Spanische Landwirtschaft: Ohne Frauen und Jugend geht es nicht

Der Anbau von Zitrusfrüchten ist für die spanische Landwirtschaft wichtig. Um Nachwuchs für den Sektor zu begeistern, braucht es jedoch weitere Bemühungen, fordern viele Beobachter. [Christoph Strässler/Flickr]

This article is part of our special report Nachwuchs und Frauen für die EU-Landwirtschaft.

Überbordende Bürokratie, mangelnder Zugang zu Land sowie das Fehlen einer angemessenen ländlichen Infrastruktur sind nach wie vor die Haupthindernisse für junge Menschen, besonders für Frauen, in den spanischen Agrarsektor einzusteigen. EFE Agro berichtet. 

In den spanischen Institutionen und im Agrar- und Ernährungssektor ist allgemein bekannt, dass ein Generationswandel in der Landwirtschaft verstärkt vorangetrieben werden muss.

Doch der mangelnde Zugang zu Land und Finanzierung sowie eine überbordende Bürokratie stellen insbesondere Junglandwirte vor große Herausforderungen.

Um die Situation der spanischen Junglandwirte besser zu verstehen, hat EFE Agro eine Reihe von Interessengruppen aus dem spanischen Agrarsektor sowie Junglandwirte, die vor kurzem in den Sektor eingetreten sind, befragt.

Das eindeutige Ergebnis: Der Zugang zu Land ist nach wie vor das wesentliche Hindernis.

Junglandwirte fordern "starkes" GAP-Budget für den Generationswechsel

Die EU-Mitgliedstaaten müssen sich mit dem Generationswechsel im europäischen Landwirtschaftssektor befassen – „ob es ihnen gefällt oder nicht“, fordern junge Landwirte.

„Es muss Maßnahmen in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) geben, um den Zugang zu Land zu erleichtern. Außerdem braucht es weitere [Maßnahmen], um junge Menschen zu ermutigen, in den Sektor einzusteigen,“ fordert beispielsweise Ignacio López Asenjo, Direktor für internationale Beziehungen der Landwirte-Organisation Asaja.

Auch bei der Finanzierung sollten Maßnahmen ergriffen werden, die einerseits ältere Landwirte nicht beeinträchtigen, „aber gleichzeitig den Weg in den Sektor für junge Menschen ebnen,“ fügt Asenjo hinzu.

Fast 900 Millionen für Gründer und Neueinsteiger

Dabei hat die spanische Regierung bereits rund 880 Millionen Euro aus der derzeitigen GAP zur Unterstützung von landwirtschaftlichen Gründungen sowie Neu-/Quereinsteigern bereitgestellt. Ziel ist es, insgesamt 21.300 Erzeuger zu unterstützen. Rund 8.000 haben entsprechende Unterstützung bereits erhalten.

Einer von ihnen ist Pedro Gomariz, ein 31-jähriger Zitrusfrüchteproduzent aus Murcia in Südostspanien. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre entschied er sich, in sein Dorf zurückzukehren und den Familienbetrieb zu übernehmen, nachdem sein Vater in den Ruhestand gegangen war.

Gomariz repräsentiert somit die fünfte Generation seiner Familie, die dieses Land bestellt.

Neben übermäßiger Bürokratie und den „verlorenen“ Tagen auf diversen Ämtern seien jedoch vor allem die spanischen Steuerregelungen ein Hindernis gewesen, erzählt er EFE Agro. Die hohe Schenkungssteuer habe seinen Vater daran gehindert, ihm das Land einfach zu überlassen. Es sei günstiger, wenn der Sohn es pachtet.

Geschlagene sechs Monate nach Antragstellung erhielt er dann endlich die benötigten Lizenzen.

Trotz aller Widrigkeiten blieb Gomariz optimistisch: Dank der finanziellen Anreize habe er einen Traktor kaufen und seinen Betrieb modernisieren können. Heute produziere er rund tausend Tonnen Zitronen und Grapefruits und nutze dafür Solarenergie.

Mit Europa gegen das Höfesterben?

In der Debatte über eine Reform der GAP geht es auch um die Frage, wie die Vergabe von Fördermitteln besser an die spezifischen Bedürfnisse der Regionen angepasst werden kann.

Ein weiteres Beispiel ist Gonzalo Vilsus, ein 29-jähriger Landwirt, der in Murillo del Fruto (Region Navarra) Getreide und Gemüse anbaut.

„Seit ich ein kleines Kind war, mochte ich die Landschaft sehr,“ erzählt er. „Mein Vater hat sich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt und mir sehr geholfen.“

Doch auch er erinnert sich, wie schwierig es war, ein eigenes Agrarunternehmen zu gründen. Es gebe „niemanden, der dich unterstützt. Und Land zu bekommen ist sicherlich das Haupthindernis.“

Vilsus erhielt ebenfalls GAP-Mittel, die ihm den Einstieg in den Sektor ermöglichten. Insgesamt sei auch er zufrieden: „Ich bin jetzt der Verantwortliche und treffe meine eigenen Entscheidungen über meinen Hof.“

Drei Schlüsselfaktoren

Der spanische Minister für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, Luis Planas, erklärte, für die Schaffung eines nachhaltigen Agrarsektors brauche es drei Schlüsselelemente: Zugang zu Wasser, Digitalisierung der Produktionssysteme und die Einbeziehung von jungen Menschen sowie Frauen in Landwirtschaft und die Entwicklung des ländlichen Raums.

In diesem Zusammenhang pochte Planas auch im Europäischen Parlament auf die Notwendigkeit, eine „geschlechtsspezifische Sichtweise“ in die GAP aufzunehmen.

Männerdomäne Landwirtschaft

In der Bretagne versucht das Netzwerk „agriculture au féminin“, das Thema Geschlechtergerechtigkeit im Agrarsektor voranzutreiben.

Der von der Europäischen Kommission Ende 2018 vorgelegte Vorschlag zur „Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft“ erwähnt Frauen in ländlichen Regionen hingegen nicht einmal, moniert Carmen Quintanilla, Präsidentin der Vereinigung für Familien und Frauen im ländlichen Raum (Afammer).

Für sie ist klar: „Die künftige GAP muss Maßnahmen zur Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles im ländlichen Raum und zur Förderung des Generationswechsels, auch und vor allem unter Frauen umfassen.“

Aus Sicht der spanischen Landwirtin María de los Ángeles Rosado ist es darüber hinaus auch wichtig, dass die Behörden Dienstleistungen und (technologische) Infrastrukturen zur Verfügung stellen, um den ländlichen Raum attraktiver zu machen.

„Es sollte Kinderärzte, Breitbandinternet, gute Straßen geben… alles, was es ermöglicht, nicht nur im Agrar- und Ernährungssektor zu arbeiten, sondern auch als Einzelpersonen oder als Familie hier gut zu leben und sich zu etablieren,“ meint sie.

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