Sicherheit vs. Autonomie: mangelnde Einigkeit zur Zunahme der Einfuhr von „sauberen“ Phosphaten

Einige der saubersten Cadmiumquellen seien außerhalb der EU zu finden, so Pascal Michaux, Generalsekretär der globalen Kampagnengruppe Safer Phosphates. Er verweist unter anderem auf Finnland, Kanada, die USA, Russland und Kasachstan. [SHUTTERSTOCK]

Interessenvertreter fordern die Europäische Kommission auf, aus der EU stammende Phosphate mit hohem Gehalt an krebserregendem Cadmium nicht länger über Importen sauberer Produkte aus Nicht-EU-Ländern zu priorisieren. Krititiker warnen jedoch vor einer möglichen Gefährdung der EU-Autonomie.

Cadmium ist ein natürlich vorkommendes Weichmetall, das chemisch ähnlich wie Zink und Quecksilber ist und in Rohphosphat, einem wesentlichen Element bei der Herstellung von Phosphat-Mineraldüngern, vorkommt.

Das Metall wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft, das Leber, Nieren und Knochen schädigt.

Cadmium reichert sich im Boden an, wo es von den Pflanzen aufgenommen wird, insbesondere von bestimmten Lebensmittelgruppen wie Gemüse, Nüssen, Kartoffeln und Fleisch.

Nach Ansicht des Bodenexperten und Wissenschaftlers Ettore Capri, Direktor des OPERA-Forschungszentrums, sind die krebserregenden Eigenschaften von Cadmium seit vielen Jahren bekannt.

Es bestehet kein Zweifel dass es eine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Umwelt darstellt, insbesondere für gefährdete Gruppen wie Kinder.

Trotz dieses Risikos ist das Bewusstsein der Verbraucher:innen für die Kadmiumbelastung gering, so Floriana Cimmarusti, Generalsekretärin von Safe Food Advocacy Europe (SAFE).

„Selbst wenn man auf dem Etikett angibt, dass ein Gemüse einen sehr niedrigen Cadmiumgehalt hat, würde der Durchschnittsverbraucher nicht verstehen, was das bedeutet“, sagte sie und wies darauf hin, dass es nicht ausreicht“, den Verbraucher zu informieren.

Stattdessen schlug sie vor, das Problem am besten an der Quelle zu bekämpfen, indem Landwirte belohnt werden, die die Verwendung von Cadmium auf ihren Feldern einschränken.

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Ein wichtiger Weg, um dies zu erreichen, wäre die Verwendung von Produkten mit geringem Cadmiumgehalt, betonte Capri und fügte hinzu, dass es eindeutige Beweise für die Wirksamkeit eines solchen Vorgehens gebe.

Nach Ansicht von Pascal Michaux, Generalsekretär der globalen Kampagnengruppe Safer Phosphates, gibt es genügend Phosphat mit niedrigem Cadmiumgehalt, um die Nachfrage zu decken. Voraussetzung sei jedoch, dass die EU sich entscheide, diesem Phosphat Priorität einzuräumen.

„Es gibt genügend Quellen für Phosphatgestein mit niedrigem Kalziumgehalt“, sagte er und wies darauf hin, dass die Kosten für die Hersteller zur Entfernung von Cadmium aus Phosphaten relativ gering sind.

Einige der saubersten Cadmiumquellen seien jedoch außerhalb der EU zu finden, erklärte er und verwies unter anderem auf Finnland, Kanada, die USA, Russland und Kasachstan.

Im Gegensatz zu den EU-Produzenten müssen diese Hersteller hohe Einfuhrzölle von bis zu 6,5 Prozent entrichten, sagte er.

Dies führe zu einer „unangenehmen“ Situation, in der die EU die schädlicheren, cadmiumhaltigen Phosphate subventioniere, während sie die Einfuhr von weniger schädlichen Produkten erschwere.

„Wir sollten aufhören, die Hersteller von Phosphatgestein mit Schwermetallen zu subventionieren, und die Zölle für diejenigen abschaffen, die sicherere und qualitativ hochwertigere Phosphate exportieren“, sagte er.

Er betonte ebenfalls dass dies angegangen werden müsse, damit die Landwirte von Düngemitteln mit einem niedrigen Cadmiumgehalt zu einem wettbewerbsfähigen Preis profitieren können“.

Sicherheit vs. Autonomie: Ein sorgfältiger Balanceakt

Benoit Biteau, Europaabgeordneter der Grünen, bestritt zwar nicht die Bedenken im Zusammenhang mit Kadmium, wies aber darauf hin, dass dies die heikle Frage der Souveränität aufwerfe und die geopolitische Komplexität der Debatte hervorhebe.

„Dies ist ein sehr komplexer geopolitischer Kontext aufgrund unserer Beziehungen zu Marokko“, sagte er und ergänzte, dass das oberste Gericht der EU, der Europäische Gerichtshof, bilaterale Abkommen zwischen Marokko und der EU gekündigt habe.

„Das hat sich zwar negativ auf die Verordnung in Europa ausgewirkt, um den Cadmiumgehalt in unseren Böden und Gewässern zu senken, dennoch ist dies eine Tatsache“, sagte er.

Der grüne Abgeordnete warf auch die Frage der Autonomie auf und betonte, dass Landwirte, die auf Phosphat aus Ländern außerhalb der EU, beispielsweise aus Nordafrika, angewiesen sind, nicht autonom seien, was den Sektor anfällig mache.

Anstatt jedoch die Zahl der Einfuhren von sichereren Phosphaten in die EU zu erhöhen, betonte Biteau die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von Düngemitteln zu verringern.

„Wir müssen eine neue Logik finden und Antworten finden, die uns von dieser Abhängigkeit befreien, denn auch die Ressourcen in den Düngemitteln sind endlich“, sagte er.

Um dies entgegen zu wirken müsste der Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU weitere Unterstuzung geleistet werden, und diese stärker auf die Reduzierung des Einsatzes von Phosphaten ausgerichtet sein.

„Die Landwirte müssen autonomer werden. Andernfalls setzen wir unser Leben und das Leben anderer aufs Spiel“, sagte er.

Michaux von Safer Phosphate widersprach dem jedoch und erklärte, dass Düngemittel eine entscheidende Rolle für die Ernährung der wachsenden Bevölkerung spielen und dies auch in Zukunft tun werden.

„Es gibt immer mehr Menschen auf der Erde. Wir müssen die Menschen ernähren. Deshalb brauchen wir Pflanzenschutzmittel und Düngemittel“, so Michaux.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Zoran Radosavljevic]

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