Spanien: Carbon Farming als Schlüssel für den Klimaschutz

Landwirtschaftliche Organisationen betonen die Notwendigkeit, angesichts der steigenden Umweltanforderungen mehr Unterstützung zu erhalten, und verweisen auf die Fähigkeit der Landwirtschaft, Kohlenstoff zu binden und zu verhindern, dass dieser in die Atmosphäre gelangt. [Shutterstock/Celso Margraf]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Carbon Farming: Neuer Trend in Europa?

Spanien versucht, im Rahmen seiner Klimaschutzstrategie mit Hilfe der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) den Kohlenstoff in landwirtschaftlich genutzten Böden zu erhalten. Hersteller:innen fordern jedoch mehr Mittel, um ihre Anstrengungen zu kompensieren.

Die spanische Regierung und die autonomen Regionen verhandeln derzeit über einen Plan zur Umsetzung der neuen GAP, den sie noch in diesem Jahr nach Brüssel übermitteln werden.

Etwa 40% des Budgets werden laut des Plans für Klima- und Umweltmaßnahmen bereitgestellt. Zu den neuen Änderungen gehören Eco-Schemes [Öko-Regelungen], Beihilfen für nachhaltige Praktiken der Agrarökologie, und die so genannte kohlenstoffarme Landwirtschaft, mit der die Senkenkapazität der Böden gestärkt werden soll.

Die Regierung hat Anreize für Hersteller:innen vorgeschlagen, die extensive Weidehaltung, nachhaltige Ernten, Fruchtfolgen, Direktsaat, konservierende Landwirtschaft sowie Pflanzendecken und unbewirtschaftete Flächen zum Schutz der biologischen Vielfalt einbeziehen.

Die Eco-Schemes – Maßnahmen für Natur-, Klima- und Umweltschutz – werden bis 2027 mit 1,107 Milliarden Euro pro Jahr aus EU-Mitteln finanziert. Das entspricht 23% der Direktbeihilfen der GAP (erste Säule) sowie weiteren 2%, die für Umweltausgaben im Rahmen der ländlichen Entwicklung (zweite Säule) vorgesehen sind.

Während die Verhandlungen über die Direktbeihilfen im Rahmen der ersten Säule vorangeschritten sind, müssen die Maßnahmen im Rahmen der zweiten Säule noch weiter spezifiziert werden.

Stellungnahmen zur neuen GAP

Der spanische Minister für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, Luis Planas, hat bekräftigt, dass er Landwirt:innen beim Übergang zu einer wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigeren Landwirtschaft unterstützen wolle.

Landwirtschaftliche Organisationen betonen die Notwendigkeit, angesichts der steigenden Umweltanforderungen mehr Unterstützung zu erhalten, und verweisen auf die Fähigkeit der Landwirtschaft, Kohlenstoff zu binden und zu verhindern, dass dieser in die Atmosphäre gelangt.

Laut Ignacio López vom spanischen Bauernverband (Asaja) hat Spanien beschlossen, die Bemühungen der Hersteller:innen mit Hilfe der GAP-Mittel zu „kompensieren“, die den Vorschlag jedoch nicht als „ausreichend attraktiv“ empfinden.

„Sie verlangen von uns mehr Maßnahmen“, die es nötig machen, Investitionen umzuleiten oder höhere Kosten in Kauf zu nehmen, „ohne mehr Geld auf den Tisch zu legen“, und das in einem Kontext „großer Unsicherheit“, sagt López gegenüber Efeagro.

Er erkennt die Notwendigkeit an, nachhaltige Praktiken einzuführen und Probleme wie Bodenerosion oder Brände zu bekämpfen.

Kohlenstoff im Boden

In der EU fördert die Europäische Kommission ihre „Farm to Fork“-Strategie, die den Einsatz von chemischen Pestiziden bis 2030 um 50% und von Düngemitteln um 20% reduzieren soll. Außerdem soll der ökologische Landbau auf 25% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgeweitet werden.

Der Plan umfasst auch eine Initiative zum Carbon Farming – der Kohlenstoffbewirtschaftung zur Kohlenstoffspeicherung in landwirtschaftlichen Böden – und einen Rechtsrahmen für die Zertifizierung des Kohlenstoffabbaus.

Der Vertreter der COAG-Organisation im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA), Andoni García, betonte, dass landwirtschaftliche Produktion für Treibhausgasemissionen verantwortlich sei und als Senke fungiere, indem sie dem Boden organische Stoffe zuführt.

Er zeigte sich jedoch besorgt über die Möglichkeit, dass die Landwirtschaft „in die Kommerzialisierung von Kohlenstoffgutschriften einsteigt und privaten Zertifizierungen unterliegt“, aufgrund von Spekulation.

Seiner Ansicht nach ist eine stärkere finanzielle Unterstützung erforderlich, da es nicht ausreiche, die höheren Kosten der nachhaltigeren Produktion in die Lebensmittelpreise zu integrieren, insbesondere wenn „die EU diese Kosten externalisiert“, indem sie Importe von Billigprodukten aus Drittländern zulässt.

Förderung der ländlichen Entwicklung

In Spanien, wo 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet wird, würde der Modellwechsel nach Ansicht der Biobäuer:innen auch zur Förderung der ländlichen Wirtschaft beitragen, da er das Schaffen von Arbeitsplätzen und wirtschaftliche Vorteile mit dem Schutz der Umwelt, dem Kampf gegen den Klimawandel und der Verbesserung des Tierschutzes verbindet.

Unterdessen plädiert die Pflanzenschutzbranche für mehr Investitionen in die Präzisionslandwirtschaft mit neuen Technologien, Innovationen und geeigneten Rechtsvorschriften.

Techniker David Erice von der UPA-Organisation ist der Ansicht, dass die Bodenbewirtschaftung auf der Iberischen Halbinsel durch Praktiken wie die Fruchtfolge erheblich verbessert werden kann, die „das Überleben der Betriebe aus wirtschaftlicher Sicht nicht gefährden“.

Kritischer sieht er jedoch Beschränkungen bei der Verwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und bezweifelt, dass „Landwirt:innen ohne Produktionsmittel dastehen“. Daher fordert er, die Auswirkungen der formulierten Ziele richtig zu messen.

„Die Herausforderung besteht darin, nachhaltige Praktiken zu schaffen, die die Betriebe insgesamt lebensfähig machen, und daran haben wir in den letzten Jahren gearbeitet“, sagt Erice.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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