Spanische Bauern: neue GAP muss würdevolles Leben ermöglichen

EU Europa Nachrichten Landwirtschaft

Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Andalusien. [Phillip Capper / Flickr]

This article is part of our special report EU-Landwirte unter Druck.

Lebensmittelerzeuger müssen konkurrenzfähig und nachhaltig arbeiten; sie müssen mit Marktschwankungen, Preisungleichgewichten in der Versorgungskette, Unsicherheit durch Freihandelsabkommen und dem russischen Importverbot von Waren aus der EU fertig werden. Ein Bericht von EURACTIV-Partner EFEAgro.

Der Haupteffekt dieser vielfältigen Probleme sind niedrigere Einnahmen für spanische Bauern, die daher auf Unterstützung regionaler, nationaler und europäischer Behörden angewiesen sind, um landwirtschaftliche Betriebe am Leben zu halten.

Landwirtschaftliche Genossenschaften und Organisationen erklären EFEAgro, was sie sich von der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erhoffen und welche Themen ihrer Ansicht nach in den nächsten Reformschritten Priorität haben sollten.

EU-Landwirte unter Druck

Die europäischen Landwirte geraten zunehmend unter Druck. Ihre Einkommen schwanken nicht nur, mitunter sind sie stark gefährdet.

Der Generaldirektor der Lebensmittelindustrie des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Magrama), Fernando Burgaz, befindet, die GAP müsse „Landwirte so unterstützen, dass sie wirtschaftlich bleiben und somit einen angemessenen Lebensunterhalt und ausreichend Arbeit in ländlichen Regionen bieten können“.

Burgaz präsentiert eine Liste von Zielen, darunter „eine stärkere Verhandlungsposition der Erzeuger durch verbesserte Branchen- und Lieferungskoordination; mehr Handlungsräume für Branchenverbände; Garantien für reibungslose Abläufe zwischen den Unternehmen der Lieferkette; und Kontrolle bezüglich unfairer Handelspraktiken“.

Darüber hinaus müssten Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb und Instrumente zur Handhabung von Marktschwankungen bereitstehen.

Wie Gabriel Trenzado, Chef der Abteilung Internationale Beziehungen bei Cooperativas Agro-alimentarias, erläutert, sei das „Ungleichgewicht innerhalb der Versorgungskette Ergebnis eines fragmentierten Landwirtschaftssektors auf der einen Seite und einer Konzentrierung von Abnehmern und Händlern auf der anderen“. Die GAP solle in dieser Hinsicht genossenschaftliche Integration unterstützen, um die Position der Bauern zu verbessern.

Weniger Zwischenhändler, mehr Einkommen für Kleinbauern

Der Wegfall von Zwischenhändlern hilft vor allem Kleinbauern und dem Verbraucher.

José Ramón Díaz von der Vereinigung junger Landwirte (ASAJA) weist auf den Klimawandel hin und stellt darüber hinaus fest, dass „vorherige GAP-Reformen ein Mindestlevel an Regulierungsmechanismen zerstört haben“. In dieser Hinsicht sei „noch viel zu tun“.

Auch COAG Generalsekretär Miguel Blanco mahnt, dass eine weitere Deregulierung der Märkte mit einer Stärkung der Landwirtschaft gekontert werden müsse. Erzeugern sollten „notwendige Ausnahmen im Wettbewerb“ zugestanden werden. Außerdem würden EU-weite Regelungen gegen unlautere Handelspraktiken benötigt. In diesem Punkt sollten laut Blanco den Mitgliedsländern jedoch „genug Freiheiten gegeben werden, um die Richtlinien entsprechend ihrer nationalen Besonderheiten in der Landwirtschaft anzupassen“.

Die Union der Kleinbauern (UPA) sieht die zwei Hauptgründe für fallende Erträge im Landwirtschaftssektor in den Preisschwankungen und einer schwachen Verhandlungsposition der Bauern innerhalb der Versorgungsketten. Die UPA fordert daher ebenfalls, klare Ausnahmen von den Wettbewerbsgesetzen sowie Tarifverhandlungen im Primärsektor zu unterstützen. Zusätzlich würden neue Management-Mechanismen benötigt, die einen positiven Einfluss auf Vereinbarungen mit Drittländern hätten, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produzenten zu schmälern.

Vier Erfolgsgeschichten Spaniens: Öl, Wein, Fleisch und Gartenbau

Spaniens Agrarindustrie hat die Finanzkrise dank seiner Exporte umgehen können und sich seit 2008 als wahrer Wirtschaftsmotor entpuppt. Das Wachstum setzt sich fort. Euractiv-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Der Supermarkt-Verband Asedas glaubt, dass im Vertrieb „stabile, langfristige Beziehungen“ zu den anderen Stakeholdern der Versorgungskette ein „Grundpfeiler für Preis-Balance sind“. Dies sei eine Win-win-Situation.

Die Organisation ACES, die unter anderem Carrefour Express und Lidl repräsentiert, unterstreicht zwar, dass die „Logik des Marktes“ weiterhin der beste Weg ist, sicherzustellen, dass alle Teile der Versorgungskette eine faire Bezahlung für ihre Arbeit erhalten. Doch ACES-Präsident Aurelio del Pino fügt hinzu, dass Interventionen der Gesetzgeber nötig sind, wenn Ungleichgewichte auftreten. Deswegen müsse sich die zukünftige GAP besonders auf eine „Modernisierung und Professionalisierung des Landwirtschaftssektors“ konzentrieren.

Das dürfte eine große Herausforderung für die spanische Landwirtschaft, die eine wichtige Stütze der Wirtschaft des Landes ist, werden.

Subscribe to our newsletters

Subscribe