Technologie in der Landwirtschaft: Alles für die Ziege

Der Roboter gibt die richtige Menge an Futterzusätzen für jede Stallung aus, je nach den Bedürfnissen der Ziegen. Das bedeutet, dass der Züchter die Mischungen nicht mehr von Hand zubereiten und schwere Eimer tragen muss, da der Roboter sich um die Mischungen und die Verteilung kümmert. [NHG]

This article is part of our special report Wie revolutioniert die Technologie den Agrarsektor?.

Im französischen Departement Loir-et-Cher hat sich ein Ziegenzüchter für die „maximale Automatisierung“ entschieden und dabei einen direkten und energiesparenden Ansatz verfolgt. Ein Schritt, der ihm mehr Zeit gibt, sich besser um die Tiere zu kümmern, versichert der Züchter. EURACTIV Frankreich berichtet.

Der Einsatz von Robotern und Software kann auch zum Tierschutz beitragen. Dies ist die Überzeugung von Pascal Huger, einem Ziegenzüchter aus Thenay in der Region Loir-et-Cher.

Huger besitzt eine Herde aus rund 400 Ziegen der Rasse Saanen und verkauft deren Milch an Käser, die unweit seines Wohnortes Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) herstellen.

Für ihn selber geht es beim Tech-Einsatz vor allem darum, Zeit zu sparen, um sich so gut wie möglich um seine Tiere zu kümmern, sagt er: „Roboter mögen unmenschlich erscheinen, aber sie geben mir tatsächlich mehr Zeit für meine Ziegen. Die Tiere sind sehr neugierig und manchmal sogar frech – aber was sie wirklich mögen, ist, dass man sich gut um sie kümmert.“

Tierisch schlechte Noten

Eine Studie hat untersucht, wie nachhaltig die weltgrößten Mast betriebe und Molkereien arbeiten. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Um eine optimale Milchproduktion zu gewährleisten, die den strengen Vorgaben für geschützte Käseprodukte gerecht wird, ist die Qualität des Ziegenfutters das Hauptanliegen des Landwirts: „Eine gute Ernährung bedeutet gute Milch und damit einen guten Käse.“

Im Jahr 2002 kaufte er als ehemaliger Landarbeiter den Hof von seinem damaligen Chef und beschäftigt nun einen eigenen Mitarbeiter. Somit hüten nur zwei Personen die große Herde. Allerdings gilt die Saanenrasse nicht nur als nützlich für den Milchviehbetrieb, sondern auch als eher ruhig.

Obendrein werden die mühsamsten Aufgaben ohnehin Maschinen überlassen.

Ballen aus Heu, Grünfutter und Gras werden vom Landwirt entlang der Scheunentore verteilt, die so konstruiert sind, dass die Ziegen sich nicht verletzen können. Zusatz- oder Kraftfutter wird jedoch von einem Computer verwaltet und von einem Verteilungsroboter ausgegeben, wodurch die Verteilung „personalisiert“ werden kann. Während die Ziegen in getrennte Boxen aufgeteilt werden – je nachdem, ob sie trächtig sind oder aktuell säugen – werden auch die Böcke getrennt gehalten.

Der Roboter verteilt demnach die passende Menge an Ergänzungsmitteln für jede Box; je nach den speziellen Bedürfnissen der Ziegen. So muss der Züchter die Mischungen nicht mehr von Hand zubereiten und schwere Eimer tragen. All dies übernimmt die Maschine.

Kontrolle auf allen Stufen

Auch das Melken ist vollautomatisiert. Jede Ziege ist mit einem elektronischen Identifikationshalsband ausgestattet. Wenn das Tier ihren Platz auf dem Melkkarussell einnimt, wird sie sofort identifiziert. Sobald die Aufsätze an ihren Eutern angebracht sind, wird die Milch direkt in den Lagertank geleitet. Nebenbei werden auch die Milchkontrollen automatisch durchgeführt.

Dadurch werden regelmäßige manuelle Probenahmen vermieden, die die Tiere stören würden, und somit auch eine bessere Milch-Ausbeute ermöglicht. Sensoren in jedem „Pulsometer“ steuern den Milchfluss und ermöglichen die automatische Entnahme der Zitzengummis, wenn sich der Fluss verlangsamt.

Ob die Produktion jedes einzelnen Tieres oder der automatische Futterspender, der die Ration an jede Ziege entsprechend ihrer Produktion anpasst: Alle Informationen sind über einen Touchscreen zugänglich, der die kleinste Anomalie während des Melkens signalisiert, so dass der Landwirt schnell eingreifen kann.

Umfrage unter Millenials: Roboter werden mehr Jobs schaffen, als zerstören

Junge Menschen sind weiterhin optimistisch, was den zukünftigen Einfluss von Robotern und künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt angeht.

Die von der Software gesammelten Daten ermöglichen eine sorgfältige Überwachung der Herde, da jede Ziege mit ihrer Laktationsnummer, der Charge, in der sie sich befindet, sowie ihrer Trächtigkeits- und Produktionsgeschichte aufgeführt ist. Die Daten enthalten auch Informationen über die Milchqualität, die bisherige veterinäre Geschichte bis hin zu Erklärungen und Verwaltungsverfahren bei der Geburt oder dem Abgang eines Tieres zum Schlachthof.

Diese Informationen ermöglichen es dem Landwirt, den besten Zeitpunkt für die Ruhezeit einer Ziege während ihrer „Trockenperiode“ (etwa zwei Monate) zu bestimmen, bevor sie wieder trächtig wird. Danach geht es für das Muttertier zurück an die Produktion; die Roboter füttern derweil auch die Jungen, natürlich entsprechend der in der Software ständig aktualisierten Daten.

Nächster Halt: Energieeffizienz

Eine weitere Besonderheit beim Betrieb von Pascal Huger ist derweil, dass er seine Milch täglich an einen Bauernhofkäsehersteller im Nachbardorf liefert. Um die Milch nicht allzu stark kühlen zu müssen, versetzt er sie abends nach dem Melken bereits mit Säurebakterien, damit die Fermentation schon starten kann.

Die Milch wird dann nur auf eine Temperatur auf 12 Grad gekühlt – statt der aus gesundheitlichen Gründen erforderlichen vier Grad bei der Weiterverarbeitung als Getränk. Darüber hinaus ist der Milchtank mit einem Wärmerückgewinner ausgestattet: Die für die Kühlung der Milch aufgewendete Energie wird wiederum für die Erwärmung von Warmwasser sowie für die Isolierung der Gebäude genutzt, die zusammen mit der Belüftung die Ziegen im Sommer im Inneren des Stalls angenehm gekühlt halten soll.

Zum Abschluss betont er noch einmal: Priorität haben immer die Herde und ihr Wohlbefinden.

Greenpeace: Weniger Milch und Fleisch für das Klima

Die Welt muss die Produktion und den Verbrauch von Fleisch bis 2050 halbieren, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, heißt es in einem neuen Greenpeace-Bericht.

German Angst vor klugen Robotern

Die Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Sie bietet Chancen und Risiken. Unter den Deutschen dominiert einer aktuellen Umfrage zufolge die Skepsis.

Tierschutz? In der neuen GAP keine "Priorität"

Mit der geplanten Budgetkürzung und den neuen Prioritäten dürfte der Tierschutz in der kommenden GAP nach 2020 weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN