Geht es nach der EU, soll die Landwirtschaft umwelt- und ressourcenschonender werden. Bis 2030 sollen deshalb 25 Prozent des Landbaus ökologisch werden. Laut der Europäischen Umweltagentur (EUA) wird die EU dieses Ziel allerdings verfehlen, wenn man bei der Umsetzung nicht schleunigst einen Zahn zulegt.
Der am Montag (18. Dezember) veröffentlichte Bericht der EUA zeigt, dass die Europäische Union die meisten der von der Europäischen Kommission für 2023 festgelegten Umweltziele nicht erreichen wird. Auch die Ziele für den ökologischen Landbau bleiben auf der Strecke.
„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Ziel für 2030 erreicht wird, da der bisherige Stand noch weit vom Ziel entfernt ist“, so der Bericht. Weiter heißt es, dass der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in der EU zwar zunehmen dürfte, aber „nicht ausreichend“ sei.
Das Ziel, mindestens 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU ökologisch zu bewirtschaften, ist eines der Schlüsselelemente der Farm-to-Fork-Strategie (F2F) der EU.
Um das Ziel auch erreichen zu können, sei allerdings wesentlich mehr Ehrgeiz erforderlich, um „eine grundlegende Umstellung der Lebensmittelproduktion und des Konsums“ zu unterstützen, so der Bericht.
Die EUA hob in ihrem Bericht die Umweltvorteile des ökologischen Landbaus hervor, insbesondere für die biologische Vielfalt, die Bodengesundheit und die Wasserqualität.
„[Der ökologische Landbau] ist ein wichtiges politisches Instrument, um die europäische Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten“, sagte Eric Gall, stellvertretender Direktor des EU-Bioverbands IFOAM, gegenüber Euractiv. Er fügte hinzu, dass die Mitgliedsstaaten den Biobauern mehr Mittel im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zur Verfügung stellen sollten.
Ursprünglich war all dies Teil der ehrgeizigen Pläne der EU: In ihrem Bio-Aktionsplan 2021 wollte die Kommission sowohl die Nachfrage als auch das Angebot an Bioprodukten ankurbeln und mehr finanzielle Unterstützung für die ökologische Landwirtschaft durch die GAP mobilisieren.
Seitdem sind jedoch mehrere Versprechen der EU-Kommission im Rahmen der F2F-Strategie, wie beispielsweise in Bezug auf die Verbraucherseite der Lebensmittelkette, nicht in Erfüllung gegangen. So fehlt das Gesetz über nachhaltige Lebensmittelsysteme im Arbeitsprogramm der Kommission für 2024.
Noch nicht gut genug
Dem Bericht zufolge hat der ökologische Landbau in der EU seit 2012 stetig zugenommen und ist von 5,9 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 9,9 Prozent im Jahr 2021 gestiegen.
Wenn das derzeitige Expansionstempo beibehalten werden sollte, würde der Anteil des ökologischen Landbaus im Jahr 2030 bei 15 Prozent liegen, was nicht mit den Zielen der Kommission übereinstimmen würde.
Um das Ziel von 25 Prozent bis 2030 zu erreichen, müsste sich das Tempo in den verbleibenden Jahren fast verdoppeln.
„Die jährliche (…) Wachstumsrate zwischen 2012 und 2021 betrug sechs Prozent. Um das 25-Prozent-Ziel bis 2030 zu erreichen, müsste sich die jährliche (…) Wachstumsrate von 10,8 Prozent im Zeitraum 2021 bis 2030 fast verdoppeln“, heißt es in dem Bericht.
Unterschiede zwischen den Ländern
Der Bericht zeigt, dass der Anteil der ökologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Fläche zwischen 2012 und 2021 in allen EU-Mitgliedstaaten – mit Ausnahme Polens – gestiegen ist.
Gleichzeitig sind die Unterschiede zwischen den Ländern nach wie vor groß. Während in Österreich, Estland und Schweden im Jahr 2021 mehr als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche für den ökologischen Landbau genutzt werden, liegt der Anteil in sechs Mitgliedstaaten immer noch unter fünf Prozent, wobei die geringsten Anteile in Irland, Bulgarien und Malta zu verzeichnen sind.
Im vergangenen Jahr ging die Ampelkoalition noch einen Schritt weiter und vereinbarte, dass bis 2030 30 Prozent der Ackerfläche ökologisch bewirtschaftet werden sollen, womit das EU-weite Ziel übertroffen werden würde.
[Bearbeitet von Julia Dahm/Zoran Radosavljevic]


