Studie: Industrielle Landwirtschaft bringt Bienen den Tod

Um das Bienensterben zu bremsen soll die Anwendung schädlicher Pestizide begrenzt werden. [-col-/Flickr]

Bienen sind durch Pestizide aus der industriellen Landwirtschaft zunehmend bedroht. Landwirtschaftsminister Schmidt ignoriere die Gefahr, kritisiert Greenpeace.

Bienen werden durch den ungehinderten Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft zunehmend bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Umweltorganisation Greenpeace in Hamburg vorgestellte Studie der britischen University Sussex. Die Wissenschaftler untersuchten die in Pestiziden enthaltenen giftigen Neonicotinoide.

Greenpeace warf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Ignoranz vor: „Die dramatische Dimension des Bienensterbens muss auch bei ihm einen Anlass zum Umdenken geben“, erklärte Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin der Organisation.

Neonicotinoide werden laut Greenpeace immer häufiger verwendet und können Insekten entweder direkt töten oder langfristig deren Nervensystem schädigen. Rund drei Viertel der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen, Hummeln und andere Insekten angewiesen. Laut Greenpeace verschlimmerte sich die Situation dieser Tiere trotz eines EU-Gesetzes aus dem Jahr 2013 zum eingeschränkten Einsatz von Neonicotinoiden.

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Bestäubende Insekten stehen Bedrohungen nie dagewesenen Ausmaßes gegenüber. Zu keinem Zeitpunkt war der Mensch jedoch mehr auf sie angewiesen. EURACTIV-Kooperationspartner Journal de l’environnement berichtet.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass Wildpflanzen stärker als bisher vermutet mit Neonicotinoiden kontaminiert sind und deren Nektar und Pollen somit ein zusätzliches Risiko für Bienen darstellen. Viele wildlebende Spezies werden erheblich geschädigt. Dazu gehören unter anderem Schmetterlinge, Käfer, Wasserinsekten, aber auch Vögel wie der Spatz und das Rebhuhn.

Die EU wird Greenpeace zufolge noch in diesem Jahr über den Fortbestand des derzeitigen Teilverbots der drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam sowie Fipronil entscheiden. Schmidt höhle aber in Deutschland das Teilverbot mit zahlreichen Ausnahmen aus und ignoriere „die Notwendigkeit eines dringend gebotenen Kurswechsels“, erklärte Huxdorff.

Schmidt erklärte dazu, dass ihm der Schutz der Bienen „besonders am Herzen“ liege. Er habe deshalb bereits im Sommer 2016 die Aussaat von Wintergetreidesaatgut, das mit in Deutschland nicht zugelassenen Neonicotinoiden behandelt wurde, verboten.

Huxdorff verwies darauf, dass die EU etwa das Pestizid Fipronil verboten habe, weil er bienengefährdend sei. Schmidt habe den Einsatz des Gifts aber im Kartoffelanbau per Ausnahme weiter erlaubt.

Die Neonicotinoide werden mit dem Massensterben der europäischen Bienenpopulation in Zusammenhang gebracht. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte bereist vor „etlichen Risiken für Bienen“ durch diese Pestizide gewarnt.

Kritiker argumentieren, dass die Stoffe, wenn sie nicht zum Tod führen, wie Nervengifte wirken, durch die Bienen ihr Orientierungs- und Kommunikationsvermögen sowie die Fähigkeit verlieren, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Die Hersteller stellen einen Zusammenhang zwischen den Pflanzenschutzmitteln und dem Bienensterben infrage.

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