Trotz COVID-19: EU Agrarunternehmen wollen weiter expandieren

Trotz der befürchteten Folgen der Corona-Pandemie: 90 Prozent der europäischen Unternehmen wollen weiter in afrikanische und asiatische Märkte investieren. [dubes sonego/ Shutterstock]

Produktionsrückgänge, stornierte Aufträge, geschlossene Grenzen – die Lebensmittelbranche ist durch die Corona-Pandemie vor große logistische Probleme gestellt worden. Trotzdem planen viele Unternehmen, international zu expandieren, zeigt eine am Dienstag, den 11. August, veröffentlichten Studie. Tatsächlich sei Regionalität nicht immer die beste Wahl, meinen Experten.

Europäische Agrar- und Lebensmittelunternehmen sehen ihr Geschäft trotz der Corona-Pandemie nicht gefährdet. 90 Prozent der Unternehmen planen sogar, ihre Marktpräsenz in den nächsten ein bis drei Jahren auszubauen oder zumindest aufrechterhalten. Das ist das Ergebnis der neuesten Studie des deutschen Büros für Investitionsförderung und Technologietransfer (ITPO) unter dem UN-Programm für industrielle Entwicklung. Durchgeführt vom Deutschen Institut für Markt- und Politikforschung wurden 800 KMUs und große Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in Afrika und Asien zu ihren Strategien im Rahmen der Corona-Pandemie befragt.

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Nur jeder Fünfte will sich aufs Inland konzentrieren

Das Ergebnis der Studie zeichnet ein sehr gemischtes Bild der Lebensmittelbranche: Immerhin verzeichnen 40 Prozent der befragten Firmen Produktionsrückgänge und Auftragsstornierungen auf dem europäischen Markt und befürchten, das zeitverzögert auch im Ausland zu erleben. Zehn Prozent der Firmen erwägt daher Entlassungen oder die Schließung von Unternehmensbereichen.

Nach ihrer Langzeit-Strategie befragt, gaben trotzdem zwei Drittel der Firmen an, sich in punkto Produkte, Lieferanten und Kunden breiter aufstellen zu wollen, um für zukünftige Krisen besser gerüstet zu sein, ein weiteres Drittel plant, seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten auszuweiten. Als kurzfristige Maßnahme sagten 57 Prozent aller Unternehmen, sie würden sich derzeit stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen. Trotz der zwischenzeitlich stark gestörten Lieferketten scheint die Lebensmittelbranche aber weiterhin auf Internationalisierung zu setzen, denn nur jedes Fünfte Unternehmen hält einen Fokus auf das Inlandsgeschäft längerfristig für sinnvoll. „Der Erhalt offener Märkte ist entscheidend, um die globale Nahrungsmittelversorgung zu sichern und um soziale und wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten“, sagte ITPO-Direktor Rolf Steltemeier der Deutschen Presse-Agentur.

Weltweit macht die Nahrungsmittel- und Agrarbranche rund zehn Prozent des globalen BIP aus und beschäftigt schätzungsweise 1,5 Milliarden Menschen. Um die Lebensmittelproduktion in Asien und Afrika zu stärken, sind zwei Drittel der befragten Firmen der Meinung, dass Investitionen durch lokale Unternehmen am meisten helfen. Zweitwichtigste Maßnahme seien gezielte staatliche Förderprogramme gefolgt von der Liberalisierung der Märkte.

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Politik fordert Stabilität von Lieferketten

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die EU-Kommission eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um landwirtschaftlichen Betrieben zu helfen. Dazu gehörten Darlehen oder Garantien für Betriebskosten aus dem Fonds für regionale Entwicklung, außerdem durften Mitgliedsstaaten zusätzlich 100.000 Euro für Landwirte und 800.000 Euro für Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung direkt zur Verfügung stellen. Zusätzlich wurden Fristverlängerungen bei GAP-Anträgen und berichten sowie Beihilfen für die Lagerhaltung von Milcherzeugnissen eingeführt.

Die Corona-Pandemie habe den Ruf nach einem strukturellen Wandel in der Lebensmittelindustrie lauter werden lassen, sagen Frank Ewert und Annette Piorr vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in einem Interview des Instituts. „Bei einer zweiten Welle ist sicher davon auszugehen, dass sich insbesondere der Fokus der Politik kurzfristig auf die Stabilität von Lieferketten richten wird, also auf die Versorgungssicherheit“, so Ewert.

Ein zu starker Fokus auf regionale Produktion sei allerdings nicht immer die beste Lösung: „Denken Sie nur an die Dürre 2018 und 2019, in der ein ausschließlich regionaler Markt zu enormen Problemen in der Nahrungsmittelversorgung geführt hätte.“ Zwar könnte die regionale Erzeugung von Lebensmitteln Transportkosten und Ressourcen einsparen, doch nicht alles ließe sich in Europa ressourcenschonender produzieren. Erfahrungen auch aus internationalen Projekten zeigten, dass es mittelfristig auf eine gute Balance zwischen regionaler und globaler Wertschöpfung ankommen wird, ergänzt Annette Piorr. „Das bedeutet konkret, dass regionale Systeme so ausgebaut werden, dass sie ihre Vorteile gegenüber dem globalen Gesamtsystem nutzen können, zum Beispiel darüber, dass sie anpassungsfähiger sind an die Bedingungen vor Ort.“

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