Polen: Ukrainische Arbeiter sollen bleiben

Aus Sicht polnischer Verbände muss ukrainischen Arbeitnehmenden im Land ein verlängerter Aufenthalt genehmigt werden, um eine "Beeinträchtigung der Agrar- und Lebensmittelproduktion" zu vermeiden. [Shutterstock/B. Godart]

Während Polen seine Grenzen geschlossen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, fordern Landwirtschaftsverbände und Gewerkschaften, ukrainischen Arbeitnehmenden müsse es erlaubt werden, im Land zu bleiben und somit die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion aufrechtzuerhalten. EURACTIV Polen berichtet.

Die landwirtschaftliche Unterorganisation des Gewerkschaftsbundes OPZZ (Rolników i Organizacji Rolniczych) appellierte an Premierminister Mateusz Morawiecki, ukrainischen Beschäftigten verlängerten Aufenthalt in Polen zu ermöglichen, um eine Beeinträchtigung der Agrar- und Lebensmittelproduktion zu vermeiden.

In den vergangenen Jahren hat sich Polen eine führende Position in der Lebensmittelindustrie erarbeitet – vor allem dank der Angestellten aus der Ukraine. Ein plötzlicher Mangel an ukrainischen Helfern könnte nun die Sicherheit und die Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgungskette gefährden, warnt die OPZZ.

Bisher konnten ukrainische StaatsbürgerInnen auf der Grundlage von visafreiem Reisen (maximal 90 Tage) oder Arbeitsvisa (von sechs bis zwölf Monaten) in Polen arbeiten. Nach diesen Zeiträumen sind sie aber verpflichtet, in die Ukraine zurückzukehren.

Klöckner: Lebensmittelketten funktionieren trotz COVID-19

Weder die Supermärkte sollen schließen, noch kommt es zu Problemen bei der Lebensmittelproduktion, betont Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Auf europäischer Ebene spreche man über Möglichkeiten, grenzüberschreitende Lebensmitteltransporte zu vereinfachen.

„Arbeitnehmer aus der Ukraine erlauben es Polen, sein Produktionsniveau in der Lebensmittelindustrie aufrechtzuerhalten. Dank ihnen konnte das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren erhalten werden. Viele von ihnen arbeiten auch in der Industrie,“ erklärte die OPZZ.

Warschaus Maßnahmen

Mit einem außerordentlichen Erlass vom 14. März schloss die polnische Regierung die Grenzen und verbot öffentliche Versammlungen von über 50 Personen.

Ab dem folgenden Sonntag (15. März) wurden alle Passagierflüge aus dem Ausland für 14 Tage verboten. Mindestens ebenso lang sollen die Grenzen zu den Nachbarländern, inklusive der Ukraine, geschlossen bleiben.

Polnische StaatsbürgerInnen, die aus dem Ausland ins Land einreisen, werden 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt.

„Doppelte Verluste“

Im Gespräch mit EURACTIV Polen betonte auch Arkadiusz Pączka, Direktor der Beobachtungsstelle für Gesetzgebung des Polnischen Arbeitgeberverbandes (Pracodawcy RP), mit Blick auf die Situation der ukraininischen Angestellten müsse die Regierung in Warschau nun intervenieren, um „doppelte Verluste“ zu vermeiden.

Er erläuterte: „Häufig haben die Arbeitgeber in die Entwicklung, in die Ausbildung und in den Erwerb von Fachwissen [der ukrainischen Belegschaft] investiert. Es wäre daher ein doppelter Verlust, wenn sie unser Land verlassen müssten. Deshalb fordern die landwirtschaftlichen Organisationen die Regierung auf, einzugreifen.“

Pączka hofft daher, dass Ministerpräsident Morawiecki Mitarbeitern mit auslaufendem Aufenthaltsrecht den weiteren Aufenthalt in Polen erlauben wird: „Diese Möglichkeit findet sich im „Anti-Krisen-Gesetz“ für die polnische Wirtschaft. Wir selbst waren an der Ausarbeitung dieses Gesetzes beteiligt.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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