Zunehmende Dürren beeinträchtigen Frankreichs nachhaltige Landwirtschaft

Nach Angaben des französischen Versicherungsverbandes steigen die jährlichen Kosten für Dürreperioden kontinuierlich an und erreichen je nach Jahr bis zu 700-900 Millionen Euro pro Jahr.

Die intensive Dürre in diesem Jahr in Frankreich hat bereits zur Vernichtung von Brachflächen geführt. Sie hat auch zu Spannungen geführt, die für die Verhandlungen über die neue Gemeinsame Agrarpolitik der EU nicht so günstig sind. EURACTIV France berichtet.

Nach Angaben der wichtigsten französischen Landwirtschaftsgewerkschaft FNSEA haben 14.000 von 440.000 Betrieben Schadenersatzklagen eingereicht, nachdem Frankreich im Frühjahr und Sommer von extremer Hitze und fehlendem Regen heimgesucht wurde.

Diese Perioden extremer Hitze und Regen haben einen ohnehin schon fragilen Sektor vor große Probleme gestellt. Ernteausfälle führen zu Umsatzeinbußen, insbesondere bei den am stärksten betroffenen Sommerkulturen wie Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Weiden.

Winterkulturen wie Weizen, Gerste und Raps entwickeln sich in der Absatzmenge recht gut, aber die internationalen Marktpreise sind vergleichsweise niedrig.

Für betroffene Kulturen funktioniert die Entschädigung nur für Landwirte, die versichert sind, und nur wenige Landwirte können ihre Ernte vollständig versichern. Nach Angaben des französischen Versicherungsverbandes steigen die jährlichen Kosten für Dürreperioden kontinuierlich an und erreichen je nach Jahr bis zu 700-900 Millionen Euro pro Jahr.

Für 2019 schätzte die FNSEA die landwirtschaftlichen Verluste auf 80 Millionen Euro. Das Problem ist vor allem, dass diese Verluste einige Regionen des Landes betreffen werden, wie das Zentralmassiv und den Nordosten mehr als andere.

Die Rolle der Umwelt in der neuen GAP

Der Bedarf an Innovationen in der Landwirtschaft – gepaart mit effektivem Klima- und Umweltschutz – dürfte eine der größten Herausforderungen für die zukünftige EU-Politik sein.

Aufgegebene Brachfelder

Als Reaktion auf diese Situation hat das französische Landwirtschaftsministerium beschlossen, die Zahlung der GAP-Beihilfen auf Oktober vorzuziehen, die Landwirte von der Grundsteuer auf unbebaute Grundstücke zu befreien und die Zahlung der Beiträge zum primären Sozialversicherungssystem des Landes für Landwirte, der Mutualité Sociale Agricole (MSA), zu verschieben.

Angesichts von Dürren, die bekanntlich durch den Klimawandel verursacht werden, hat die französische Regierung auch die Aussetzung einer Maßnahme zur Bekämpfung des Klimawandels genehmigt. Dies ist ein ziemlich paradoxer Schachzug.

Im Rahmen der „Greening“-Maßnahmen der GAP lassen die Landwirte jedes Jahr 15 Prozent ihrer Flächen ruhen, so dass sie als Brachflächen genutzt werden können. Dies ermöglicht eine bessere Aufnahme von Wasser und CO2. Außerdem ermöglicht es den Böden, Wasser und CO2 besser zu binden, wodurch die Kohlenstoffemissionen aus dem Agrarsektor begrenzt werden.

In diesem Sommer genehmigte das Landwirtschaftsministerium jedoch 33, dann 60 der 95 französischen Departements, die Brachflächen für die als Futtermittel genutzten Flächen zu mähen.

„Was die Umwelt betrifft, so ist das zukünftige GAP-Projekt regressiv“

In einem Interview mit EURACTIV France sprach der Franzose Eric Andrieu über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und betonte das Fehlen umweltorientierter Bestimmungen.

Spannungen

Dies ist ein heikler Kontext für die Verhandlungen über die Zukunft der GAP, die fortgesetzt werden, sobald die neue Europäische Kommission nach dem 1. November ihre Arbeit wieder aufnimmt.

Da Frankreich im Bereich der Landwirtschaft eine Vorreiterrolle in der EU einnimmt, wird die Fragilität der landwirtschaftlichen Betriebe in der Debatte zwangsläufig eine große Rolle spielen, insbesondere wenn es um Umweltfragen geht.

Bereits am Ende seiner Kräfte ist der Agrarsektor nicht gewillt, neue Auflagen zu akzeptieren. Der Sektor hält die Umweltanforderungen der GAP im Vergleich zum internationalen Wettbewerb bereits für unverhältnismäßig hoch. Die Branche stellt auch fest, dass diese Anforderungen durch die Unterzeichnung von Freihandelsabkommen wie dem CETA und den EU-Mercosur-Vereinbarungen verschärft werden.

Tausende demonstrieren in Deutschland und Frankreich gegen Monsanto und Bayer

Tausende Menschen haben am Wochenende in Deutschland und Frankreich gegen den US-Saatguthersteller Monsanto und seinen Mutterkonzern Bayer demonstriert.

Der französische Landwirtschaftsminister Didier Guillaume hat sich in dieser Woche entschieden gegen die Idee ausgesprochen, die Ausbreitung von Pestiziden um Häuser herum auf einer Fläche von 150 Metern zu verhindern, wie vom Bürgermeister von Langouët in der Bretagne vorgeschlagen wurde. Ein solcher Vorschlag wurde kürzlich von Verwaltungsgerichten zurückgewiesen.

FNSEA-Präsidentin Christiane Lambert warf dem Bürgermeister vor, „Aufsehen zu erregen“.

Eine Sperrzone für die Pflanzenschutzmittel wird derzeit in Frankreich diskutiert und tritt ab 2020 in Kraft. Die Fläche sollte fünf Meter nicht überschreiten.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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