Der EU-Fischereisektor müsse seine Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen und sich vor unlauterem Wettbewerb aus Drittländern schützen. Dies sind die Empfehlungen aus einem Bericht, der am Mittwoch (20. März) im Europäischen Parlament vorgestellt wurde.
Laut der Studie, die von den Europaabgeordneten diskutiert wurde, sei die EU zunehmend von Importen von Fischereierzeugnissen abhängig und die Fischereiindustrie leide unter mangelnder Wettbewerbsfähigkeit.
Die EU müsse „neue Möglichkeiten für den Sektor schaffen und gleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU und mit Drittländern garantieren“, sagte Stylianos Mitolidis, Vertreter der Europäischen Kommission, GD MARE, den Europaabgeordneten.
Seiner Ansicht nach sei die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors eine Garantie für die Ernährungssouveränität und -sicherheit der EU.
Illegale Fischerei
In den vergangenen Jahren habe der Verlust von Fischgründen durch den Brexit die europäische Produktion verringert. Gleichzeitig habe die Konkurrenz aus Drittländern die Wettbewerbsfähigkeit der EU untergraben, erklärten die Forscher.
Die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei) sowie hohe Subventionen für den Sektor und niedrige Arbeitskosten in Drittländern führten zu einem unfairen Wettbewerb für europäische Produzenten, fügten die Experten hinzu.
Darüber hinaus „zeigen die Beweise, dass importierte Fischerei- und Aquakulturerzeugnisse die europäischen Anforderungen an die ökologische und soziale Nachhaltigkeit nicht erfüllen“, betonte Martin Aranda von der Universität A Coruña in Spanien, einer der Autoren der Studie.
Seiner Ansicht nach gefährde dies den fairen und ausgewogenen Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern.
Gleichzeitig, so Aranda weiter, schränke die EU den Zugang der Fischereiflotte zu den Ressourcen und die Nutzung des Meeresraums durch Aquakulturfarmen immer weiter ein. Zudem erschwere sie den Erhalt von Lizenzen, was die Produktion von Fischereierzeugnissen einschränke.
Die Experten verwiesen auch auf den „strengen Rechtsrahmen“ der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO), der hohe Qualitäts-, Hygiene- und Etikettierungsstandards garantiert.
Dies habe zur Folge, dass die EU immer mehr Fischereierzeugnisse importiere.
„Gegenwärtig deckt die EU nur 38 Prozent ihres Bedarfs an Fischprodukten“, so Aranda.
Freihandelsabkommen
Die Forscher erkennen an, dass es schwierig sei, nachhaltigere Praktiken bei den nationalen Flotten von Drittländern zu fördern. Dennoch könne die EU „Bedingungen für den Zugang zu ihrem Markt auferlegen.“
Dies ist bereits das Ziel der Verordnung gegen IUU-Fischerei, die Länder wie China davon abhalten soll, billige illegale Produkte in die EU zu exportieren.
Darüber hinaus sollte die EU aber auch verlangen, dass alle importierten Produkte konform mit den Erhaltungs- und Bewirtschaftungsmaßnahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) sind, betonten die Forscher.
Sie forderten außerdem, Fischereierzeugnisse bei der Aushandlung von Handelsabkommen ebenso wie bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse als „sensible Produkte“ einzustufen.
Wir müssen „die Macht des Marktes nutzen, einen Hebel, der im Kampf gegen die IUU-Fischerei eingesetzt wurde und sich in den letzten 10 Jahren bewährt hat“, sagte Mitolidis
„Letztlich geht es darum, unsere Ambitionen und die Ambitionen der Drittländer, mit denen wir Abkommen unterzeichnen, zu steigern. Wir halten an unserem Kurs fest“, fügte der Kommissionsbeamte hinzu.
In der Studie wird empfohlen, dass diese Klauseln für Fischereierzeugnisse in Handelsabkommen mit einer verbesserten Rückverfolgbarkeit der Produkte einhergehen sollten, bei der die Herkunft des Fisches zur Information der Verbraucher angegeben wird. Für EU-Erzeugnisse sind diese Bestimmungen bereits in der Fischereikontrollverordnung enthalten.
„Warum haben so gut wie keine Fischereierzeugnisse ein Fair-Trade-Siegel, wie es bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Stoffen, Baumaterialien und dergleichen der Fall ist?“, fragte Pierre Karleskind, Vorsitzender des Fischereiausschusses des Parlaments.
Die Europäische Kommission spricht sich ebenfalls dafür aus, „die Ambitionen für die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung von Frischprodukten aus Europa und Drittländern zu erhöhen.“
Forschung und Finanzierung
Diese Bestimmungen erfordern „verstärkte Inspektionen am Herkunftsort“, um die Einhaltung der europäischen Normen zu überprüfen, sowie an den Grenzen der EU, warnte Aranda.
Der Forscher fügte hinzu, dass „die Zollkontrollen in einigen Mitgliedstaaten weniger streng sind als in anderen“ und wies darauf hin, dass Drittländer für ihre Exporte „den günstigsten Einfuhrort“ wählen.
Er und seine Kollegen plädieren daher für einheitliche Kontrollen an allen EU-Einfuhrstellen.
Diese internationalen Schutzmaßnahmen reichen jedoch nicht aus. Nach Ansicht der Wissenschaftler erfordere die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Sektors die Unterstützung von Forschung und Innovation. Auf diese Weise könne eine energieeffizientere und selektivere Fischerei sowie eine nachhaltigere und produktivere Aquakultur erreicht werden.
Dazu müssen die EU-Länder die finanziellen Mittel des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EFMAF) „effizienter“ nutzen.
Schließlich regten die Forscher an, den Zugang zu britischen Gewässern für die Zeit nach 2026 – dem Ende des 2021 unterzeichneten Handels- und Kooperationsabkommens – neu zu verhandeln und die Zusammenarbeit mit China im Rahmen der 2018 unterzeichneten Blauen Partnerschaft zu „reaktivieren.“
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro und Zoran Radosavljevic]



