Polen will 1200 km langen Schutzwall an seiner Ostgrenze bauen

Wildschweine not welcome: Polen will sich mit einem Metallzaun gegen die Afrikanische Schweinepest schützen. [Shutterstock]

Polen hat beschlossen, bis 2020 einen Zaun an seiner Ostgrenze zu errichten, um die Schweinepest zu bekämpfen. So soll verhindert werden, dass Wildschweine, die die Seuche übertragen, auf polnisches Territorium gelangen – eine Maßnahme, von der Experten nicht allzu überzeugt sind. EURACTIVs Medienpartner Ouest-France berichtet.

Die polnische Regierung wird laut Informationen der britischen Tageszeitung The Telegraph einen der längsten Zäune der Welt entlang seiner Ostgrenzen bauen. Damit soll das Land vor Wildschweinen geschützt werden, die mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert sein könnten.

„Der Zaun muss gebaut werden, damit unsere Sicherheit gewährleistet ist,“ erklärte Robert Telus, Sejm-Abgeordneter und Mitglied des Parlamentsausschusses für ländliche Entwicklung und Landwirtschaft, vergangene Woche gegenüber polnischen Medien. „Wir müssen dafür sorgen, dass Wildschweine nicht in unser Land gelangen und dass unsere Schweinezüchter sicher sind,“ forderte er.

Eine 1.200 km lange Mauer

Der Zaun soll im Jahr 2020 fertiggestellt sein. Er wird sich über mehr als 1.200 Kilometer erstrecken und entlang der Grenze zwischen Polen und der Ukraine, Russland und Weißrussland verlaufen. Der Stahlzaun wird voraussichtlich zwei Meter hoch sein. Außerdem soll sein Fundament tief im Boden vergraben werden, um die Tiere daran zu hindern, Tunnel zu graben. Die Kosten der Arbeiten werden auf mehr als 56 Millionen Euro geschätzt. Bis zur Fertigstellung sollen Jäger die unerwünschte Grenzüberquerung stoppen – einige Tiere werden aber wohl dennoch durchkommen.

Die rote Linie zeigt den angedachten Verlauf des Wildschwein-Schutzzaunes. [Infografik: Elevation Data/USGS]

Wissenschaftler bezweifeln die Effizienz eines solchen Wildschweinzauns: „Ich glaube nicht, dass er wirksam sein wird,“ sagte beispielsweise Dr. Tomasz Podgorski, Experte am Institut für Säugetierforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften, gegenüber dem Telegraph. „Weißrussland hatte bereits etwas Ähnliches versucht; und Studien haben gezeigt, dass Wildschweine trotzdem keine Probleme hatten, am Zaun vorbeizukommen.“

Schweinepest in Polen bereits aufgetreten

Experten stellen außerdem die Notwendigkeit des Zauns in Frage, da die Schweinepest in Polen bereits aufgetreten ist. Seit 2014 wurden 108 Fälle der Krankheit bei Hausschweinen und 1415 bei Wildschweinen gemeldet. „Das einzige, was der Zaun also bewirken würde, ist, die Krankheit innerhalb unserer Grenzen zu halten,“ so Podgroski in einem Interview mit dem polnischen Radiosender Tok FM.

Wildschweine sind sehr kräftige und intelligente Tiere, die extrem hartnäckig sein können und eine bemerkenswerte Fähigkeit haben, Hindernisse zu überqueren oder zu meiden – besonders wenn ein solches Hindernis sie am Fressen hindert. Die Ostgrenze Polens verläuft auch durch Seen und Flüsse, daher gilt es für Experten als wahrscheinlich, dass die Wildschweine natürliche Durchgänge im Zaun finden würden.

Seit einigen Jahren tritt in Polen die Afrikanische Schweinepest auf, eine hochansteckende hämorrhagische Krankheit, von der Wild- und Hausschweine in Teilen Osteuropas betroffen sind. Während die Erkrankung keine Gefahr für den Menschen darstellt, ist sie zu einem ernsten Problem für die Schweinehaltung geworden und kann ganze Schweinepopulationen vernichten. Die Krankheit ist auch in der Russischen Föderation endemisch.

Bisher gibt es keine Gegenmittel oder Impfungen gegen die Afrikanische Schweinepest. In den frühen 1960er Jahren waren Spanien und Portugal von der Krankheit betroffen; es dauerte mehr als 30 Jahre, bis sie ausgerottet war.

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