Österreich debattiert Gefahren auf der Alm

Betreten auf eigene Gefahr: auch Almen können gefährlich werden. [amino/ Shutterstock]

Österreich erlässt neue Richtlinien zum Verhalten auf der Alm. Wer diese betritt, soll sich der Eigenverantwortung verstärkt bewusst sein. Anlass war der Tod einer Frau ausgerechnet durch eine Kuh gewesen.

Seit Wochen beschäftigt ein bereits fünf Jahre zurückliegender Fall die österreichische Politik. Ausgangspunkt war ein Unfall auf einer Alm im Gebiet des Tiroler Stubaitals. Eine deutsche Urlauberin war damals mit ihrer Bulldogge unterwegs und kreuzte den Weg einer Kuhherde. Eine nicht unkritische Situation, da Hunde gerne auf Kühe losgehen und diese wiederum im Rudel reagieren. So kam es dann auch: Eine Kuh verteidigte ihr junges Kalb gegen den angriffigen Hund. Die Urlauberin wollte ihn gegen die Angriffe schützen und wurde dabei selbst von der Kuhherde totgetrampelt.

Nun verurteilte ein Innsbrucker Gericht den Almbauer zu insgesamt 490.000 Euro Schadenersatz. Die Begründung lautet, dass das Weidegebiet nicht entsprechend abgesichert gewesen sei. Das Urteil – wenn auch noch nicht rechtskräftig – und die existenzbedrohende Strafzahlung trieb die tausenden Almbauern Österreichs auf die Barrikaden. Sie drohen, ihre Almbetriebe abzusperren und damit Wanderwege zu unterbinden. Das wiederum wurde von den Tourismusverbänden als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichnet, zumal sich der Wandertourismus nicht nur besonderer Beliebtheit erfreut, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Sommer-Tourismus geworden ist.

FPÖ-Minister sorgt für Aufreger

Wieder einmal sorgt Österreichs Innenminister Herbert Kickl  (FPÖ) für einen Aufreger. Diesmal geht es um die Basis des Rechtsstaates.

Die Debatte führte nun dazu, dass die Politik Handlungsbedarf erhielt. Der Fall ist zur Chefsache geworden, denn laut Bundeskanzler Sebastian Kurz beschränkt sich die Problematik nicht auf diesen Einzelfall. Kurz sprach sich für ein Miteinander von Almwirtschaft und Tourismus aus und forderte die Erlassung klarer Richtlinien. In Zuknft sollen sich Touristen, die im alpinen Geländer unterwegs sind, an einen Verhaltenskodex halten müssen, der sich an den so genannten 10-FIS-Regeln für Skifahrer und Snowborder orientiert. Unter anderem wird festgehalten, dass die Begegnung mit Tieren Distanz und Respekt verlangt. Almtiere benötigen Bewegungsfreiheit, dennoch wird ein Hundeverbot nicht erlassen. Hier liegt die Verantwortung bei deren Haltern.

Sommertouristen dürften in Österreich in Zukunft also häufiger Hinweistafeln mit dem Vermerk „Achtung Weidevieh. Durchgang nur auf eigene Gefahr. Hunde sind an der Leine zu führen“ sehen. Interessant wird nun werden, wie das Gericht in der nächsten Instanz auf das anlassgebende Urteil reagiert.

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