Umweltministerium fördert Wildnis in Deutschland

Deutschland erweitert seine Wildnisgebiete. Diese dienen auch als Rückzugsort für Tiere wie den Wolf. [Menno Schaefer/ Shutterstock]

Zwei Prozent der deutschen Landfläche sollen bis 2020 der Verwilderung freigegeben werden. Dazu hat das Umweltministerium nun einen Wildnisfonds ins Leben gerufen.

Zehn Millionen Euro des Bundeshaushalts werden in Zukunft jährlich in die Erweiterung von Wildnisgebieten fließen. Das hat das Bundesumweltministerium am Dienstag den 09. Juni verkündet. Die Gelder sollen es Ländern und Kommunen erleichtern, Flächen zum Schutz der Artenvielfalt zu kaufen und zu erhalten.

Als Wildnis zählen alle unberührten Landflächen, die nicht bebaut oder anderweitig benutzt werden, vom Menschen also unangetastet sind. Der nun im Haushalt des Umweltministeriums eingerichtete Wildnisfonds war im Koalitionsvertrag angekündigt worden. Mit ihm möchte Deutschland bis 2020 mindestens zwei Prozent der Landfläche der Verwilderung überlassen – derzeit sind liegt der Anteil nur bei 0,6 Prozent. Wildnisgebiete liegen meistens in Naturschutzregionen, in Zukunft sollen sie aber vermehrt in Bergbaufolgelandschaften, auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, an Meeresküsten, in Mooren oder im Hochgebirge angelegt werden.

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Der neue Wildnisfonds wurde vom Umweltschutz-Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) begrüßt: „Gerade in Zeiten des Klimawandels sind ungestörte, natürliche Entwicklungsprozesse in unseren Ökosystemen von besonders großer Bedeutung“, so DNR-Vizepräsident Leif Miller. Um die Artenvielfalt zu schützen, sprechen sich die Grünen seit Jahren für einen solchen Fonds aus, sie fordern allerdings ein Budget von 500 Millionen Euro.

Hintergrund für die Einführung des Wildnisfonds ist die Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Das 2007 von der Bundesregierung gestartete Programm zielt darauf ab, die UN-Übereinkommen zur biologischen Vielfalt zu erfüllen, denen Deutschland sich verpflichtet hat. Neben der Schaffung von Wildnisflächen sieht die Strategie eine Erhöhung der Naturwälder vor – also jene Wälder, die nicht der Kontrolle von Förstern unterliegt. Bis 2020 sollen sie fünf Prozent der deutschen Fläche ausmachen. Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz kam vergangenes Jahr zu dem Schluss, dass deren Anteil derzeit allerdings nur drei Prozent beträgt. Für die Naturschutzorganisation BUND ist das ein „Armutszeugnis“, der Verein fordert stattdessen ein eigenes Programm zur Förderung von Naturwäldern.

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Rückzugsort für den Wolf

Die Schaffung von Wildnisflächen sind auch mit Blick auf seltene oder zu schützende Tierarten wie den Wolf relevant. Die Wiederansiedelung von Wolfsrudeln in Deutschland begann in den 1990er Jahren, nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz lebten vergangenes Jahr wieder 73 Wolfsrudel und eine unbekannte Zahl an Einzeltieren in der Bundesrepublik. Mit ihrer zunehmenden Zahl häufen sich allerdings auch die Fälle von Übergriffen auf Zuchttiere wie Schafe. Landwirte und Schäfer fordern daher ein Abschussrecht des bislang geschützten Tieres. Der Schutz von Weidetieren müsse des Naturschutzes werden und darf nicht dem Wolfsschutz untergeordnet sein, so der Deutsche Bauernverband.

Im Mai vereinbarten daher Bundesumweltministerin Schulze (SPD) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) nach langen Debatten einen Gesetzentwurf zum erleichterten Abschuss von Wölfen. „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen“, so Schulze.

Der Deutsche Jagdverband spricht sich für abgegrenzte Wolfsschutzgebiete aus, diese könnten in den neu geschaffenen Wildnisgebieten angesiedelt werden.

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