Vier Erfolgsgeschichten Spaniens: Öl, Wein, Fleisch und Gartenbau

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Spanien verkaufte 2015 sogar mehr Schweine als Deutschland. [Heather Paul/Flickr]

This article is part of our special report Landwirtschaftlicher Handel.

Spaniens Agrarindustrie hat die Finanzkrise dank seiner Exporte umgehen können und sich seit 2008 als wahrer Wirtschaftsmotor entpuppt. Das Wachstum setzt sich fort. Euractiv-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Offiziellen Statistiken zufolge exportierte Spanien 2016 Waren im Wert von 254,53 Milliarden Euro. 17 Prozent davon waren Lebensmittel, Getränke und Tabak. Die höchsten Verkaufszahlen erzielte laut spanischem Landwirtschaftsministerium der Obst- und Gemüsesektor (insbesondere beim Handel mit Deutschland, Großbritannien, Österreich und den Niederlanden).

Fleischproduzenten fuhren gute Ergebnisse in China, Portugal, Südkorea und Italien ein. Einen besonders starken Anstieg verzeichneten die Fleischexporte nach China und Japan sowie die Fett- und Ölexporte an die USA, Italien und Portugal.

Fast 17 der 43 Milliarden Euro an verkauften Waren gingen auf den Handel mit Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten zurück. Mehr als sechs Milliarden stammen aus dem Export von Fleisch, 4,2 Milliarden kommen von Fetten und Ölen, mehr als 3,8 Milliarden vom Getränkeverkauf und 2,5 Milliarden aus dem Geschäft mit Wein. Experten sehen noch immer Steigerungsmöglichkeiten. Polen, Tschechien und Schweden „werden von Jahr zu Jahr immer wichtiger – vor allem im Bereich der Gartenbau- und Fleischerzeugnisse“, betont Javier Serra, Direktor für Ernährung und Gastronomie am spanischen Institut für Außenhandel (ICEX). „Europa ist unser Hauptkunde, China sticht allerdings beim Verkauf von Wein, Olivenöl und Fleischerzeugnissen hervor, und auch die USA sind wichtiger Käufer von Wein und Olivenöl.“

Spanien: Lebensmittelexporte steigen kontinuierlich

Die Exporte der weltoffenen Lebensmittelindustrie Spaniens boomen. Seit einem Rückschlag im Jahr 2009 ist die Exportrate der Branche um 60 Prozent gestiegen. EURACTIV-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

„Die EU setzt sich mit ihren Maßnahmen im Ernährungsbereich fortwährend für den Sektor ein, sowohl in Sachen Förderung als auch bei der Erschließung neuer interessanter Marktchancen“, so Serra. Dabei sei es wichtig, die Exporte und Märkte zu diversifizieren. Die strikten Produktions- und Qualitätsstandards der EU stellen ihm zufolge einen entscheidenden Faktor dar und „garantieren günstige Zukunftsperspektiven in einer Welt, die sich zunehmend über die Bedeutung einer gesunden Ernährung und Lebensmittelsicherheit bewusst wird.“

Wichtige Abnehmer von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten aus Spanien sind vor allem Deutschland, Großbritannien sowie in geringerem Umfang Österreich und die Niederlande. China, Portugal, Südkorea und Italien nehmen vor allem Fleischerzeugnisse ab. Serra sieht Spanien als treibenden Motor der europäischen Agrar- und Lebensmittelexporte: „China landet im Ranking der EU-Lebensmittelkäufer auf Platz zwei und bringt mehr als zehn Milliarden Euro ein.“

Pedro Barato, Vorsitzender des spanischen Branchenverbandes für Olivenöl, ist stolz auf den Erfolg seines Sektors in China im Jahr 2016. Die Absätze seien dort im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent gestiegen. In den USA habe man mit 130.000 Tonnen ebenfalls gute Ergebnisse erzielt und 41 Prozent des Marktes für sich beanspruchen können. Hier stiegen die Absätze verglichen mit 2015 um 52 Prozent. „In beiden Fällen setzt sich das Wachstum fort“, so Barato. Auch auf den Märkten in Brasilien, Österreich und Frankreich würden spanische Produkte immer beliebter. Insgesamt waren in Spanien laut Barato 63 Prozent des 2015 und 2016 produzierten Olivenöls für den Export vorgesehen (etwa 868.000 Tonnen).

Auch im Weinhandel gab es einen Exportüberschuss. Ángel Villafranca vom spanischen Branchenverband für Weinbau erklärt, seine Industrie habe etwa 40 Millionen Hektoliter produziert, von denen nur 10 Millionen im Inland konsumiert wurden. Die Herausforderung bestehe nun darin, die Wertigkeit des Weins zu steigern. „Wir füllen den internationalen Markt was das Volumen angeht bereits gut aus. Jetzt ist es jedoch an der Zeit, dies mit unseren Herkunftsbezeichnungen und geschützten geografischen Angaben aufzuwerten“, meint Villafranca. „Wenn wir unseren Job gut machen und nicht nur den Preis verteidigen, können wir den Markt für uns gewinnen“ – in den USA, in Südostasien und in den osteuropäischen Ländern.

Obst- und Gemüseexporteure halten die Diversifizierung des Markts ebenfalls für ein erstrebenswertes Ziel. 60 Prozent ihrer Erzeugnisse gehen ans Ausland. Priorität habe es, vielfältig Märkte zu erschließen, schneller Schranken beim Pflanzenschutzrecht abzubauen, Innovationen zu beschleunigen und die Instrumente des Krisenmanagements zu verbessern, unterstreicht José Mariá Pozancos, Vorsitzender des brancheneigenen Exportverbandes Fepex.

Eurostat-Zahlen für 2015 belegen, dass Europa Agrar- und Lebensmittel im Wert von 3,53 Billionen Euro in Drittstaaten exportierte. Der Binnenhandel belief sich auf 24 Milliarden Euro.

EU: Weltmacht im Agrar- und Lebensmittelhandel

Von jeden 100 Euro, die zwischen der EU und anderen Staaten gehandelt werden, gehen sieben Euro auf das Konto der Lebensmittelindustrie. EURACTIV-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Die Fleischverkäufe in der EU betrugen sich auf 35 Milliarden Euro. Die Exporte hingegen lagen bei lediglich 8,5 Milliarden. Mehr als 25 Prozent der 633.792 Tonnen an 2015 in Spanien produziertem Fleisch seien nach Portugal, Frankreich, Algerien und Hong-Kong geliefert worden, erklärt Javier López, Chef des spanischen Industrieverbandes der Rindfleisch-Produzenten. Etwa 175.000 Stück Vieh habe man verkauft, insbesondere an Libyen und den Libanon (60 Prozent aller Absätze).

In Spanien lagen die Verkaufszahlen von Schweinen laut Eurostat mit 28,4 Millionen verkauften Tieren sogar höher als in der Bundesrepublik. Dennoch bleibt Deutschland führend im Fleischsektor. Bei den verkauften Schafen liegt Spanien auf Platz zwei hinter Großbritannien, bei Ziegen an zweiter Stelle hinter Griechenland. Schweinefleisch-Produzenten zufolge ist China mit 20 Prozent der vorgemerkten Exporte Absatzkunde Nummer eins. Was den Wert des Handelsvolumens angeht, liegt Frankreich mit 795 Millionen Euro ganz vorn.

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