Zeit für eine Impfung gegen Vogelgrippe?

Die Impfung der Geflügeltiere könnte zwar die Tiere schützen, würde aber in vielen Ländern den Export von Geflügelerzeugnissen gefährden. [Julia Zavalishina/Shutterstock]

Da eine neue Welle der Vogelgrippe die Geflügelfarmen trifft, rufen französische Fachleute zur Impfung von Geflügel auf – eine Aufgabe, die eine Koordinierung auf europäischer Ebene erfordern wird, da die EU-Kommission derzeit keinen Impfstoff für Gänse und Enten zulässt. EURACTIV Frankreich berichtet.

Begriffe wie neue Welle, Lockdowns und Impfungen scheinen heute untrennbar mit der Corona-Pandemie verbunden zu sein. Es ist jedoch eine andere Gesundheitskrise, die im Schatten dieser ersten grassiert, und das bereits seit über einem Jahr: die Vogelgrippe.

Nachdem die Vogelgrippe im Winter 2020/21 die Geflügelzüchter:innen heimgesucht hatte, ist sie nun in Frankreich und Europa wieder auf dem Vormarsch.

„Wir erleben in Deutschland und Europa derzeit die stärkste Geflügelpest-Epidemie überhaupt“, warnte das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Ende Dezember, zitiert von der FAZ. Und, so das Forschungsinstitut, “ein Ende ist nicht in Sicht, die betroffenen Länder reichen von Finnland über die Färöer-Inseln bis Irland, von Russland bis Portugal“.

Auf dem europäischen Kontinent sind mittlerweile 29 Länder betroffen, mit mehr als 400 Ausbrüchen in der Viehzucht und etwa 700 Fällen bei Wildtieren.

Nachdem Frankreich im September 2021 wieder den Status eines von der Vogelgrippe freien Landes erlangt hat, gibt es laut den neuesten Zahlen des Landwirtschaftsministeriums 46 neue Ausbrüche der hoch pathogenen aviären Influenza (HPAI) in der Tierhaltung.

Angesichts dieser neuen Welle hatte der Landwirtschaftsminister Ende Dezember neue Maßnahmen zur Bekämpfung und Prävention des Virus angekündigt. Dazu gehörte insbesondere das Verbot der Einstallung von neugeborenen Küken in Zuchtgebieten mit hohem Risiko (alle Gemeinden in einem Umkreis von 20 km um einen bekannten Ausbruch).

Seit dem 5. November sind die Landwirt:innen zudem verpflichtet, ihr Freilandgeflügel „einzupferchen“. Eine Klage mehrerer französischer Züchterverbände gegen diese „Einhausung“ des Geflügels wurde am 24. Dezember vom Staatsrat abgewiesen.

Bis zum Jahresende waren in Frankreich rund 600.000 Stück Geflügel geschlachtet worden, nur einen Monat nach dem ersten neuen Ausbruch am 26. November.

Impfen oder exportieren?

Da das Virus vor allem in Südwestfrankreich, der Heimat der Foie Gras (Stopfleber), vorkommt und bereits im letzten Winter stark betroffen war, würden die Fachleute des Sektors jedoch gerne noch weiter gehen.

Der Branchenverband der Stopfleberindustrie (Cifog) hat am Donnerstag (6. Januar) dazu aufgerufen, die Impfung des Geflügels voranzutreiben, die zum Schutz der Tiere und der Geflügelwirtschaft „unerlässlich“ sei, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Das französische Landwirtschaftsministerium erinnerte jedoch daran, dass heute nur ein Impfstoff für Hühnervögel (zum Beispiel Hähne, Truthühner, Perlhühner, Wachteln oder Fasane) zugelassen ist. Für die Entenvögel ist „bislang kein geeigneter Impfstoff […] von der Europäischen Kommission zugelassen“.

Darüber hinaus weigern sich viele Länder (Saudi-Arabien, Südkorea, Großbritannien, USA usw.), Geflügel aus Ländern zu importieren, in denen gegen die Vogelgrippe geimpft wird, so die AFP unter Berufung auf einen Bericht des französischen Generalrats für Landwirtschaft vom Juli dieses Jahres. Geimpfte Tiere verlieren nämlich ihren Status als „vogelgrippefrei“ und stellen somit ein „vermeintliches Risiko“ dar, das Virus in die Länder einzuschleppen, in die sie exportiert werden.

„Nach dem derzeitigen Stand der Vereinbarungen würde jede Impfstrategie diese Märkte, die jährlich etwa 250 Millionen Euro ausmachen, gefährden“, so der Bericht.

Um dieses Hindernis zu beseitigen, „muss das Thema auf europäischer Ebene behandelt werden“ und „unbedingt Teil des Fahrplans der französischen Ratspräsidentschaft in der EU sein“, plädiert das Cifog.

Landwirtschaftsminister Julien Denormandie, der am Freitag (7. Januar) in den Department Landes erwartet wird, um sich mit den betroffenen Berufstätigen zu treffen, ließ am Dienstag (5. Januar) verlauten, dass sich „die Frage der Impfung eindeutig stellen wird“.

In der Zwischenzeit sind nun Verbote für die Verbringung von Geflügel und strenge Gesundheitsmaßnahmen vorherrschend.

Wie das Landwirtschaftsministerium erklärte, ist der Verzehr von Fleisch, Stopfleber, Eiern und anderen Geflügelprodukten für den Menschen nach wie vor unbedenklich.

Verbot des Kükentötens und neue Tiertransport-Regeln werden wirksam

Zum 1. Januar sind in Deutschland mehrere Gesetzesänderungen zu Tierschutz in Kraft getreten, die unter anderem den Ausstieg aus der Tötung männlicher Küken und strengere Regeln für inländische Tiertransporte vorsehen.

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