WorldWine Women: Eine weiblich geprägte Reise durch die Männerdomäne

In der allgemeinen Wahrnehmung sind der Weinbau und der Beruf "Winzer" nach wie vor eine Männerdomäne. [WorldWine Women]

Die WorldWine Women haben eine Mission: Das ökologische Bewusstsein von Winzern (und Winzerinnen) sowie die Rolle der Frau in einem traditionell männlichen Beruf zu entdecken. Die vier jungen Französinnen haben gerade eine mehrmonatige Reise hinter sich, auf der sie „ungewöhnliche“ Winzerinnen und Winzer besuchten. EURACTIV Frankreich berichtet.

„Wer ist hier der Chef-Winzer; wer ist dein Boss? – Das ist eine Frage, mit der viele Winzerinnen immer noch regelmäßig konfrontiert sind,“ sagt Elisabeth Auzias vom Projekt WorldWine Women.

Denn in der allgemeinen Wahrnehmung sind der Weinbau und der Beruf „Winzer“ nach wie vor eine Männerdomäne. Doch in den vergangenen Jahren kamen immer mehr Frauen hinzu, die die etablierte Ordnung aufrütteln.

Die WorldWine Women – Studentinnen in Paris und Lyon – reisten von Spanien bis in die Türkei, um diese Winzerinnen zu treffen und ihre Geschichten in einem Reisebericht zu sammeln, der soziologische Studien ebenso enthält wie Dokumentarfilme. Ihr Ziel: das ökologische Bewusstsein in der Welt des Weins zu beleuchten – und die Rolle der Winzerinnen in Europa.

Die erste Beobachtung der vier Studentinnen: Im Weinbau arbeiten zwar viele Frauen; ihnen wird jedoch traditionell nur ein zweitrangiger Platz zugewiesen. Viele von ihnen haben Positionen im Marketing, in der Kommunikation, im Handel – aber selten sind sie die „Chefinnen“.

Wer mit diesem Konservatismus bricht, ist oft Diskriminierung ausgesetzt, erzählt Elisabeth Auzias.

Klimawandel: Anpassungsstrategien im Weinbau

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Die Situation ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich: Während sich in Frankreich immer mehr Winzerinnen etablieren, soll es beispielsweise in Slowenien laut der Initiatorin von WorldWine Women ganze drei Winzerinnen geben. Zwar wachse offiziell auch in Osteuropa die Zahl der im Weinbau tätigen Frauen, „aber vor Ort ist das keine Realität“, sagt sie.

In Frankreich umfasse der Begriff „Winzer“ immer sowohl die „Arbeit im Feld als auch im Haus, also im Weinkeller“. Andernorts sei die Kombination von Weinbau und Weinbaukunde aber noch „recht selten bei Frauen“.

Derweil sehnen sich viele Menschen in der vom Klimawandel stark betroffenen Weinwelt nach Rettung: „Das Klima stört die Arbeit der Winzer massiv,“ erklärt die junge Frau. „Wir haben nicht einen einzigen getroffen, dem das egal wäre.“ Lange Dürreperioden oder sintflutartige Regenfälle: Die Winzer stehen den Auswirkungen des Klimawandels hilflos gegenüber – gerade, weil diese nicht von einem Jahr auf das nächste vorhersehbar sind.

Der Weinbau selbst ist an dieser Misere nicht unschuldig: Der Transport von Milliarden Weinflaschen rund um die Welt hat einen erheblichen CO2-Fußabdruck, der durch die Tendenz, immer schwerere Flaschen zu verwenden, noch verstärkt wird – „als ob Gewicht eine Garantie für Qualität wäre“, kritisiert Auzias.

Darüber hinaus habe der Monokulturanbau und die „ziemlich dramatische“ Menge an Pestiziden in den Weinbergen negative Effekte auf die Biodiversität.

Frauen = Veränderung?

Angesichts dieser Herausforderungen war es den WorldWine Women ein Anliegen, auch das ökologische Bewusstsein in den jeweiligen Regionen zu beleuchten. Ihre Überzeugung: Gerade die „atypischen“ Karrieren von Winzerinnen „machen sie oft zu Pionierinnen in ökologischen Genossenschaften“. Auzias betont: „Wir warten noch auf die genauen Ergebnisse unserer Studie, aber unser persönliches Gefühl ist, dass es oft die Frauen sind, die Veränderungen anstoßen.“

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Frauen den Winzerinnen-Beruf eher aus Leidenschaft denn aus familiären Verpflichtungen heraus gewählt haben, glauben die Studentinnen. Darüber hinaus wäre auch vorstellbar, dass sich Winzerinnen stärker um das Wohl ihrer (zukünftigen) Kinder sorgen.

„In Zukunft wird der Riesling ganz anders schmecken“

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Es gebe daher Grund zum Optimismus: „In den vergangenen 20 Jahren hat sich einiges verändert,“ so Auzias. Frauen, die bereits heute ein fester Bestandteil der Weinbau-Welt sind, setzen sich weiter durch. So wie zwei Winzerinnen in Italien, von deren Treffen die WorldWine Women berichten: Ihr Vater, selbst Winzer, hatte sich standhaft geweigert, den beiden Töchtern das Traktorfahren beizubringen. Daher hätten sie es sich selbst angeeignet.

Die WorldWine Women selbst waren am 1. September zu ihrer Reise aufgebrochen und hatten bei ihrer Rückkehr nach Frankreich am vergangenen Mittwoch (23. Dezember) rund 14.000 Kilometer durch 14 europäische Länder zurückgelegt.

Doch damit ist das Projekt nicht zu Ende: In den kommenden Monaten werden die Studentinnen die während ihrer Reise gesammelten wissenschaftlichen Daten als Beitrag zum LACCAVE-Projekt des INRAE bearbeiten und ihre Film-Dokumentation fertigstellen, die Mitte Mai ausgestrahlt werden soll.

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