US-Gericht findet Schuld von Glyphosat an Krebserkrankung

Nach wie vor umstritten: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat; hier in Form des Produkts Roundup von Monsanto. [shutterstock/Pixavril]

Die Krebserkrankung von Edwin Hardeman geht auf die jahrelange Anwendung von Glyphosat zurück, hat ein amerikanisches Gericht am Dienstag (19 März) befunden. Am Morgen stürzte die Bayer-Aktie an der Börse in Frankfurt am Main um mehr als zehn Prozent ab.

Nun wird geprüft, ob der Konzern die Gefahr wissentlich verheimlicht hat.

Es ist das zweite Urteil gegen das US-Unternehmen Monsanto innerhalb eines Jahres: ein US-Bundesgerichts in San Francisco kam zu dem Schluss, dass die Krebserkrankung des Klägers durch das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup wesentlich mitverursacht worden war. Der 70-jährige Kläger hatte das Herbizid 25 Jahre lang auf seinem Grundstück verwendet und war am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Krebserkrankung des Lymphgewebes, erkrankt.

Ab Mittwoch wird sich das Gericht weiter mit der Frage befassen, inwiefern der Hersteller Monsanto von den Risiken von Glyphosat wusste und ob es dieses Wissen möglicherweise verheimlicht hat.

Die Schädlichkeit von Glyphosat ist umstritten. Weder die Weltgesundheitsorganisation, die Landschaftsorganisation der UN, die europäische Agentur für chemische Stoffe, noch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA fanden Hinweise darauf, dass der Stoff schädlich für die menschliche Gesundheit ist. Allerdings basierten die von ihnen durchgeführten Studien auf Experimenten, die von Glyphosat verkaufenden Unternehmen mitfinanziert worden waren.

Allein die Krebsagentur der UN kam zu dem Schluss, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei. Allerdings nur in extrem hohen Dosierungen und in Tierversuchen. Bei Landwirten, die das Herbizid über Jahre verwenden, wurden ebenfalls keine signifikanten Ergebnisse gemessen.

EUGh-Urteil: Studien zu Glyphosat müssen veröffentlicht werden

Der Europäische Gerichtshof hat heute (7. März) ein mit Spannung erwartetes Urteil gefällt: die bisher unter Verschluss gehaltenen Studien zu Glyphosat, aus deren Basis die EU das Pestizid 2015 zugelassen hatte, sollen veröffentlicht werden. Vor allem bei den Grünen herrscht großer Jubel.

Dennoch hält sich seit Jahren Kritik an dem Herbizid , welche durch die 2017 geleakten veröffentlichten „Monsanto Papers“ befeuert wurden. Interne E-Mails hatten aufgezeigt, dass der Glyphosat-Produzent Studien in Auftrag gegeben hatte, ohne diese entsprechend auszuweisen.

Im selben Jahr kam eine europäische Bürgerinitiative, in der sich über eine Million Bürger für ein Verbot des Herbizid aussprachen, erfolgreich zum Abschluss. Dennoch wurde Glyphosat 2017vom EU-Rat in einer knappen Abstimmung um weitere fünf Jahre verlängert. Seitdem haben 16 Mitgliedsstaaten teilweise Verbote des Herbizids erlassen. In den USA laufen derzeit mehr als 9300 Klagen von Krebskranken gegen die Bayern-Tochter Monsanto.

Das Unternehmen zeigte sich „enttäuscht“ angesichts des gestrigen Urteils. Man sei „weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen.“ Der Bayer-Konzern bemüht sich seit Längerem darum, die Debatte um Glyphosat zu entschärfen. Dazu hatte es im Jahr 2017 eine Transparenz-Website eingerichtet, die den Zugang zu den wissenschaftlichen Daten von Bayer ermöglicht.

Erst vor zwei Wochen, am 07. März, hatte der Europäische Gerichtshof ein lang erwartetes Urteil gefällt. Demnach müssen sämtliche Studien, die 2015 zur Zulassung des Stoffes durch die europäische Lebensmittelbehörde zu Rate gezogen worden waren, nun veröffentlicht werden. Dies war bislang unter geltendem EU-Recht nicht geschehen, um den Schutz der Geschäftsinteressen der betroffenen Unternehmen zu gewährleisten.

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