Nicht alle geneditierten Pflanzen gleich behandeln, warnen MEPs

Während herbizidresistente Pflanzen den Landwirten somit eine flexible und einfache Handhabung ermöglichen, ist diese Strategie umstritten, da sie einen starken Einsatz von Herbiziden beinhaltet, was wiederum zu einer steigenden Herbizidtoleranz bei Unkräutern beitragen kann. [SHUTTERSTOCK]

Bei der Gen-Editierung ist ein gezieltes Vorgehen erforderlich. Schließlich bringen nicht alle Genomtechniken die in der neuen Studie der Europäischen Kommission versprochenen Nachhaltigkeitsvorteile mit sich, warnen EU-Parlamentsabgeordnete.

Ein bemerkenswertes Beispiel dafür sei die Herbizid-Resistenz, die – wie der liberale Europaabgeordnete Martin Hojsík während einer kürzlichen Sitzung des ENVI-Ausschusses betonte – eine häufige Eigenschaft bei geneditierten Pflanzen ist. Herbizidtoleranz ist die Fähigkeit einer Pflanze, einem bestimmten chemischen Herbizid zu widerstehen. Dies ermöglicht es dem Landwirt, Unkraut zu vernichten, ohne die Nutzpflanzen zu schädigen.

Während herbizidresistente Pflanzen den Landwirten somit eine flexible und einfache Handhabung ermöglichen, ist diese Strategie umstritten, da sie einen starken Einsatz von Herbiziden beinhaltet, was wiederum zu einer steigenden Herbizidtoleranz bei Unkräutern beitragen kann.

Unter Hinweis darauf, dass ein Drittel aller neuen geneditierten Nutzpflanzen im vorkommerziellen Stadium so verändert sind, dass sie das Sprühen von Herbiziden überstehen, stellte Hojsík die Frage, ob die Kommission plane, den Marktzugang dieser Eigenschaften zu beschleunigen. Er merkte an, dass dies eher an „alte“ Techniken der genetischen Veränderung erinnere.

Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling verwies auf das Beispiel der USA, die zwar seit langem ein Verfechter der Gentechnik sind, ohne dass dies jedoch zu einer entsprechenden Reduzierung des Pestizideinsatzes geführt hätte.

Kommission hält aktuelle Rechtsrahmen für geneditierte Pflanzen für unzureichend

Eine neue Studie der Europäischen Kommission kommt zu dem Schluss, dass der derzeitige Rechtsrahmen für neue genomische Techniken (NGT) unzureichend ist.

Die Kommentare kamen vor dem Hintergrund der kürzlich von der Kommission veröffentlichten Studie über neue Genomtechniken. Die lang erwartete Studie, die Ende April veröffentlicht wurde, hebt das Potenzial hervor, das derartig veränderte Produkte und ihre Anwendungen haben, um zu den Zielen des Green Deal, beizutragen, zu dem auch das Ziel gehört, den Einsatz und die Risiken von Pestiziden um die Hälfte zu reduzieren.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass der derzeitige rechtliche Rahmen für neue genomische Techniken (NGTs) unzureichend ist und deutet darauf hin, dass neue politische Instrumente in Betracht gezogen werden sollten, um die Vorteile dieser Technologie auszuschöpfen.

Doch nun stellt sich die Frage, wie zwischen verschiedenen gentechnisch veränderten Nutzpflanzen unterschieden werden soll, um sicherzustellen, dass deren Eigenschaften auch tatsächlich mit den Zielen des Green Deal übereinstimmen.

Irene Sacristan Sanchez, Leiterin des Referats für Biotechnologie bei der GD SANTE der Kommission, bestätigte, dass es „einige Produkte in der Pipeline“ gibt, die herbizidtolerant sind. Allerdings seien allerdings viel mehr andere Anwendungen geplant als zuvor bei „klassischen“ oder etablierten genomischen Techniken.

So gebe es zwar bisher nur sehr wenige Produkte auf dem Markt, aber „viele in der Entwicklung, bei denen neue Eigenschaften untersucht werden, die sehr vorteilhaft wären“, meint sie. Sie stimmte jedoch zu, man müsse „einen Weg finden, um für diese Produkte, die wirklich einen Vorteil bringen könnten, einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, in dem wir ihre Sicherheit bewerten, aber auch diese vorteilhaften Eigenschaften berücksichtigen können“.

Sacristan Sanchez betonte, dass der Grad der Risikobewertung von den eingeführten Veränderungen abhängt, die von „sehr begrenzt bis sehr umfassend“ reichen können, und sagte, dass die Risikobewertung auch mit der „Neuartigkeit „des neu eingeführten Merkmals verbunden sein wird.

Diese Art der Anpassung der Risikobewertung an verschiedene Produkte, die aus unterschiedlichen Techniken und Modifikationen resultieren, zeige Probleme in der aktuellen Gesetzgebung auf, fügte sie hinzu: „Das ist es, was unsere derzeitige Gesetzgebung nicht berücksichtigt, und wenn wir das nicht in Angriff nehmen, dann könnten wir eine Menge Potenzial dieser neuen Techniken verlieren, zunächst im landwirtschaftlichen Bereich, und dann auch in anderen Bereichen“, warnte Sacristan Sanchez.

Die Studie der Kommission kommt zu dem Schluss, dass es „starke Anzeichen“ dafür gibt, dass die derzeitige Gesetzgebung „für einige NGTs und ihre Produkte nicht zweckmäßig ist und an den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt angepasst werden muss.“

Im Anschluss an ihre Studie will die Kommission nun eine Folgenabschätzung durchführen, um neue Gesetzesvorschläge auszuarbeiten, die dann auf ausgewählte NGTs abzielen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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