Spaniens Agrarminister: Ländlicher Raum vor Jahrhundert-Herausforderung

Der spanische Minister für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährung und Umwelt, Luis Planas, zu Beginn der Tagung des Rates Landwirtschaft und Fischerei in Luxemburg am 07. April 2022. [EPA-EFE]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Wie der Ukraine-Krieg die Gemeinsame Agrarpolitik umgestaltet

Der ländliche Raum in der EU stehe vor der größten Herausforderung des Jahrhunderts, sagte der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas gegenüber EURACTIVs Partner EFE Agro. Spanien wolle die Lebensmittelversorgung sichern und gleichzeitig die Umwelt und Klimaambitionen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) umsetzen.

„Wir haben ein paar Jahre lang mit Märkten gelebt, die aus logistischer Sicht reibungslos wie ein Uhrwerk funktionierten. Mit der Pandemie und dem Ukrainekrieg erleben wir derzeit eine schwierige Phase. Die große Frage ist, wie wir diese Situation gemeinsam bewältigen können“, sagte der Minister.

Da der Krieg in der Ukraine einen neuen „Unsicherheitsfaktor“ schaffe, sei die Sicherstellung der landwirtschaftlichen Produktion eine Priorität, ohne jedoch die „zirkuläre Ausrichtung“ der Wirtschaft und insbesondere der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu verlieren. Die Ukraine ist einer der wichtigsten Lieferanten Spaniens bei Agrarrohstoffen.

Eine Abkehr von diesem nachhaltigen Wirtschaftskonzept, „würde zur Erschöpfung der verfügbaren Ressourcen auf dem Planeten führen.“

Der Minister betonte, dass sein Hauptaugenmerk auf der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung liege, wobei er die steigenden Energiepreise, den Produktionsrückgang und die Auswirkungen des Krieges auf die Blockade der Exporte über das Schwarze Meer berücksichtige.

Gleichzeitig wolle er den strategischen Kurs beibehalten, „mehr mit weniger Ressourcen zu produzieren.“

„Es ist kein Dilemma, denn wir sind uns darüber im Klaren, wohin wir uns bewegen. Es ist klar, dass im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen von einer landwirtschaftlichen Fläche ernährt werden müssen, die „kaum“ wachsen wird, und eine Menge an Rindern, die nicht zunehmen wird.

Gemeinsame EU-Agrarpolitik als „wichtigster Entwurf“

Die Europäische Kommission hat am 31. März die erste Bewertung des nationalen Strategieplans der spanischen GAP für 2023-2027 zurückgeschickt. Mit diesen Plänen legen die EU-Länder dar, wie sie die neun EU-weiten Ziele der reformierten GAP erreichen wollen.

Planas bezeichnete den Plan als den „wichtigsten Entwurf“ für die spanische Landwirtschaft seit dem Stabilisierungsplan von 1959, als es noch kein EU-Agrarsubventionsprogramm gab.

Um diese wachsenden Herausforderungen zu meistern, werde Spanien auf Innovation und Digitalisierung sowie auf Technologien wie die Genbearbeitung setzen, um die Produktion „auf nachhaltige Weise“ zu steigern, so Planas.

Spanien erhält 47,724 Millionen Euro aus dem GAP-Haushalt 2023-2027, die mit zusätzlicher Unterstützung aus dem europäischen Corona-Aufbauplan, dem zeitlich befristeten Instrument zur Bewältigung der Pandemie, auf 55 Millionen Euro ansteigen.

Brüssel hat Spanien jedoch empfohlen, den Plan anzupassen, um die Anstrengungen im Umweltbereich zu verstärken und die neue durch den Krieg in der Ukraine entstandene Situation zu berücksichtigen.

Spanien hofft, die Fristen einhalten zu können, und wird die Europäische Kommission bitten, die endgültige Fassung des Strategieplans in der ersten Jahreshälfte 2022 zu genehmigen, um den Landwirt:innen im Vorfeld der Herbstaussaat eine gewisse Sicherheit zu geben.

Steigerung der EU-Lebensmittelproduktion "vernünftig"

Die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in Europa ist angesichts des Ukraine-Krieges eine Priorität, so der EU-Agrarkommissar. Er erläuterte, wie die Kommission dies durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) erreichen möchte.

Jüngste Entscheidungen

Auf dem letzten Treffen der EU-Agrarminister:innen in Luxemburg einigten sich die Mitgliedstaaten auf die Übermittlung von Daten über die privaten Getreide- und Ölsaatenbestände als ersten Schritt zur Schaffung einer europäischen landwirtschaftlichen Notreserve.

Planas begrüßte dies und wies darauf hin, dass die Versorgung mit Lebensmitteln zwar gewährleistet sei, die spanischen Verbraucher:innen jedoch steigende Preise zu spüren bekämen.

Der spanische Verbraucherpreisindex (VPI) ist im März im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent gestiegen, wobei die Preise für Speiseöl (+32,1 Prozent) in die Höhe schnellten.

Die spanische Regierung hat die EU-Maßnahmen gegen die Krise in der Ukraine mit einem königlichen Gesetzesdekret im Rahmen des nationalen GAP-Plans ergänzt, um auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges in der Ukraine zu reagieren.

Dieser Plan sieht 93,47 Millionen Euro für den Agrar- und Viehzuchtsektor vor.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Gerardo Fortuna/Alice Taylor]

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