Über 1.000 Tonnen illegale Pestizide in der EU beschlagnahmt

Martin Dermine vom PAN kritisierte, der Einsatz von illegalen Pestiziden sei in vielen europäischen Ländern nach wie vor "gängige Praxis". [SHUTTERSTOCK]

Die EU-Strafverfolgungsbehörde Europol hat nach eigenen Angaben zwischen Januar und April 2021 insgesamt 1.203 Tonnen illegale Pestizide aus dem Verkehr gezogen. Offenbar gibt es vor allem einen Anstieg der Online-Verkäufe von verbotenen Substanzen.

Europol hatte zwischen dem 13. Januar und dem 25. April die sechste Auflage der Operation Silver Axe durchgeführt. Mit der Aktion nimmt die europäische Polizeibehörde den Handel mit gefälschten und in der EU illegalen Pestiziden ins Visier.

Die Operation führte zu zwölf Verhaftungen, 763 gemeldeten Verstößen und 268 Beschlagnahmungen mit insgesamt 1.203 Tonnen illegaler Pestizide, teilte die Agentur am vergangenen Donnerstag (17. Juni) in einer Presseerklärung mit.

Unter den beschlagnahmten illegalen Substanzen waren 100 Tonnen gefälschte Pestizide, die bei Verkäufern, Herstellern und Logistikunternehmen sichergestellt wurden, sowie 82 Tonnen Pestizide, die im Verdacht stehen, gefälscht zu sein. Diese werden derzeit genauer geprüft.

Verbotene Pestizide: Linke und Grüne fordern Exportverbot

Pflanzenschutzmittel, die von europäischen Firmen produziert werden, aber deren Anwendung in der EU verboten ist, dürfen dennoch ins nicht-europäische Ausland exportiert werden. Linke und Grüne fordern die Bundesregierung auf, dies künftig zu verhindern, da es gegen die Menschenrechte verstoße.

An der gemeinsamen Aktion waren Strafverfolgungsbehörden aus 35 Ländern beteiligt, darunter alle 27 EU-Mitgliedsländer sowie acht Drittstaaten. Unterstützt wurde sie vom Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO), zusammen mit dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), der Generaldirektion SANTE der Europäischen Kommission und dem führenden EU-Pflanzenschutzverband CropLife Europe.

Die Verstöße im Handel mit illegalen Pestiziden reichen vom Handel mit gefälschten oder falsch etikettierten Produkten bis hin zum illegalen Import von verbotenen Substanzen, wie beispielsweise Chlorpyrifos – einem Pestizid, das mit Hirnschäden in Verbindung gebracht wird.

Asien bleibt dabei die bedeutendste Herkunftsregion für illegale Pestizide, so Europol. Man beobachte insbesondere einen Anstieg bei den Online-Verkäufen.

„Beeindruckende“ Razzia und gute Zusammenarbeit

Die Exekutivdirektorin von Europol, Catherine De Bolle, sagte, dass die „beeindruckende“ Beschlagnahmung von mehr als 1.000 Tonnen illegaler Pestizide eindeutig den Wert der Zusammenarbeit verschiedener Organisationen demonstriere.

Der Leiter von EUIPO, Christian Archambeau, fügte in ähnlicher Weise hinzu, die Razzien verdeutlichten, wie nationale und EU-Vollzugsbehörden und -agenturen zusammenarbeiten können, um „gefälschte, unregulierte und oft gefährliche Produkte“ vom Markt zu nehmen.

Ville Itälä, Leiter der Agentur OLAF, erklärte, sein Amt sei „stolz darauf, seinen Teil zum laufenden Kampf gegen illegale Pestizide beigetragen zu haben.“

Hohe Preise und wenig Unterstützung: Kaum Bio-Pestizide in Polen

Die EU will darauf hinarbeiten, den „Einsatz und die Risiken“ von Pestiziden bis 2030 zu halbieren. In Polen sind Alternativen zu chemischen Stoffen derzeit jedoch teuer und dementsprechend wenig attraktiv.

Martin Dermine, Referent für Gesundheits- und Umweltpolitik beim Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) Europa, wies jedoch darauf hin, dass der Einsatz von illegalen Pestiziden in vielen europäischen Ländern nach wie vor „gängige Praxis“ sei.

„Die Analyse von Pestizidrückständen in Lebensmitteln und Wasserströmen bestätigt dies regelmäßig. Die Kontrollen des Pestizideinsatzes sind in den meisten Mitgliedsstaaten sehr begrenzt, und selbst wenn ein Pestizid verboten ist, wird es weiterhin eingesetzt,“ kritisierte Dermine.

Er fordert daher: „Die Europäische Kommission sollte damit beginnen, Unterstützungsgelder im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik an die Einführung von pestizidfreien, agrarökologischen Praktiken zu koppeln – anstatt weiterhin ein hochgradig umweltbelastendes industrielles Landwirtschaftsmodell mit all seinen Fehlentwicklungen zu unterstützen.“

[Hinweis: Dies ist eine gekürzte Übersetzung. Den Originalartikel (auf Englisch) in voller Länge finden Sie hier. Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]

Pestizide: Was in der EU verboten ist, wird in Bulgarien noch versprüht

In ihrer jüngsten Recherche, die am Dienstag (21. Juli) ausgestrahlt wurde, enthüllt die bulgarische EURACTIV-Journalistin Valia Ahchiewa den anhaltenden Gebrauch von in der EU verbotenen Pestiziden und die grobe Vernachlässigung der menschlichen Gesundheit durch die Behörden.

EuGH gibt Kommission bei Verbot von Pestiziden Recht

Die Europäische Kommission habe rechtmäßig gehandelt, als sie den Einsatz von drei Pestiziden einschränkte, die mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht werden, so der Europäische Gerichtshof.

"Farm-to-Fork"-Strategie: EU will Pestizideinsatz und -risiko halbieren

Die lang erwartete „Farm to Fork“-Strategie der EU, die am Mittwoch, dem 20. Mai, veröffentlicht wurde, enthüllte ein mit Spannung erwartetes 50 Prozent Ziel für die Reduzierung des Pestizideinsatzes und des Pestizidrisikos.

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Der Inhalt dieses Berichts oder dieser Veröffentlichung gibt ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wieder, der/die allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

From Twitter

Subscribe to our newsletters

Subscribe