Studie zeigt erstmals Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Nitratbelastung

Etwa die Hälfte der Stickstoffüberschüsse im Boden stammen aus der Landwirtschaft - vor allem dort, wo viele Schweine gehalten werden. [SGr/ Shutterstock]

Deutschland muss dringend seine Nitratwerte im Grundwasser senken und hat seine Düngeverordnung stark verschärft. Nun zeigt eine Studie erstmals, dass alle Argumente nichts nützen: Schuld am schlechten Grundwasser ist vor allem die Tiermast.

Nicht nur die Landwirte sind Schuld an den hohen Nitratwerten im deutschen Grundwasser. Trotzdem hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nun erstmals einen klaren Zusammenhang zwischen der Grundwasserbelastung und der landwirtschaftlichen Nutzung der betroffenen Gebiete belegt. Die am gestrigen Mittwoch (26. Februar) veröffentlichte Studie zeigt anhand der aktuellsten Daten von 2012 bis 2016 einen systematischen Zusammenhang zwischen Bodennutzung und Nitratbelastung auf: Während der Nitratgehalt in Wald- und Grünlandflächen meist deutlich geringer ist, weisen Messstellen in landwirtschaftlichem Gebiet deutlich höhere Werte auf. Dort liegt der Durchschnitt bei etwa 28 Prozent im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt von nur 18 Prozent.

In landwirtschaftlichen Regionen fanden die Forscher nicht nur häufiger, sondern dann auch deutlich stärkere Belastungswerte, welche den erlaubten Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter um das bis zu siebenfache überschreiten.

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Dass rund ein Drittel der Wasser-Messstellen in landwirtschaftlichen Gebieten über dem Grenzwert liegen, ist nicht neu. Im Gegenteil: Seit Monaten erhitzt sich die Debatte darum, dass Deutschland nur Messwerte aus der Landwirtschaft in den Nitratbericht einbezieht, der alle vier Jahre nach Brüssel entsandt werden soll. Andere Mitgliedsstaaten übermitteln durchaus auch niedrigere Nitratwerte aus ihren Wald- und Grünlandgebieten, halten sich allerdings damit auch nicht an die Vorgaben zur Berichterstattung. Neu an den Ergebnissen das DIW ist, dass es damit erstmals eine systematische Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Bodennutzung und der Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland gibt.

Das Schwein ist Schuld

Tatsächlich ist die Landwirtschaft nicht alleine verantwortlich für das deutsche Nitratproblem. Etwa 50 Prozent der Stickstoffverbindungen im Boden gehen darauf zurück, der Rest stammt zu etwa gleichen Teilen aus Industrie, Verkehr und private Haushalten. Außerdem können auch standörtliche Gegebenheiten wie die Wasserfließgeschwindigkeit oder die Bodenbeschaffenheit dazu führen, dass Nitrat an einigen Stellen konzentriert wird. Dass Nitrat, wie von Einigen behauptet, auch aus den Abwasserleitungen von Siedlungen ins Grundwasser laufen könnte, hat nur einen sehr geringen Einfluss, erklärt Falk Hilliges, Experte für Grundwasserschutz beim Umweltbundesamt: „Das spielt aus unserer Sicht in der Gesamtbetrachtung nur eine marginale Rolle.“

Damit bleibt die Landwirtschaft der größte Verursacher des Nitratüberschusses. Das zeigt auch die Studie des DIW: Die Konzentration von Nitrat ist besonders in jenen Bundesländern mit Schweinemast besonders hoch. Verursacht wird sie durch den Dung der Tiere, der auf die Felder ausgebracht und im Boden durch biochemische Prozesse in Nitrat umgewandelt wird, das sich wiederum in Grund- und Oberflächenwasser anreichert. Nach Erkenntnissen der Forscher geht deshalb auch eine höhere Dichte des Schweinebestandes mit einer erhöhten Nitratbelastung einher. Für Rinder und Schafe konnte dagegen keine solche Korrelation gefunden werden. Andere Studien hatten bislang nicht den Faktor der Tierdichte untersucht.

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Da sich das Grundwasser nur sehr langsam erneuert, gehen die gemessenen Nitratwerte auf eine teils Jahre zurückliegende Düngepraxis zurück. Aber obwohl Deutschland seine Düngeverordnung in den vergangenen Jahren deutlich verschärft und 2017 erstmals eine Düngebedarfsermittlung und eine Stoffstrombilanz eingeführt hat, stagnieren die Werte seit Jahren. Um ein laufendes Strafverletzungsverfahren der EU-Kommission mit möglichen Strafzahlungen abzuwenden, hatten das Landwirtschafts- und das Umweltministerium in den vergangenen Monaten fieberhaft an einer Novellierung der Düngeverordnung gearbeitet und diese Mitte Februar bei der Kommission eingereicht. Stimmt der Bundesrat dem Entwurf am 03. April zu, könnte die neue, deutlich strengere Verordnung noch diesen Sommer in Kraft treten. Erst dann werde die Kommission entscheiden, ob sie das Vertragsverletzungsverfahren einstellt oder nicht, bestätigte eine Sprecherin der Zeitung agrarheute.

Auch andere Mitgliedsstaaten haben in den vergangenen Jahren ihren  Nitratüberschuss erfolgreich abbauen können. So hat Dänemark dank strengerer Regeln und der Einführung eines Düngeregisters seinen Stickstoffüberschuss zwischen 1980 und 2007 um 37 Prozent gesenkt. Auch in den Niederlanden sank die Nachfrage nach Stickstoffdünger zwischen 1990 und 2012 um etwa die Hälfte, als eine Obergrenze zur Düngung eingeführt worden war. In jedem Fall gehe der Abbau des Nitrats aber nicht von heute auf morgen, sagt Studienautorin Greta Sundermann vom DIW: „Es gibt hierbei keine schnellen Lösungen. Andere Länder haben dafür auch 20 bis 30 Jahre gebraucht.“

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