EU-Fischereipolitik: Diese Reform kann Fische und Fischer retten

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

"Eine Reform der EU-Fischereipolitik ist dringend notwendig: In den letzten 30 Jahren wurde weder die Überfischung eingedämmt, noch der Rückwurf beendet", schreibt BalticSea2020-Gründer Björn Carlson im Standpunkt für EURACTIV.de. © Daarom / PIXELIO

Standpunkt von Björn Carlson (BalticSea2020)Björn Carlson, Gründer von BalticSea2020, richtet sich mit dem nachfolgenden Appell an die Europaabgeordneten. Sie entscheiden am 6. Februar über die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. Diese Chance gebe es nur einmal alle zehn Jahre und müsse genutzt werden.

Der Autor

" /Der Schwede Björn Carlson ist Stiftungsgründers von BalticSea2020. Die private Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die anhaltende Umweltdegradation der Ostsee zu beenden und das Potenzial der Region, der Fischereiindustrie und des Fischbestandes auf lange Sicht zu erhalten.
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Am 6. Februar 2013 stimmt das Europäische Parlament über die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik ab. Da viele den Vorschlag der Europäischen Kommission kritisieren, ist es wichtig, die Herausforderungen zu verstehen, denen die europäische Fischerei sich aktuell stellen muss. Die Verantwortung, die Situtation des Fischbestandes sowie der Fischer zu verbessern, liegt nun ganz bei den Europaparlamentariern.

Rückschlägee

Eine Reform ist dringend notwendig: In den letzten 30 Jahren hat es die Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) weder geschafft, die Überfischung einzudämmen, noch den Rückwurf zu beenden. Die entsprechenden Zahlen der Kommission sind alarmierend: 62 Prozent des Fischbestandes im Atlantik und 82 Prozent des Fischbestandes im Mittelmeer werden zurzeit überfischt. Gleichzeitig haben EU-Mitgliedstaaten in den vergangenen zehn Jahren Fangquoten erlaubt, die 40 Prozent höher liegen als die durchschnittlichen wissenschaftlichen Empfehlungen. Zusätzlich werden jedes Jahr 1,7 Milionen Tonnen Fisch tot zurück ins Meer geworfen; dies entspricht einem Viertel des essbaren Fisches, der in der EU gefangen wird. Dies ist völlig absurd, da die EU mehr als die Hälfte des hier konsumierten Fisches aus anderen Ländern importiert.

Fortschritte

Dennoch ist nicht alles verloren. Innerhalb der letzten Jahre sind Fortschritte erreicht worden. Zum Beispiel werden 22 von 88 Beständen in europäischen Gewässern nun nachhaltig gefischt. Dieser Erfolg wurde durch Prinzipien ermöglicht, die auch in die Vorschläge zur Reform der GFP eingeflossen sind, welche momentan vom Europäischen Parlament diskutiert werden. Bestände wiederauzubauen und über dem höchstmöglichem Ertragsniveau bis 2015 zu halten, würde die Nachhaltigkeit der Bestände garantieren. Gleichzeitig würde das Rückwurfverbot Fischer dazu ermutigen, selektiver zu fischen und somit zu einem reduziertem Beifang und dem Erhalt von kleineren Fischen und Jungtieren beizutragen. Diese Methoden haben sich bewährt und sind in verschiedenen europäischen Regionen erfolgreich angewendet worden – so auch in der Ostsee.

Nicht zuletzt ist es notwendig, schädliche Beihilfen, welche die Fangkapazitäten vergrößern, zu beenden. Die Gewährung von Beihilfen sollte davon abhängig gemacht werden, ob die Ziele der GFP erreicht werden. Die Beihilfen selbst sollten dazu dienen, Fanggeräte selektiver zu machen und wissenschaftliche Daten zu erheben.

Einmalige Chance

Sollten solche Maßnahmen durch das Europäische Parlament angenommen werden, würde nicht nur der Fischbestand um 80 Prozent und der Fischfang bis 2020 um 588.000 Tonnen steigen, sondern die Nettogewinnmarge der EU-Fischereiaktivitäten würde dadurch zusätzlich bis 2022 um den Faktor 3,5 multipliziert (Quelle: Folgenabschätzung der Europäischen Kommission zum Vorschlag zur Gemeinsamen Fischereipolitik, veröffentlicht im Juli 2011).

Diese Reform würde allen Beteiligten Vorteile bringen: zunächst den Fischern, da die Rentabilität der Fischereiindustrie steigen würde; den Verbrauchern, welche einen besseren Zugang zu qualitativ hochwertigem Fisch hätten; und der Meeresfauna, welche geschützt würde.

Die Entscheidung liegt nun in den Händen der Mitglieder des Europäischen Parlaments, die eine Reform annehmen müssen, deren Ziel es nicht ist, Fischer zu verurteilen, wie man manchmal hört, sondern im Gegenteil versucht, Rahmenbedingungen für die Nachhaltigkeit der europäischen Fischereiindustrie zu schaffen.

Wir sollten diese Möglichkeit, die nur einmal alle 10 Jahre vorkommt, nicht verstreichen lassen und müssen sicherstellen, dass Fischern reiche Vorkommen, sowie der Industrie die Möglichkeit zum Fortbestand garantiert werden.

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