Portugal hat am Freitag (5. April) als achter europäischer Staat die Nutriscore-Kennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackung eingeführt. Zuvor war es der EU-Kommission nicht gelungen, einen Vorschlag für ein EU-weites Modell vorzulegen.
Das neue Gesetz macht Nutriscore zum einzigen offiziellen Lebensmittelkennzeichnungssystem in Portugal. Es ersetzt mehrere Systeme, die in den letzten Jahren von Unternehmen des Lebensmittelsektors entwickelt wurden.
Die portugiesische Regierung bezeichnete den Schritt als „Maßnahme der öffentlichen Gesundheit zur Förderung einer gesunden Ernährung.“ Die Einführung des Systems bleibt für die Unternehmen freiwillig.
Nutriscore wurde 2017 erstmals in Frankreich eingeführt. Es handelt sich dabei um ein Ampel-Kennzeichnungssystem, das Lebensmittel in Bezug auf eine Standardportion nach ihrem Nährwert einstuft. Die Skala reicht von A-grün, was für die gesündeste Stufe steht, bis E-rot.
Der Algorithmus zur Berechnung der Nährwerte wurde Ende 2023 überarbeitet, um strengere Parameter für Milch und Müsli aufzunehmen. Gleichzeitig werden Olivenöl und andere Fette pflanzlichen Ursprungs höher eingestuft als in der vorherigen Version.
Die portugiesischen Behörden haben das System nach der ersten Aktualisierung des Algorithmus als „wissenschaftlich solide“ gelobt.
„Es wurde in einer Vielzahl von Staaten der Europäischen Union eingeführt und wird bereits von mehreren nationalen Wirtschaftsakteuren des Lebensmittelsektors genutzt“, heißt es in dem im portugiesischen Amtsblatt veröffentlichten Text.
„Als solches wird es als das vereinfachte Nährwertkennzeichnungssystem mit den besten Voraussetzungen für die Übernahme in Portugal positioniert.“
Der Gesetzestext wurde am 22. März von der früheren portugiesischen Regierung unter dem sozialdemokratischen Premierminister António Costa verabschiedet und am 4. April veröffentlicht.
Langjährige Kontroverse
Das französische Kennzeichnungssystem hat sich in ganz Europa durchgesetzt. Es wird bereits in Belgien, Deutschland, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und seit kurzem auch in Portugal angewandt.
Die mögliche Einführung von Nutriscore auf EU-Ebene ist jedoch nach wie vor ein sehr umstrittenes Thema.
Im Jahr 2020 wurde in einer Studie der Kommission festgestellt, dass Systeme, die eine Farbcodierung in Kombination mit einer Note verwenden, wie beispielsweise Nutriscore, wahrscheinlich einen bevorstehenden Vorschlag der Europäischen Kommission für ein einheitliches Kennzeichnungssystem inspirieren werden. Dieser Vorschlag sollte ursprünglich bis Ende 2022 vorliegen.
Die EU-Kommission hat die Veröffentlichung ihres Vorschlages für die neuen Kennzeichnungsvorschriften jedoch verschoben. Denn man befürchtet, dass die anstehenden EU-Wahlen die Debatte rund um die Einführung zu sehr polarisieren könnte.
In der Zwischenzeit hat sich Italien, einer der schärfsten Gegner von Nutriscore, für eine weniger „alarmistische“ Alternative, Nutrinform, ausgesprochen. Bei dieser wird der prozentuale Anteil der Nährstoffe und des Energiegehalts an der empfohlenen Tagesdosis angegeben. Das Produkt wird dabei nicht bewertet.
Rom wurde von seinem Agrar- und Lebensmittelsektor unter Druck gesetzt, sich gegen Nutriscore zu positionieren. Schließlich würden die traditionellen Lebensmittel Italiens, wie Käse und Olivenöl, eine orange oder rote Kennzeichnung erhalten.
Die belgische Ratspräsidentschaft wird die Debatte über die umstrittene Nährwertkennzeichnung während eines wissenschaftlichen Symposiums am 25. April erneut aufgreifen. Die Veranstaltung soll dem „Erfahrungsaustausch“ über ein freiwilliges System zur Kennzeichnung von Lebensmitteln auf der Vorderseite der Verpackung dienen. An ihr werden Wissenschaftler, Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, Industrievertreter und Verbraucherorganisationen teilnehmen.
[Bearbeitet von Rajnish Singh]


