Stopfleber in Frankreich: Regelvestöße bei jedem zweiten Produzenten

Bei 46 Prozent der kontrollierten Betriebe, die Stopfleber herstellen oder damit handeln, wurde im letzten Bericht der Wettbewerbsbehörde DGCCRF eine Anomalie festgestellt. [David Tadevosian/Shutterstock]

Ein neuer Bericht der französischen Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) hat zahlreiche Gesetzesverstöße im Zusammenhang mit der Herstellung von Stopfleber aufgedeckt. EURACTIV Frankreich berichtet.

„Trotz einiger Fortschritte führt jede zweite Kontrolle zur Feststellung eines oder mehrerer Verstöße“, teilt die Dienststelle des Wirtschafts- und Finanzministeriums nach einer am Anfang April veröffentlichten Untersuchung mit.

Im Jahr 2019 hatte eine frühere Studie bereits ermittelt, dass 31 Prozent der kontrollierten Betriebe mindestens einen Verstoß aufwiesen, beispielsweise die Nichteinhaltung von Vorschriften bei der Herstellung.

Die Produktion von Stopfleber, die in Frankreich als Delikatesse gilt, ist aus Tierwohlgründen umstritten, da die Gänse oder Enten für die Herstellung des Produkts zwangsernährt werden. In Deutschland ist die Praxis verboten.

Diesmal weitete die Behörde ihre Kontrollen auf Derivate „auf der Grundlage von Stopfleber“ aus. Dazu gehören Mousses, Pasteten, Parfaits und Galantinen, also Zubereitungen, die zwischen 20 und 75 Prozent des Ausgangsmaterials enthalten.

Die Ermittler nahmen 50 französische Betriebe ins Visier, darunter landwirtschaftliche Betriebe, Handelsbetriebe (Einzelhandel, Großhandel, Onlinehandel) und Industriebetriebe. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei 46 Prozent der Betriebe Verstöße vorlagen.

Zutaten und Rückverfolgbarkeit

Diese Anomalien betrafen zunächst die auf den Etiketten aufgeführten Zutaten. Dabei wurden nicht zugelassene Zusatzstoffe wie Kaliumnitrat sowie irreführende Angaben und fehlende Prozentangaben zu den Inhaltsstoffen nachgewiesen.

Von den 18 Proben von Stopfleber und 8 Produkten „auf der Grundlage von Stopfleber“ enthielten 6 eine „übermäßige Feuchtigkeit“. Ein Produkt auf der Grundlage von Gänseleber enthielt sogar einen Anteil von mehr als einem Prozent Ente.

Insgesamt wiesen 11 der 18 Produkte eine Anomalie auf. Dabei handelte es sich um den „Ersatz von Ente durch Gans und die Nichteinhaltung der vorgeschriebenen physikalisch-chemischen Anforderungen wie Gewicht, Fettgehalt und Reinheit von Fremdkörpern.“

Auch der Herkunft der Stopfleber wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Bei einem Produkt mit der Angabe der französischen Herkunft „war es nicht möglich, sich von der Wahrheit dieser Information zu überzeugen, da es kein Verfahren zur Rückverfolgbarkeit durch den Unternehmer gab“, heißt es in dem Bericht.

Nach den geltenden Vorschriften muss nur der Ort der Herstellung (Verarbeitung, Zubereitung) auf dem Produkt angegeben werden. Den Ermittlern der Generaldirektion zufolge „greift die Verarbeitungskette jedoch zunehmend auf die Einfuhr von Stopflebern aus der EU (Ungarn, Bulgarien) zurück, um die Mengen aufzustocken“. Und dies, obwohl auf dem Produkt angegeben war, dass es aus Frankreich stamme.

Bei der geschützten geografischen Angabe (IGP) kann man allerdings erkennen, woher das Tier stammt. Die „Entenleberpastete aus dem Südwesten“ zum Beispiel stammt garantiert von einer Ente, die in dieser französischen Region aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet wurde.

Die Einhaltung dieser Labels wurde schließlich von den Ermittlern überprüft. Sie stellten fest, dass die Anforderungen an die geschützte geografische Angabe nicht immer eingehalten wurden.

Vorschriften sind nicht bekannt

„Die Gesamtrate der auffälligen Betriebe ist weitaus höher als in den Jahren 2018 und 2014. Einige Händler kennen die für ihre Produkte geltenden nationalen oder EU-Vorschriften nur unzureichend“, wird in dem Bericht mitgeteilt.

Dies gilt vor allem für Produkte „auf der Grundlage von Stopfleber“, bei denen die Quote der Nichteinhaltung der Vorschriften 75 Prozent erreicht, während sie bei unverarbeiteten Produkten wie Stopfleber-Blöcken bei 28 Prozent liegt.

Bei kleinen Erzeugern und Wiederverkäufern führt die Generaldirektion diese Verstöße auf mangelnde Kenntnisse zurück. „Einige kleine Wiederverkäufer kennen die Kennzeichnungsnormen und insbesondere die gesetzlichen Verpflichtungen für den Versandhandel nicht“, erklärt die Behörde.

„Ebenso verkennen einige Verarbeiter die Vorschriften, die mit den zulässigen Bezeichnungen für Zubereitungen auf der Grundlage von Stopfleber verbunden sind.“

Beispielsweise wurde bei Produkten, die als Stopfleberpastete und Stopflebermousse angepriesen wurden, nicht der erforderliche Anteil an Rohmaterial eingehalten, der laut den Vorschriften bei mindestens 20 Prozent liegt.

Von den Betrieben, in denen Verstöße festgestellt wurden, erhielten 22 eine Verwarnung und 7 eine Anordnung. „Die Untersuchung hat dazu beigetragen, dass die Händler sich über die gesetzlichen Anforderungen bewusst wurden und dass sie an ihre Pflicht zur Selbstkontrolle im Geiste der Lauterkeit erinnert wurden“, so die Behörde.

Bei schwerwiegenderen Verstößen wurden ein Verwaltungsprotokoll und zwei Strafprotokolle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Dieses Fehlverhalten ist in Verbindung mit den wiederholten Krisen zu sehen, unter denen die Geflügelbranche leidet. Neben dem Krieg in der Ukraine, der die Preise für die Einfuhr von Futtermitteln in die Höhe getrieben hat, kämpft die Branche seit sieben Jahren mit verschiedenen Ausbrüchen der Vogelgrippe.

Durch die präventive Schlachtung von Millionen von Enten und Gänsen zur Eindämmung des Virus ist die Stopfleberproduktion in Frankreich stark zurückgegangen. Sie lag 2015 bei über 19 000 Tonnen und soll bis 2021 auf unter 12 000 Tonnen sinken.

EU-Parlament macht Stopfleber-Kehrtwende nach französischem Lobbying

Das Europäische Parlament hat in einem neuen Bericht erklärt, dass die Produktion von Stopfleber die Tierschutzanforderungen erfüllt, dabei hatte es zuvor ein Verbot der Zwangsfütterung gefordert, da diese als „grausam und unnötig“ bezeichnet wurde.

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