Starker Anstieg der Inflation in Albanien trifft Bevölkerung und Unternehmen hart

Nach Angaben des INSTAT erreichte die Inflation im April 6,2 Prozent und damit einen neuen Rekord, nachdem sie im März bereits bei 5,7 Prozent lag. [Shutterstock/Chris_Hall]

Die Preise in Albanien sind weiter gestiegen, was den Geldbeutel der Bürger:innen hart trifft und kleine landwirtschaftliche Betriebe in eine gefährliche Lage bringt, da die höchsten Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Treibstoffen zu verzeichnen sind.

Nach Angaben des INSTAT erreichte die Inflation im April 6,2 Prozent und damit einen neuen Rekord, nachdem sie im März bereits bei 5,7 Prozent lag. Dies ist der stärkste Anstieg der Lebenshaltungskosten seit 2001, als eine Inflationsrate von 7,6 Prozent verzeichnet wurde.

Für Albanien, das bereits zu den ärmsten Ländern Europas zählt und in dem ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, stellt die enormen Preissteigerungen ein großes Problem dar.

Die Preiserhöhungen betrafen vor allem Lebensmittel, die sich um 3,56 Prozent verteuerten, und den Transportsektor mit 1,23 Prozent. Mieten, Brennstoffe und Energie verzeichneten einen bescheidenen Anstieg um 0,49 Prozent, während die Kosten für Hotels und Cafés um 0,21 Prozent stiegen.

In den Bereichen Unterhaltung, Haushaltsgeräte und Möbel, Kleidung, Bildung sowie Kommunikation waren die Steigerungen minimal. Allerdings bedeutet ein deutlicher Preisanstieg in anderen Bereichen, dass in diesen Wirtschaftszweigen weniger Geld ausgegeben wird.

Bei den Nahrungsmitteln stiegen die Preise für Öle und Fette um fast 25 Prozent, gefolgt von Molkereiprodukten mit 17,1 Prozent, Getreideerzeugnissen mit 16,7 Prozent, Süßigkeiten mit 4,3 Prozent, Fleisch mit 7,8 Prozent und Gemüse mit 5,2 Prozent.

Die von INSTAT in der vergangenen Woche verarbeiteten Daten zeigen, dass die Einfuhr verschiedener Lebensmittel nach Albanien deutlich zurückgegangen ist, während die Kosten gestiegen sind.

Die Einfuhren von Öl gingen um 11,8 Prozent und von Getreide um 4,1 Prozent zurück. Auch die Einfuhren von Düngemitteln für die Landwirtschaft sanken im selben Zeitraum um 75 Prozent, was vor allem auf Beschränkungen beim Kauf von Pottasche, einem wichtigen Bestandteil der Düngemittelproduktion, zurückzuführen ist, die hauptsächlich aus Belarus bezogen wird.

Den Daten zufolge stiegen die Einfuhren von Lebensmitteln und Tabak um 15 Prozent, da viele Lieferanten sich mit Vorräten eindeckten, in der Annahme, dass sich die Versorgungskette durch den anhaltenden Krieg weiter verengen könnte.

Gleichzeitig stiegen die Staatseinnahmen im gleichen Zeitraum um 27 Prozent, was vor allem auf einen Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen um 43 Prozent zurückzuführen ist.

Die Preiserhöhungen haben die lokalen Unternehmen hart getroffen: Einige mussten schließen, andere schränkten den Einkauf bestimmter Waren ein, und wieder andere befürchteten, die zusätzlichen Kosten an die Kunden weitergeben zu müssen.

Rezearta Caushaj von Agr.al, einem Unternehmen, das frisches Obst, Gemüse und Fleisch in Kisten an die Kund:innen in Tirana ausliefert, sagte, dass es ein allgemeines Gefühl der Verunsicherung gebe.

„Der Anstieg der Fleischpreise in der Molkerei lag zwischen 7 und 15 Prozent, was für ein kleines Unternehmen wie Agr.al und die wechselnde Kundschaft eine große Unsicherheit bedeutet.“

Sie fügt hinzu: „Wir sind zur Hälfte von anderen Kleinbauern abhängig, die uns mit Bioprodukten beliefern, und müssen ihnen das Gefühl geben, dass sich die Zusammenarbeit lohnt. Aber das wird immer schwieriger. Und natürlich hängt unsere gesamte Existenz jetzt davon ab, wie unsere Kund:innen reagieren.“

„Wir mussten davon absehen, die Preise für unsere eigenen Produkte zu erhöhen, um zu überleben, aber wir wissen nicht, wie lange das noch möglich ist. Die Transport- und Logistikkosten sind zermürbend geworden“, erklärte sie gegenüber Exit.

Dies könnte dazu führen, dass die Albaner:innen gezwungen sind, ihre Ausgaben für nicht unbedingt notwendige Dinge wie Urlaub, Kleidung oder Freizeitgestaltung zu kürzen.

Seit der russischen Invasion in der Ukraine hat Albanien die Einfuhr von Weizen und Getreide aus Russland verdoppelt.

Im ersten Quartal 2022 importierte Albanien mehr als 20.000 Tonnen aus Russland, was einem Rückgang von 21 Prozent gegenüber 2021 entsprach, da die Einfuhren vor dem Krieg im Januar und Februar geringer waren. Der März glich dies jedoch mehr als aus, da das Land rund 10.000 Tonnen importierte, gegenüber 5000 im Vorjahr.

Der Wert der Produkte stieg ebenfalls erheblich, da die Kosten für Weizen aus Russland zunahmen. Ein Kilogramm russischer Weizen kostete im März 2021 31 ALL (0,26 EUR), während es heute 65 ALL (0,540 EUR) kostet.

Zu Beginn des Krieges wurde befürchtet, dass es im Lande zu einer Weizenknappheit kommen würde. Vertreter der Industrie erklärten, dass sie die Produkte außerhalb Russlands und zum Teil auch außerhalb der Ukraine beschaffen wollten.

Doch stattdessen ist die Menge des aus Russland importierten Weizens ebenso gestiegen wie der Preis.

Albanien hat zwar Sanktionen gegen Russland verhängt, diese gelten jedoch nicht für die Einfuhr von Getreide, stellte das Außenministerium klar.

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