Spanien: Lokale Lebensmittel erobern den Markt

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Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Andalusien. [Phillip Capper / Flickr]

This article is part of our special report Wachstum und Effizienz – Chancen für die Landwirtschaft?.

Produkte, die zu 100 Prozent lokal erzeugt wurden oder keine Transportkilometer hinter sich haben, sind zunehmend im Trend. Konzepte wie diese drängen die Lebensmittelindustrie dazu, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. EURACTIV-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Über die üblichen Werbebotschaften hinaus ist es nicht leicht, lokale Erzeuger und Industrien zusammen zu bringen – außer vielleicht im Primärsektor. Dies bestätigen auch Verbraucher- und Branchenverbände. Aber warum ist das so? Die Erklärung ist ganz einfach: Die geografisch naheliegendsten Produkte sind nicht automatisch die günstigsten. Darüber hinaus hängt der Anbau von saisonalen Erzeugnissen ab. Es ist also nicht immer leicht, alles aus der Region zu erhalten.

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Saisonale Rohstoffe

Das katalanische Unternehmen Casa Amella gilt als Vorzeigebeispiel. „Alles, was wir verkaufen, enthällt null Konservierungsmittel und null Zusatzstoffe. Wie verwenden ausschließlich saisonale Rohstoffe“, erklärt der Gründer Daniel Amella im Gespräch mit EFEAgro. „Zur Zeit produzieren wir keine Gemüse- oder Lauchsuppe, einfach weil sich das momentan nicht anbauen lässt. Wir verzichten auf Gemüse aus dem Gewächshaus.“

Die breite Mehrheit seiner Zulieferer befindet sich in der Region Bages bei Barcelona, nur wenige Kilometer von der Verarbeitungsstätte in Artés entfernt. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Linsen und anderes Gemüse stammen von einem „zuverlässigen Landwirt“ aus Castilla y León.

Casa Amella stellt von Öl über Nudeln und Suppen bis hin zu Hamburgern alles her. 2017 wird das Unternehmen eine weitere Produktionsstätte eigens für Fruchtsäfte einrichten. „Wir glauben, dass es letzten Endes besser ist, Lebensmittel von um die Ecke zu kaufen als von der anderen Seite der Welt“, lautet Amellas Fazit. Das Unternehmen fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. 2016 wird es mit einem Umsatz von 2,5 Millionen Euro abschließen. Das entspricht einer 25-prozentigen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

„Unsere Produktionshallen sind veganerfreundlich, da wir keine tierischen Produkte verwenden. Außerdem sind sie auch nachhaltig. Die Umwelt liegt uns sehr am Herzen. Wir nutzen nur LED-Lampen und Materialien wie Holz, Ton oder Metall“, so der Gründer.

Kritiker sprechen von einer Modeerscheinung. Amella betont jedoch, wie wichtig es sei, dass die Verbraucher das Endprodukt zu schätzen wissen und verstehen, warum der Preis oft um Einiges höher ist als bei der Konkurrenz. 100 Prozent lokal zu produzieren, ist vor allem im Primärsektor ein sehr beliebtes Konzept. Viele, die sich in dieser Hinsicht einbringen, eröffnen früher oder später ihre eigenen Produktionsstätten, um den gesamten Prozess im Auge behalten zu können.

Bio-Joghurt und Bio-Milch

Ein anderes Beispiel ist das galizische Unternehmen Casa Grande de Xanceda, dessen Bio-Joghurt-Reihe eine eigene Marktlücke besetzt und seitdem stark zugelegt hat. Es verfügt über einen Landwirtschaftsbetrieb mit 400 Kühen. Zurzeit erwägt das Unternehmen jedoch, Verträge mit lokalen Bauern abzuschließen, um sich zu vergrößern.

„Wir wollten uns unabhängig vom Molkereisektor machen, denn verhandeln war dort unmöglich. Unser ursprüngliches Ziel war es, unsere Milch zu 100 Prozent von unseren eigenen Kühen zu beziehen. Am Anfang mussten wir viel wegwerfen, aber die Technologie und unser eigener Ansatz haben es uns schließlich doch ermöglicht, dieses Ziel zu erreichen“, erklärt die Sprecherin des Unternehmens, Jessica Rey.

Das Unternehmen zieht es vor, Verträge mit lokalen Zulieferern auszuhandeln – nicht nur in Sachen Lebensmittel, sondern auch bei der Instandhaltung ihrer Anlagen und bei der Tiergesundheit. „Auf lokale Erzeuger zu setzen hat ganz eigene Vorteile“, so Rey. „Der Transport ist einfacher, wir stehen stärker in Kontakt mit den Produzenten und können sogar unsere Kalender und Zeitpläne miteinander teilen.“ In den letzten vier Jahren gelang es Casa Grande de Xanceda, seine Produktion von 10.000 auf 20.000 Einheiten zu verdoppeln.

Am anderen Ende Spaniens, in Andalusien, bringt eine Initiative lokale Erzeuger von Gourmet-Produkten zusammen und ermöglicht es ihnen, ihre Waren online zu verkaufen. Die Firma mit Sitz in Huelva bietet auf diese Weise eine große Bandbreite an Produkten, darunter Öl aus Kooperativen, Pilze oder Honig.

Das Prinzip Mehrwert durch geografische Nähe findet jedoch auch in einem anderen Bereich Anklang: in der Großgastronomie. Fundación Fuhem arbeitet mit Schulen zusammen, um den Küchen vor Ort ökologisch und lokal angebaute, saisonale Lebensmittel bereitzustellen.

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