Test für gen-editierte Pflanzen entwickelt – Saatgutsektor nicht überzeugt

Der Europäische Gerichtshof entschied vor zwei Jahren, dass gentechnisch veränderte Organismen grundsätzlich unter die GVO-Richtlinie der EU fallen. [SHUTTERSTOCK]

Laut einer neuen wissenschaftlichen Arbeit ist die erste Open-Source-Nachweismethode für eine gentechnisch veränderte Nutzpflanze entwickelt worden. Umwelt-NGOs und Kampagnengruppen sagten, dass dies der EU hypothetisch erlauben könnte, Kontrollen durchzuführen, um unautorisierte Importe zu verhindern. Der EU-Saatgutsektor sieht das anders.

Das neue Papier, das am Montag in der Fachzeitschrift Foods veröffentlicht wurde, bietet eine Methode zum Nachweis von „SU Canola“, einer herbizidtoleranten Rapssorte, die von der amerikanischen Gentechnikfirma Cibus entwickelt wurde.

Der Europäische Gerichtshof entschied vor zwei Jahren, dass gentechnisch veränderte Organismen grundsätzlich unter die GVO-Richtlinie der EU fallen. Auf diese Entscheidung folgte jedoch eine heftige Debatte darüber, ob diese Kulturpflanzen überhaupt von natürlich entstandenen Kulturpflanzen unterschieden werden können – und ob die Richtlinie daher aufrechterhalten werden kann.

Da es tatsächlich keine Möglichkeit gibt, genveränderte von konventionell selektierten Sorten zu identifizieren, waren die EU-Länder bisher nicht in der Lage, ihre Importe auf das Vorhandensein genveränderter Pflanzen zu testen – obwohl strengere Überwachungsverfahren gefordert werden.

Französischer Gerichtshof: Mutagenese-Techniken müssen der GVO-Regulierung unterliegen

Die französische Regierung wurde angewiesen, ihre Politik in Bezug auf Pflanzen, die mit Hilfe einer neuen Pflanzenzüchtungstechnik (NPBT), der sogenannten Mutagenese, entwickelt wurden, anzupassen.

Auf die Frage nach den Auswirkungen, die diese neue Entwicklung für die Zukunft der Gentechnik in der EU haben könnte, erklärte ein Kommissionssprecher gegenüber EURACTIV.com, dass man sich „dieser Veröffentlichung bewusst“ sei, aber derzeit „die Details der Studie noch überprüft und analysiert“.

Die Befürworter gehen davon aus, diese Forschung zeige, dass Nachweise mit der vorgeschlagenen Methode tatsächlich möglich und auch auf andere Nutzpflanzensorten anwendbar sei.

Dr. John Fagan vom Health Research Institute im US-amerikanischen Iowa sagte ebenfalls, die entwickelte Methode habe „die wahrscheinlich anspruchsvollste Klasse von Gen-Edits aufgespürt – eine Modifikation von nur einem Buchstaben im genetischen Bauplan! Da die wissenschaftliche Gemeinschaft seit zwei Jahrzehnten ähnliche Ansätze zum Nachweis komplexerer GVO anwendet, ist es wahrscheinlich, dass dieser Ansatz zur Entwicklung von Nachweismethoden für die meisten, wenn nicht sogar für alle geneditierten Nutzpflanzen genutzt werden kann.“

Er fügte hinzu, dass dabei auch Verfahren und Geräte verwendet werden, „die denen ähnlich sind, mit denen regulatorische und kommerzielle Labors bereits vertraut sind“.

Frank Narendja, Leiter des GVO-analytischen Labors der Abteilung Landnutzung und Biosicherheit bei der österreichischen Umweltbehörde, sagte, die Behörde habe die Methode getestet und festgestellt, dass sie „alle analytischen Anforderungen an eine zuverlässige GVO-Nachweismethode erfüllt“. Daher denke auch er: „Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu wirksamen Kontrollen.“

Genom-Editierung: Corteva unterzeichnet ersten großen Vertrag mit europäischer Firma

Trotz der anhaltenden Rechtsunsicherheit in Europa hat das US-Agrarunternehmen Corteva Agriscience im vergangenen Dezember mit dem französischen Saatguthersteller Vilmorin & Cie. seinen ersten großen Vertrag über Genombearbeitungstools unterzeichnet.

Heike Moldenhauer, EU-Politikberaterin beim deutschen Verband Lebensmittel ohne Gentechnik, begrüßte die neue Nachweismethode als „Meilenstein im EU-Verbraucher- und Unternehmensschutz“.

„Die Behörden können nun damit beginnen, nicht zugelassene gentechnisch veränderte Nutzpflanzen zu identifizieren. Dies hilft Imkern, Landwirten, Züchtern, Futter- und Lebensmittelverarbeitern und Einzelhändlern, diese neuen GVO aus ihren Lieferketten herauszuhalten und die Nachfrage der Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln zu befriedigen,“ betonte sie.

Die Direktorin für Lebensmittelpolitik bei Greenpeace, Franziska Achterberg, fügte hinzu, die Studie zeige, dass „gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die mit Hilfe von Gen-Editing erzeugt wurden, nachgewiesen werden können“, und betonte, dass es somit „keine Entschuldigungen mehr dafür gibt, bestehende GVO-Sicherheits- und Kennzeichnungsanforderungen nicht auf diese neuen GVOs anzuwenden“.

Sie forderte: „Die Europäische Kommission und die Regierungen müssen auf diesem Erfolg aufbauen und Screening-Verfahren entwickeln, die gentechnisch veränderte Produkte identifizieren können.“

'Die Genom-Bearbeitung wird ganz oben auf der nächsten Tagesordnung des Parlaments stehen'

Der genetische mehr als der chemische Schutz von Pflanzen wird in der Landwirtschaft der Zukunft immer wichtiger werden. Dies verdeutlicht allerdings auch die Notwendigkeit, die rechtliche Fallstricke zu lösen, sagte der EU-Abgeordnete Paolo De Castro gegenüber EURACTIV.

Die Saatgut-Lobbyorganisation Euroseeds erklärte hingegen gegenüber EURATIV.com, die Studie zeige „nichts Neues“ und betonte, es habe nie einen wissenschaftlichen Zweifel daran gegeben, dass diese genetischen Veränderungen nachgewiesen werden können. Fraglich sei vielmehr, ob der Nachweis in der Lage ist, zu beweisen, ob die Veränderung natürlich entstanden ist oder eine Folge von Genbearbeitung.

„Daher ist es immer noch nicht möglich zu bestimmen, wie die Punktmutation erzeugt wurde, und folglich auch nicht, ob die daraus resultierende Pflanze in der Europäischen Union als zu regulierender GVO gilt,“ meint Petra Jorasch, Leiterin für Innovationen in der Pflanzenzüchtung bei Euroseeds. Sie fügte hinzu, die Studie biete keine Lösung für die Differenzierung von genomeditierten Mutagenese-Produkten „im Hinblick auf ihren regulatorischen Status weltweit“.

„Das bedeutet, dass, wenn entsprechende Produkte in diesen Ländern auf den Markt gebracht werden, weder eine validierte Nachweismethode noch Informationen über die genetische Veränderung zur Verfügung stehen könnten“, sagte Jorasch und betonte erneut die Position von Euroseeds, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nicht als klassische genetisch veränderte Organismen reguliert werden sollten.

Euroseeds behauptet abschließend, dass CIBUS, der in der Studie untersuchte Entwickler der fraglichen Rapssorte, gegenüber Euroseeds bestätigt habe, dass die Sorten tatsächlich aus „spontaner somaklonaler Variation“, d.h. einem natürlichen Vorkommen stammten und nicht genetisch verändert worden seien.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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