Lasche Standards für Bio-Siegel: EU-Länder bringen neue Richtlinien auf den Weg

Der Europäische Rechnungshof befasst sich mit Schadstoffen in Lebensmitteln. [Martin Abegglen/Flickr]

Wo Bio drauf steht, muss Bio drin sein – das gilt schon länger. Doch Kritiker bemängelten immer wieder zu lasche Standards bei der Umsetzung und Etikettenschwindel. Nun hat sich die EU auf die Überarbeitung des Biosiegels geeinigt.

Naturland, Demeter, BioBio – Die Liste der Biolabel allein in Deutschland ist lang. Bislang haben viele von ihnen  sehr unterschiedliche Kriterien, wobei das EU-Biosiegel den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, dessen Richtlinien alle Produkte entsprechen müssen.

Ab 2020 sollen diese Richtlinien nun verschärft werden. Darauf einigten sich nun Unterhändler der EU-Mitgliedsländer. In den vergangenen Jahren hatten Initiativen und Verbraucherschützer das EU-Biosiegel als zu lasch kritisiert. Der Vorwurf: Die Standards würden möglichst niedrig gehalten, um allen EU-Ländern den Zugang zum Ökomarkt zu ermöglichen, egal, ob die Bauern die Kriterien erfüllten oder nicht.

Einheitlichkeit bei Anbau und Import

Ziel der Neuregelung sind einheitliche Standards für Anbau und Import und ein schärferes Vorgehen gegen Etikettenschwindel. Weitere Neuerungen sollen die Vereinfachung und Vereinheitlichung von Produktionsvorgaben in allen EU-Ländern sein sowie mehr Kontrollen und der schrittweise Abbau von Ausnahmeregelungen.

Vor der Sitzung hatte sich der Grünen-Abgeordnete im EU-Parlament, Martin Häusling, optimistisch gezeigt: Er hoffe, dass man in den noch letzten strittigen Punkten tragfähige Kompromisse erreiche, „die insbesondere bei Importen und Kontrollen, aber auch bei Saatgut und Ausnahmegenehmigung den europäischen Mehrwert hervor bringen, den der Öko-Sektor wie die Verbraucher zu Recht von der Reform der Verordnung erwarten.“

Seit 2014 wird über die Neuregelung debattiert

Wichtig sei auch die Einigung über den Umgang mit Verunreinigungen durch Pestizide, hatte Häusling zuvor gefordert. Bauern müssten Vorsorge treffen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Im Falle der Verwendung unerlaubter Pflanzenschutzmittel oder Dünger, sollten die Betriebe drei Jahre lang kein Biosiegel mehr tragen dürfen.

Bei einer Pressekonferenz nach der Einigung sagte er nun, er werte die EU-weite Harmonisierung des Bio-Rechts als wesentlichen Erfolg . Wenn das Gesetz in Kraft trete, seien die neuen Regeln für alle EU-Mitgliedsstaaten verbindlich und würden Wettbewerbsverzerrungen ausräumen.

Ein erster Entwurf zur Überarbeitung existiert seit 2014, zwei Jahre nach Einführung des Siegels. Seit Oktober 2015 stritten die Unterhändler der Mitgliedsländer, der Kommission und des EU-Parlaments jedoch über Details. Doch auch jetzt hat der Streit noch kein Ende gefunden. Der Rat der Mitgliedsländer und das EU-Parlament müssen der Novellierung nun noch zustimmen. Die bisherige Kommunikation der Verhandler lasse jedoch bezweifeln, dass gegenüber den unzureichenden Entwürfen der letzten Woche bei den gestrigen Verhandlungen tatsächlich ein Fortschritt erreicht wurde, meinte etwa Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Regionalität wichtiger als Biozertifikat

Den Verbrauchern könnte diese Neuregelung allerdings gar nicht so wichtig sein. Einer kürzlich erschienenen Umfrage zufolge ist für eine Mehrzahl der Menschen in Deutschland das Biozertifikat weit weniger kaufentscheidend als etwa der Verweis auf die regionale Herkunft der Produkte. Viele Deutsche greifen also lieber zur Gurke aus konventioneller Landwirtschaft, solange sie aus dem eigenen Bundesland kommt, und lassen jene mit Ökosiegel aus Bulgarien links liegen.

Dem „Trendreport Food 2017“ des Umfrageinstitutes YouGov zufolge gaben ein Viertel (24 Prozent) der Befragten an, beim Kauf von Lebensmitteln zuerst auf das Siegel „Aus der Region“ zu achten. Elf Prozent bewerteten die Beschriftung „Ohne Gentechnik“ als besonders wichtig und nur jeder Zwölfte wählte „Bio“ (8 Prozent) als wichtigste Verpackungsbeschriftung. Danach kommen mit absteigender Relevanz Hinweise wie „Artgerecht“ und „Aus kontrolliertem Anbau“.
Für Verbraucher auch wichtig ist: Anders als das Biosiegel unterliegen Hinweise wie „Aus kontrolliertem Anbau“ oder „Artgerecht“ keinen festen Standards.

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