„Es ist höchste Zeit, die Natur in der Agrarlandschaft zu retten“

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Vier größten europäischen Umweltschutzorganisationen fordern innerhalb des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) mehr Mittel für Umwelt- und Klimaschutz bereit zu stellen.

Vier größten europäischen Umweltschutzorganisationen fordern innerhalb des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) mehr Mittel für Umwelt- und Klimaschutz bereit zu stellen. [Tim Lucas/Flickr]

In einem offenen Brief fordern die vier größten europäischen Umweltschutzorganisationen von EU-Haushaltskommissar Oettinger, innerhalb des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) mehr Mittel für Umwelt- und Klimaschutz bereit zu stellen.

Die Biodiversität in Europa befindet sich in einer schweren Krise. Neue Erkenntnisse zum Ausmaß des Zusammenbruchs von Insekten- und Vogelpopulationen im Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft, haben in letzter Zeit von Deutschland bis Irland und Frankreich vermehrt für Schlagzeilen gesorgt. In Deutschland sind 76% der Insekten innerhalb einer Generation verschwunden und in einem Zeitraum von nur 15 Jahren 30% der Feldvögel in Frankreich. Diese Entwicklungen sind ein dringender Weckruf und machen den Ernst der Lage deutlich.

Der Artenschwund und der Klimawandel werden von Wissenschaftlern und politischen Kommentatoren als die zwei großen Herausforderungen anerkannt, bei denen ein dringender Handlungsbedarf besteht. Die Intensivierung der Landwirtschaft stellt dabei den Kern des Problems dar. [1] Im letzten Bericht des UN-Weltbiodiversitätsrates (IPBES) zum Schwund der natürlichen Vielfalt liest sich dazu folgendes: „Der Landnutzungswandel ist der größte Treiber des Verlustes an Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in Europa und Zentralasien“. [2]

Das gegenwärtige Modell der Landwirtschaft bedroht nicht nur die Biodiversität, vergrößert den Druck auf die Ressourcen Wasser und Böden und stellt eine ernst zu nehmende Quelle von Treibhausgasemissionen dar. Der Verlust von Bestäubern und natürlichen Prädatoren sowie die Degradation von Böden und Gewässern sind zudem eine existentielle Gefahr für die landwirtschaftliche Produktion und bedrohen das wirtschaftliche Überleben der Landwirte selbst.

Aus Sicht der vier größten europäischen Umwelt-NGOs (BirdLife, EEB, Greenpeace und WWF) ist es höchste Zeit, dass die politischen Entscheidungsträger auf diese Krise reagieren. Das EU-Budget (der sgn. Mehrjährige Finanzrahmen), welches nun die finalen Verhandlungen innerhalb der Europäischen Kommission durchläuft, wäre die beste Gelegenheit, das Ruder herumzureißen.

Für die Umweltschützer steht fest, dass entsprechende Mittel im Budget der GAP verankert werden müssen, welche immer noch fast 40% des gesamten EU-Haushalts ausmacht. Dagegen stellt der Umwelt- und Klimafond innerhalb des LIFE-Programms momentan lediglich 0,3%.  

In einem am Montag versendeten gemeinsamen offenen Brief an EU-Haushaltskommissar Oettinger fordern die vier NGOs, dass zukünftig 50% des GAP-Budgets für Umwelt- und Klimamaßnahmen ausgegeben werden müssen. Davon müssten allein 15 Milliarden Euro jährlich dem Schutz der Biodiversität gewidmet werden. Geschätzt ist dieser Betrag nötig, um die Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien sicherzustellen, wozu die EU auch rein rechtlich verpflichtet ist. Alle bisherigen Versuche der vergangenen Reformen, einen funktionierenden Umwelt- und Klimaschutz in die GAP zu integrieren, haben aus Sicht der Unterzeichner hingegen versagt.

80% der Direktzahlungen gehen zudem bisher an nur 20% der Betriebe, so dass der Großteil dieser Unterstützung an die reichsten Empfänger fließt. Anstatt öffentliche Gelder dazu zu verwenden das Einkommen dieser Personen weiter zu verbessern, sollten diese nach Ansicht der Unterzeichner an Landwirte gehen, die öffentliche Leistungen erbringen.  Gleichzeitig muss der EU-Haushalt den Wandel unseres gegenwärtigen Agrarmodells hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Nur so können der existentiellen Bedrohung der Landwirtschaft wirklich etwas entgegengesetzt und die Umwelt- und Klimaziele der EU erreicht werden, so wie es die Bürger in der vergangen öffentlichen Konsultation zur GAP bereits gefordert haben. 

Harriet Bradley ist EU Agriculture & Bioenergy Policy Officer bei  BirdLife Europe & Central Asia. André Prescher ist Referent für EU-Haushalts- und Agrarpolitik beim NABU.

Weitere Informationen

[1] Monbiot, G., 2017, ‘Insectageddon: farming is more catastrophic than climate breakdown’, Fri 20 Oct 2017, The Guardian

[2] IPBES, 2018, ‘Summary for policymakers of the regional assessment of biodiversity and ecosystem services for Europe and Central Asia’, Unedited advance version (28 March 2018), https://t.co/voartJz4OG

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