies ist sehr wichtig für die Ukraine, denn wenn man sich die Industrie in der Ukraine anschaut, sind alle hoch im Energieverbrauch und verbrauchen 40 Prozent der Energie des Landes: Sie sehen da gibt es ein unwahrscheinliches Potential für Energieeffizienz-Projekte.

Doch wenn es um ex-ante Machbarkeitsstudien geht, um sich für die Finanzierung von IFI zu bewerben, brauchen die jeweiligen Firmen höchstwahrscheinlich einen internationalen Experten, da uns die Leute fehlen, die nach EU-Standards qualifiziert sind und bestimmte Expertise anbieten. Und diese Machbarkeitsstudien kosten Geld. Mit dieser schwierigen Situation für Industrien in der Ukraine ist das eine große Investition.

Die technische Unterstützung für Projektidentifizierung und Vorbereitung anzubieten könnte sehr hilfreiche technische Hilfe der EU-Seite. Und doch, damit die Projekte nachhaltig sind und funktionieren, müssen der Markt und die Gesetzgebung funktionieren.

Wo sehen Sie Ihre Agentur und Ihr Land in fünf Jahren?

Das ist eine sehr politische Frage [lacht]. Ich bin sicherlich optimistisch, und das aus einem einfachen Grund: all die Aufmerksamkeit und die Anstrengungen, die in Energieeffizienz und Fragen zu den erneuerbaren Energien gesteckt worden sind, nicht nur von den internationalen Gebern, internationalen Finanzinstitutionen und der Weltgemeinschaft, sondern auch von einigen Ukrainern, die die Bedürfnisse ihres Landes verstehen.

Mit einem funktionierenden Regierungssystem könnten wir uns sicherlich schneller voranbewegen. Ich glaube allerdings, dass unsere Regierung die benötigten Handlungen ausführen wird, um die ukrainische Gesellschaft allmählich zur nächsten Etappe zu führen: zur Integration in die EU und zur Energieunabhängigkeit. Es gibt keinen anderen Weg.

Wo steht Russland in der ganzen Frage? Viele Ihrer Energie kommt daher, doch Ihr Partner für Energieeffizienz ist die EU. Wer kommt zuerst?

Ich denke, wir sollten unsere Partnerschaft und freundlichen Beziehungen mit sowohl der EU als auch Russland aufrechterhalten. Die Frage ist, wie meisterhaft unsere Regierung dies schaffen wird, da die Interessen auf beiden Seiten sich unterscheiden und der Interessenkonflikt in diesem Bezug in der Ukraine liegt.

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