Pestizid-Herausforderung lässt französischem Weinbau kaum eine Wahl

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This article is part of our special report Europäischer Wein und die Umweltfrage.

Wein, der nationale Stolz Frankreichs, stellt eine große Herausforderung für das Land dar. Obwohl der Weinbau vor allem wegen der Fungizide viel Pestizide benötigt, hat der Sektor weiterhin viele Schwierigkeiten, seine Anbautechniken zu ändern. EURACTIV Frankreich berichtet.

Es ist 5:30 Uhr morgens an einem Augusttag, und die Sonne scheint auf der anderen Seite des Saônetals. Inzwischen ist fast jeder in Frankreich im Urlaub, aber Bernard, ein Winzer in der Region Beaujolais, sitzt bereits auf seinem Traktor.

Bei Windstille ist es der ideale Zeitpunkt, um zu „sulfatieren“, wie die Ältesten sagen. Es geht darum, den Weinberg mit verschiedenen sogenannten „phytosanitären“ oder Pflanzenschutzmitteln zu besprühen.

In diesem Jahr wird es sich um eine der zwanzig „Sprüharbeiten“ handeln, die der Winzer für jede seiner Parzellen durchführt. Die französischen Weinberge sind die größten Verbraucher von Pflanzenschutzmitteln im Land, zu denen die am häufigsten verwendeten Fungizide, Insektizide und Herbizide gehören.

Am stärksten schneidet der Champagner ab, der 2016 25,6 Prozent der Spritzungen benötigte. Er lag damit vor Weinen aus dem Burgund, den Regionen Gers und Beaujolais. Dies hängt mit der außergewöhnlichen Zerbrechlichkeit und Empfindlichkeit der Pflanze gegenüber der Entwicklung von Pilzen, Blattläusen oder Bakterien zusammen.

Obwohl der Weinbau etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Frankreichs ausmacht, verbreitet der Sektor 20 Prozent der Fungizide des Landes.

Sie macht aber auch wertmäßig einen Anteil von 15 Prozent an der französischen Agrarproduktion aus, was vor allem auf die Preise bestimmter Weine wie Bordeaux, Champagner und Burgund zurückzuführen ist.

 

Kaum Pestizidrückstände

Laut einer Studie des Instituts Rhodanien in der französischen Gemeinde Orange lagen die im Wein enthaltenen Pestizide deutlich unter den für Trauben berechneten Höchstwerten.

Sulfit oder Schwefeldioxid, der wichtigste chemische Rückstand im Wein, der im Verdacht steht, Migräne zu verursachen, wird nach der Ernte hinzugefügt, um die Ausbreitung bestimmter Mikroorganismen und die Oxidation zu begrenzen.

In der Natur sind die Moleküle jedoch noch immer verbreitet, so dass Fauna und Flora betroffen sind und Insekten, einschließlich Bienen, getötet werden. Sie wirken sich auch auf den Menschen aus, indem sie die Rate der endokrinen Disruptoren und Krebserkrankungen erhöhen.

Dies ist eine wachsende Herausforderung für die lokalen Gemeinden, die über die Folgen für die Gesundheit ihrer Bewohner besorgt sind. Die örtlichen Kommunen fordern nun, dass in bestimmten Gebieten in der Nähe ihrer Häuser keine Pestizide eingesetzt werden. Häufig in Wohngebieten oder gar Touristendörfern gelegen, sind die Weinberge von diesem Anliegen besonders betroffen.

Wird französischer Wein das nächste Handelsopfer der USA?

US-Präsident Donald Trump drohte am Freitag mit der Besteuerung französischer Weine als Vergeltung für den jüngsten Vorschlag Frankreichs, eine Steuer für große US-Technologieunternehmen zu erheben.

Im Rahmen der Richtlinie zur Schaffung eines Rahmens für den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden hat sich die Weinindustrie verpflichtet, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent zu reduzieren, insbesondere durch eine Änderung ihrer Spritzmethoden.

Ein so genanntes High Environmental Value (HVE)-Label wurde ebenfalls eingeführt und sollte theoretisch die Hälfte aller französischen Betriebe im Jahr 2025 betreffen.

Das von der französischen Regierung geschaffene Label ist den Verbrauchern, Händlern oder gar Produzenten jedoch noch nicht sonderlich bekannt.

Die Beschränkungen sind viel weniger drakonisch als die des ökologischen Landbaus. Dennoch sind sie von großem Interesse für die Reduzierung der Betriebsmittel. So ermöglicht beispielsweise die Rebenbegrünung, das Ausbreiten von Unkrautvernichtungsmitteln zu reduzieren.

Zunehmende Dürren beeinträchtigen Frankreichs nachhaltige Landwirtschaft

Die intensive Dürre in diesem Jahr in Frankreich hat bereits zur Vernichtung von Brachflächen geführt. Sie hat auch zu Spannungen geführt, die für die Verhandlungen über die neue Gemeinsame Agrarpolitik der EU nicht so günstig sind. EURACTIV France berichtet.

„Die Terra Vitis-Zertifizierung wird ab 2020 den HVE-Ansatz beinhalten, der mehrere Betriebe einbeziehen wird. Das Problem ist, dass diese Zertifizierungen auf Studien basieren und teuer sind. Damit sind sie nicht für kleine Betriebe geeignet“, erklärte die französische Abgeordnete Irène Tolleret von der Renew-Gruppe. Tolleret ist ebenfalls eine Winzerin aus Pic-Saint-Loup.

Das Ziel, die Hälfte der 840.000 Hektar französischer Reben innerhalb von sechs Jahren in das Label einzubeziehen, erscheint daher sehr ehrgeizig. Derzeit machen die Bio-Reben nur 61.000 Hektar und die Terra Vitis-Zertifizierung 11.000 Hektar aus, was weniger als zehn Prozent der französischen Weinberge entspricht.

Abgesehen vom ökologischen Landbau entstehen neue Umweltinitiativen, insbesondere in Bordeaux und der Champagne, den größten Weinregionen Frankreichs. Und das vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels, der eine Anpassung der Rebsorten und des Wassermanagements bei steigenden Temperaturen erfordert.

Dieses Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission kann nicht für eine weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben haftbar gemacht werden.

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